18. März 2021
10. Digitalisierungskonferenz mit Teilnahmerekord
Zentrale Forderung: Digitalisierung der Land- und Forstwirtschaft muss in Digitale Agenda des Landes integriert werden

Magdeburg, 18.03.2021. Digitale Lösungen eröffnen ein breites Angebot an neuen Möglichkeiten. Sie tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen und Vorgänge effizienter zu gestalten. Damit ergeben sich auch für den Sektor Land- und Forstwirtschaft zahlreiche Anwendungen. Voraussetzung ist die Schaffung geeigneter Strukturen, um die Potenziale in der Praxis voll ausschöpfen zu können. Auf welche Aspekte es besonders ankommt, wurde heute auf der 10. Digitalisierungskonferenz besprochen. Der Cluster IT Mitteldeutschland e.V., der Wirtschaftsrat der CDU e.V., das Innovationsbündnis Anhalt e.V. und die Hochschule Anhalt haben die Webveranstaltung gemeinsam ausgerichtet. Dabei kamen hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um sich über Zukunftstrends in Land- und Forstwirtschaft auszutauschen. Mit mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verzeichnete die Digitalisierungskonferenz zum 10. Jubiläum einen Besucherrekord.

 

Die Veranstaltung hat konkrete Handlungsanforderungen zur Fortschreibung der Digitalisierung in Sachsen-Anhalt geliefert. Aus Sicht der Wirtschaft dringend anzugehen Aspekte wurden in einem Maßnahmenpaket zusammengestellt und an die Politik übergeben. Zu den zentralen Forderungen gehört, dass der Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur zügig vorangetrieben werden muss, nicht nur in Metropolen, sondern vor allem auch im ländlichen Raum. Denn ein modernes Datennetz bildet das Rückgrat zur flächendeckenden Etablierung digitaler Lösungen. Es gilt außerdem, Standards für die reibungslose Zusammenarbeit verschiedener Systeme zu schaffen und IT-Sicherheit bestmöglich zu gewährleisten. Auch die Stärkung vorhandener Innovationspotenziale und die fachliche Qualifikation sollten im Fokus stehen. Sie sind die Grundlage zur Entwicklung und Etablierung neuer Technologien in der Praxis.

 

Das sagten Vertreter aus Wirtschaft und Politik auf der 10. Digitalisierungskonferenz


Staatssekretär Thomas Wünsch, Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt über die aktuelle Situation: „Die sachsen-anhaltische Land- und Agrarwirtschaft hat schon in den vergangenen Jahren gezeigt, wie digitale und technische Innovationen einen Wirtschaftszweig prägen und verändern. Obwohl dies im Vergleich zur Transformation in anderen Bereichen bislang relativ geräuschlos erfolgt, sind die digitalen Fortschritte trotzdem enorm. Mindestens ebenso groß sind aber auch die Herausforderungen, der sich die Branche in den kommenden Jahren stellen muss. Ich bin hier aber sehr zuversichtlich. Denn wie wir heute gesehen haben, plant unsere Agrarwirtschaft weitere digitale Innovationen, die auch Verbraucherinteressen, Umweltschutz und Ressourcenschonung stark im Blick haben.“

 

Dr. Ralf-Peter Weber, Staatssekretär, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt über die Rolle digitaler Lösungen in der Landwirtschaft: „Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat? Reicht der Regen? Sind Düngung und Pflanzenschutz angemessen? Sind die Rückegassen gut geplant? Die Land- und Forstwirte wollen es wissen. Sie wollen das eigene Wissen und gemachte Erfahrungen bewahren, ordnen und teilen. Sie wollen auf geordnete Informationen und ausgewertete Daten zugreifen oder Daten selber für ihre Entscheidungen auswerten und zur Steuerung aller Prozesse einsetzen – digital.“

Bernd Hauschild, Vorstandsvorsitzender Innovationsbündnis Anhalt e.V., Oberbürgermeister Stadt Köthen (Anhalt) sagte: „Das IBA ist bereits zum zweiten Mal an der Digitalisierungskonferenz beteiligt, diesmal als einer der Organisatoren. Durch die Präsentation eines Teils des Stands der Technik und der Wissenschaft, werden neue Möglichkeiten aufgezeigt, die für die Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Wir verstehen es als Aufgabe des Landes, den Netzausbau zu einer flächendeckenden Infrastruktur für die Land- und Forstwirtschaft auszubauen. Damit wird ein Grundelement geschaffen, um viele der aufgezeigten und auch nicht im Rahmen der Veranstaltung vorgestellten Möglichkeiten umzusetzen. Ein weiteres wichtiges Instrument, um die Region im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Aufbau zu unterstützen ist aus Sicht des IBA die Schaffung eines Innovationsfonds zur Kofinanzierung der zur Verfügung gestellten Mittel des Landes, des Bundes und der EU. Damit werden die regionalen Akteure, wie z. B. Landkreise, im Ausbau der notwendigen digitalen Infrastruktur unterstützt.“

