04. Oktober 2016
"Wir müssen den Politikern die Werbebranche erklären"
Dr. Ralf Nöcker zu Gast beim Wirtschaftsrat
Immer wieder sorgen Werbeverbotsforderungen einzelner Politiker in der Kreativbranche für Aufruhr. Zuletzt machte das Bundesjustizministerium mit seinem Vorhaben, sexistische Werbeinhalte verbieten zu wollen, auf sich aufmerksam. Auf Einladung der Landesfachkommission Marketing & Kreativwirtschaft berichtete Dr. Ralf Nöcker, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen GWA e.V., über die Sichtweise seiner Branche auf die Forderungen der Politik.

„Das größte Problem für uns ist, dass viele Politiker die ökonomische Bedeutung der Werbeindustrie vollkommen unterschätzen“, stellte Dr. Ralf Nöcker, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen GWA e.V., zu Beginn seines Vortrages fest. „Sämtliche regulierende Eingriffe in die Werbeindustrie haben unmittelbare Folgen für den Arbeitsmarkt. Das ist der Politik nicht bewusst.“ Auch aus der Bevölkerung sei bei der Durchsetzung von Werbeverboten kein Widerstand zu erwarten. Die meisten Menschen lehnten Werbung ab und seien sich ihrer Bedeutung für das Funktionieren der Marktwirtschaft nicht bewusst.

 

Nöcker kritisierte außerdem das paternalistische Staatsverständnis, das sich derzeit in der Politik ausbreite: „Wir erleben zunehmend, dass Politiker den Bürgern eine gewisse Irrationalität unterstellen, um damit Markteingriffe rechtfertigen zu können. Diese Irrationalitätsannahme passt aber nicht zur Demokratie. Die Rationalität der Bürger ist die Grundvoraussetzung für die Volksherrschaft.“ Hinzu komme, dass Werbeverbote nicht nur undemokratisch, sondern auch überflüssig seien: „Mit der Gründung des Werberates im Jahr 1972 ist bereits ein effektives Instrument für die Beanstandung anstößiger Werbeinhalte geschaffen worden.“ Im Jahr 2015 erreichten den Werberat 379 Beschwerden. In 114 Fällen habe sich der Werberat den Beschwerdeführern angeschlossen. 90 Prozent der Unternehmen hätten daraufhin die beanstandete Werbung eingestellt.

 

Die Werbebranche sei nun dazu aufgerufen, ihre Interessen gegenüber der Politik stärker zu vertreten. „Nur wenn wir es schaffen, den ökonomischen Mehrwert der Werbung aufzuzeigen, hat unsere Branche eine Zukunft.“ Dazu sei es nötig, von einer derzeit gefühlsbasierten Politik zu einer faktenbasierten Politik zurückzukehren.

 

Auf Einladung der Werbeagentur Huth + Wenzel kamen die Anwesenden anschließend zu einem Imbiss zusammen, bei dem die Gespräche weiter vertieft wurden.

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
Telefon: 069 / 72 73-13
Telefax: 069 / 17 22-47