02. Mai 2022
Rekordinflation und russischer Angriff auf Ukraine erfordern Mäßigkeit
Wolfgang Steiger: Dies ist nicht die Zeit für plumpe Umverteilungsrhetorik - Wir müssen jetzt mehr denn je gesamtwirtschaftliche Folgen im Blick haben

Der Wirtschaftsrat der CDU e.V. kritisiert die Forderungen der Gewerkschaften nach Lohnsteigerungen mit vollem Inflationsausgleich und plus zusätzlicher sogenannter "Umverteilungskompetente". "Das ist Gift angesichts der Rekordinflation. Dazu führt die plumpe Umverteilungsrhetorik von DGB-Chef Reiner Hoffmann eindeutig in die Irre. Die hohen Preissteigerungen bedeuten einen Abfluss von Wohlstand aus Deutschland zu den Anbieterländern von Energieträgern. Dieser Wohlstandsverlust muss von der deutschen Volkswirtschaft und allen ihren Akteuren – Unternehmern wie Arbeitnehmern – insgesamt geschultert werden. So, wie sich die Arbeitnehmer seit 2010 mit dem langanhaltenden Wirtschaftswachstum über einen zweistelligen Anstieg der Reallöhne freuen konnten, ist jetzt Mäßigkeit üben. Dies ist ein Preis des russischen Angriffs auf die Ukraine. Überhöhte Lohnsteigerungen würden die Inflation weiter befeuern, denn Unternehmen müssten gestiegene Arbeitskosten an die Verbraucher weitergeben. Wenn sich die Lohn-Preis-Spirale immer schneller dreht, profitiert am Ende niemand, sondern alle verlieren", unterstreicht Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

Die Forderung der IG Metall nach 8,2 Prozent Lohnplus ist nicht von dieser Welt. Ebenso unrealistisch ist der Anspruch von DGB-Chef Reiner Hoffmann, die diesjährige Tarifrunde müsse für die Beschäftigten neben dem vollen Inflationsausgleich noch eine zusätzliches Plus abwerfen. Angesichts einer Inflationsrate von 7,4 Prozent im April liefe die Forderung von Herrn Hoffmann ebenfalls auf eine acht vor dem Komma hinaus. Dabei steigen die Unternehmensgewinne keinesfalls mit der Inflationsrate, ganz im Gegenteil: Auch Unternehmen werden durch die Energiepreisexplosion enorm belastet. Ganze Fabriken, beispielsweise in der Papierindustrie, wurden deshalb bereits stillgelegt. Die harte Wahrheit ist: Die deutsche Volkswirtschaft wird insgesamt ärmer, wenn wir mehr Geld an die Länder zahlen müssen, die uns fossile Energieträger, Metalle und Agrarrohstoffe liefern. Allein die Energiepreise sind im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel angestiegen, die Benzinpreise haben sich seit dem Tiefststand vor rund zwei Jahren sogar mehr als verdoppelt. Damit fließt Wohlstand aus Deutschland ab und landet beispielsweise bei den erdölexportierenden Ländern, die nun höhere Preise an den Weltmärkten durchsetzen können. Es stimmt, wir alle müssen an der Kasse mehr bezahlen, doch das Geld landet nicht im Portemonnaie der Unternehmer, sondern auf den Konten der Energieexporteure.

"Diese Wohlstandsverluste betreffen die gesamte Volkswirtschaft. Es kann nicht funktionieren, die Arbeitnehmer von den Folgen der höheren Inflationsrate gänzlich freizustellen und stattdessen alles den Unternehmen aufzubürden. Die leiden aktuell nicht nur unter der Energiepreisexplosion. Auch viele Lieferketten sind gerissen, durch den chinesischen Corona-Lockdown stapeln sich die abfahrbereiten Container im Hafen von Shanghai, und das Reich der Mitte schwächelt als Abnehmer deutscher Produkte. Die schlimme Konsequenz: Die deutsche Wirtschaft schrammt hart am Rande einer neuerlichen Rezession entlang: Im ersten Quartal 2022 lag das Wirtschaftswachstum nur bei 0,2 Prozent, nach -0,1 Prozent im letzten Quartal 2021. In den vergangenen drei Jahren, seit dem Frühjahr 2019, ist die deutsche Wirtschaft insgesamt nicht einmal um einen Prozentpunkt gewachsen, die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag gerade einmal bei 0,3 Prozent. In dieser Phase der Schwäche würde ein zusätzlicher Lohnkostenschock massenweise Arbeitsplätze kosten. Dabei gibt es immer noch rund 2,5 Millionen Arbeitslose. Maßlose Tarifabschlüsse erhöhen für sie die Hürden für den Einstieg in den Aufstieg am Arbeitsmarkt weiter", betont Wolfgang Steiger.