 

Sirko Scheffler, Landesvorstandsmitglied, Vorsitzender der LFK Internet und Digitale Wirtschaft, Wirtschaftsrat der CDU e.V., Landesverband Sachsen-Anhalt, Vorstandsmitglied des Clusters IT Mitteldeutschland e.V., Vorstandsmitglied Innovationsbündnis Anhalt e.V., Geschäftsführer brain-SCC GmbH, gab die Sicht der IT-Wirtschaft wieder: „Digitale Lösungen lassen sich mannigfaltig in Land- und Forstwirtschaft einsetzen, um effektiver zu arbeiten, sparsamer mit Ressourcen umzugehen und Ausfallzeiten zu minimieren. Potenzial bietet zum Beispiel die Entwicklung von Dateninfrastrukturen. Sie ermöglichen eine Vernetzung untereinander und liefern wertvolle Informationen, als Grundlage zur Optimierung von Prozessen. Bei der Etablierung von Dateninfrastrukturen sollten hohe Standards in Sachen IT-Sicherheit umgesetzt werden. Sie sind wichtig, um etablierte und neue Anwendungen Einzug in die Praxis halten zu lassen. Aufgabe der Politik ist es, die übergeordneten Strukturen zu schaffen und digitalisierungswilligen Unternehmen einen unkomplizierten Zugang zu neuen Technologien zu ermöglichen.“

 

Alfons-Josef Wolff, Vorsitzender der LFK „Um den Menschen und Unternehmen im Land Sachsen-Anhalt gute Lebens- und Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, ist eine flächendeckende digitale Infrastruktur bereitzustellen. Der ländliche Raum braucht Chancengleichheit – besonders Unternehmen, die standortgebunden sind, und hierzu gehört die Land- und Forstwirtschaft. Der Datenschutz ist dabei sicherzustellen. Die Entscheidung über digitale Anwendungen muss in freier unternehmerischer Verantwortung bleiben und sollte nicht durch öffentliche Programme oder gar staatliche Vorschriften reglementiert werden. Sachsen-Anhalts Landwirte wissen selber am besten, was echten Fortschritt bringt und was überflüssig ist.“

 

Dr. Klaus Erdle, Vorstandsmitglied Innovationsbündnis Anhalt e.V., DLG e.V., Bereichsleiter Pflanzenproduktion und Außenwirtschaft im DLG-Fachzentrum Landwirtschaft betonte das gemeinsame Vorgehen bei der Fortsetzung des begonnenen technologischen Wandels: „Digitalisierung ist nichts für Einzelkämpfer. Nur in Kooperation mit Wissenschaft und Industrie, aber vor allem auch mit der landwirtschaftlichen Praxis, können Systeme entwickelt werden, die uns weiterbringen.“

 

Marco Langhof, Vorsitzender des Digitalisierungsbeirates Sachsen-Anhalt, Vorstandsmitglied Cluster IT Mitteldeutschland e.V., Geschäftsführer TELEPORT GmbH fasste zusammen: „Auf der 10. Digitalisierungskonferenz zeigte sich deutlich: Noch finden sich die zentralen Aspekte zur Digitalisierung der Land- und Forstwirtschaft in der Digitalen Agenda des Landes viel zu wenig wieder. Dort müssen sie aber zwingend enthalten sein. Nur durch ein aufeinander abgestimmtes Vorgehen lässt sich die Digitalisierung in der Praxis erfolgreich umsetzen. Kleinstaaterei und parallele Aktivitäten müssen vermieden werden. Die 10. Digitalisierungskonferenz war insofern eine wichtige Plattform, um die beteiligten Akteure zusammenzubringen und den Grundstein für die gemeinsame Fortschreibung der Digitalen Agenda in der Praxis zu schaffen.“

 

Die 11. Digitalisierungskonferenz findet am 14. Juli 2021 in Zeitz statt.