21. Oktober 2015
Wirtschaftsrat: Energiewende mit Augenmaß
„THÜRINGEN AKTUELL“ - Wirtschaft im Dialog mit Ministerin Birgit Keller
„Die Energiewende in Thüringen ist notwendig, muss jedoch mit Augenmaß unter Beachtung der regionalen Gegebenheiten erfolgen und auf einen wirtschaftlichen Energie-Mix setzen. Für Südthüringen heißt dies, insbesondere Tourismus, Waldwirtschaft, Jagdwesen und Artenschutz bei Entscheidungen zu berücksichtigen“
Foto WR: v.l.n.r. Herr Liebig, Frau Ministerin Keller, Herr Dr. Müller, Herr Otto

“, forderte Dr. Wolfgang Müller, Sprecher der Sektion Südthüringen im Wirtschaftsrat Deutschland, in Suhl in der Podiumsdiskussion mit Birgit Keller, Thüringens Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft. Weiter kritisierte er aus Sicht der Wirtschaft den Weg, die Energiewende im Schwerpunkt über die Errichtung weiterer Windkraftanlagen (WKA) erreichen zu wollen, als Sackgasse. Zudem erreichten die damit verbundenen weiter steigenden Steuern, Energiekosten und auch der „Wasser-Cent“ ein für die auf Wirtschaftlichkeit bedachten Unternehmen ein unerträgliches und bald nicht mehr kompensierbares Maß. Der „große Wurf in der Energiewende“ werde also noch vermisst, denn nachhaltige Ergebnisse ließen sich nur mit neuen Technologien der Energiespeicherung und Verteilung über intelligente Netze erzielen. Know-how und Technologien hieraus seien ideal als Exportgüter verwendbar. Der alljährliche und nunmehr 18. „Thüringen Aktuell“-Dialog der Wirtschaft mit Mitgliedern des Landeskabinetts im Suhler Hotel "Thüringen" verschrieb sich dem Thema der Akzeptanz und Auswirkungen der Energiegewinnung aus den alternativen Quellen Wind und Biomasse.

 

Ministerin Birgit Keller beschrieb hierbei im Schwerpunkt zu Windkraft im Wald und zur landwirtschaftlichen Erzeugung von Biomasse zur Biogaserzeugung die Situation, die Sach- und Arbeitstände sowie die Ziele und Positionen der Koalitionsregierung. So verteidigte sie den politischen Willen der Verdopplung der Anzahl der WKA auf etwa 1.500 und die dafür nötige Verdreifachung der Vorrangflächen. Das Verfahren geschehe nach ihren Worten unter breiter Einbeziehung der Öffentlichkeit, um einen „strukturierten und konfliktarmen Ausbau der Windkraft“ durchzusetzen. Es gehe in erster Linie darum, Rechtssicherheit für die regionalen Planungsgemeinschaften beim Ausweis von Vorrangflächen für WKA herzustellen. Um hierbei Akzeptanz zu gewinnen, wäre beispielsweise die Vorgabe großzügiger Abstandsflächen zu Wohngebieten, berechnet aus dem Zehnfachen der Nabenhöhe des Windrades analog der bayerischen Regelung geeignet, so Forderung aus Podiums und Auditorium in Richtung Politik.

 

Die jeweiligen Positionen aus Sicht der Unternehmen und auch aus Sicht des Jagd- und Forstwesens vertraten im Podium Steffen Liebig, Präsident des Landesjagdverbandes Thüringen, RA Dr. Wolfgang Müller, Rechtsanwälte Dr. Müller & Kollegen, Sprecher der Sektion Südthüringen des Wirtschaftsrates der CDU e.V. und Rainer Otto, Geschäftsführer der Vi-Strategie GmbH, Vorsitzender der Landesfachkommission Energiepolitik des Wirtschaftsrates der CDU e. V.

 

In den Wortmeldungen spiegelte sich die Vielschichtigkeit der Interessen und von berechtigten bedenken wider. So warnte Brigitte Groeger, Gastgeberin und erfahrene Chefin des Suhler Hotels „Thüringen“, durch Windräder im Wald die Attraktivität des Rennsteiges und gesamten Thüringer Waldes als Tourismusziel und Wirtschaftsfaktor zu untergraben. Es seien neben dem gestörten Panorama auch die ehemals harmonischen geschützten und nun durch Anfahrtsschneisen zu den WKA zerfurchten und geteilten Waldflächen, die es zu verhindern gelte. Mittelständische Holzverarbeiter sehen dadurch ihre notwendigerweise kontinuierliche Versorgung mit Schnittholz in Gefahr.

 

Insbesondere durch den Anstieg der Maisanbauflächen in Südthüringen, um Biogasanlagen mit der Energiepflanze zu versorgen, sieht das Jagdwesen den Bestand an Feldhase und Fasan und insgesamt die Artenvielfalt der regionalen Fauna und Flora gefährdet.

 

Umgehende Klärung versprach die Ressortchefin in der Frage, welche Gefährdung für Wildtiere, Erdreich und Menschen von der massenhaften Ausbringung nicht weiter nutzbarer Gärrückstände aus Biogasanlagen und der darin enthaltenen Fäulnisbakterien ausgeht.

Foto WR: Thüringen Aktuell 2015
Foto WR: v.l.n.r. Ministerin Birgit Keller, Dr. Wolfgang Müller, Sektionssprecher Südthüringen
Kontakt
Andreas Elm von Liebschwitz
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Thüringen
Telefon: 0361/ 5661488
Telefax: 0361/ 5661490