13. November 2017
Mittagsveranstaltung der Sektion Pinneberg im Mercator Restaurant
Zusammenarbeit mit Hamburg: Wir könnten unsere Chancen besser nutzen
Mehr zielorientiertes und fokussiertes Engagement in der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein sowie eine verstärkte Vernetzung mit Dänemark und Schweden sind nach Ansicht von Dr. Rolf-Barnim Foth, Stabsbereichsleiter der Hansestadt Hamburg für Norddeutsche Zusammenarbeit, Marketing und Tourismus, in den kommenden Jahren erforderlich. „Um Innovations- und Wachstumspotentiale zu nutzen, müssen wir als europäische Region international sichtbarer zu werden“, so Dr. Foth bei einem Besuch der Sektion Pinneberg im Restaurant Mercator in Elmshorn.
v.l. Dr. Christian von Boetticher, Dr. Rolf-Barnim Foth und Jens Sander / Foto: Wirtschaftsrat


Pinnebergs Sektionssprecher Jens Sander stellte in seiner Begrüßung heraus, daß sich die Region Pinneberg als Bindeglied zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein sieht. „Eine funktio-nierende Zusammenarbeit mit der Hansestadt ist mit Blick auf die Wirtschaftsbeziehungen oft wichtiger als der Kontakt zur Landesregierung in Kiel.“ Zahlreiche Herausforderungen – vor allem die Weiterentwicklung der Verkehrswege – stünden auf dem Programm und müßten „für uns als Pendlerregion deutlich besser gemeinsam angegangen und gemeistert werden.“

Zum Beginn seines Vortrages zeigte Dr. Foth die vielfältigen Kooperationsformen auf allen Ebenen auf – von den fünf norddeutschen Länderregierungen bis zu einzelnen Kommunen. „Vieles ist in den vergangenen Jahren in der Nachbarschaftspolitik besser geworden. Bestes Beispiel für ein funktionierendes Miteinander ist das gemeinsame Vorgehen in der Verkehrspolitik.“ Es sei mit der Ahrensburger Liste gelungen, sich länderübergreifend auf zentrale Projekte zu einigen „und diese konnten dann auch beim Bund durch gesetzt werden.“ Gleichwohl gebe es zahlreiche Baustellen, denn „ein konsequentes und nachhaltiges gemeinsames Handeln ist noch nicht ausreichend in den Köpfen verankert“.

 

So werde aktuell beispielsweise lediglich in zwei Clustern länderübergreifend agiert. „In Zeiten der Globalisierung funktioniert Wirtschaft aber nicht in den Grenzen der Bundesländer, sondern durch gut aufgestellte Wirtschaftsregionen.“ So sei Hamburg zwar die größte Nicht-Hauptstadt „aber die internationale Sichtbarkeit und Wahrnehmung ist überschaubar“. Dr. Foth: „Wir brauchen an vielen Stellen mehr gemeinsame Schlagkraft, um beispielsweise auch einmal auf einer Messe in Asien vertreten zu sein.“

Es gelte, die Ansätze der internationalen Zusammenarbeit mit Jütland in Richtung Dänemark und über Kopenhagen bis nach Helsingborg und Malmö auszubauen. Als ein Beispiel, wie man als europäische Großregion weltweit in den Fokus kommen könne, nannte Dr. Foth die Forschung in der Materialwirtschaft und Life Science am XFEL in Schenefeld und bei ESS in Lund und Kopenhagen. „Auf dieser Achse werden bis 2023 mit zusammen Petra III, Max IV und ESS fast vier Milliarden Euro in anwendungsnahe Forschung in vestiert. Die gemeinsame Region wird damit weltweit führend in diesen Bereichen. Wir müssen uns insgesamt über Landesgrenzen hinaus aufstellen, sonst vergeben wir im globalen Wettbewerb zu viele Chancen für Innovationen und Wachstum.“

Auch für die schleswig-holsteinischen Regionen, die rund um Hamburg und entlang der Elbe liegen, äußerte Dr. Foth auf Nachfrage einen Wunsch. „Die Zusammenarbeit von Lüneburg bis Stade in der Süderelbe AG funktioniert gut. Die Bemühungen des Kreises Pinneberg, auf der anderen Elbseite etwas Vergleichbares zu schaffen, sind leider gescheitert.“ Er hoffe, daß die Überlegungen für eine schlagkräftige industrielle Zusammenarbeit insbesondere an der Unterelbe „wieder mehr Fahrt aufnehmen.“ Für die Impulse, die Dr. Foth mit seinem Vortrag gab, bedankte sich der Landesvorsitzende Dr. Christian von Boetticher.

Anfang 2018 stünden gemeinsame Gespräche der Vorstände der Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein beim Wirtschaftsminister in Kiel und beim Wirtschaftssenator in Hamburg an. „Diese Termine werden wir nutzen, um nachhaltig für eine intensivere nachbarschaftliche Kooperation zu plädieren.“ Er werde deutlich machen, daß eine besser abgestimmte Herangehensweise vor allem in den Bereichen Wissenschaft und Clusterpolitik notwendig ist. Auch die Entwicklung der Unterelbe müsse wieder stärker in den Fokus rücken./Holger Hartwig