13. Oktober 2010
Wie viel Umweltkosten kann die deutsche Industrie noch schultern?
Energiepolitisches Streitgespräch zwischen Saarstahl-Chef Harste und Saar-Umweltministerin Peter
Die Atmosphäre war freundlich, doch stießen sich die Meinungen hart im Raum: Dr. Simone Peter, grüne Umweltministerin des Saarlandes, und Dr. Klaus Harste, Vorstandsvorsitzender der Saarstahl AG in Völklingen, hatten sich auf dem Linslerhof auf Einladung des Landesvorsitzenden des Wirtschaftsrates Saarland, Wendelin von Boch, zu einem energiepolitischen Disput zusammen gefunden.

Die beiden Kontrahenten waren sich einig, dass Wirtschaft und Politik gemeinsam eine Lösung finden müssen, wenn die industrielle Basis des Saarlandes nicht in Frage gestellt werden soll. So machte Simone Peter beispielsweise klar, dass die Politik die energieintensiven Unternehmen des Saarlandes nicht in den Ruin oder außer Landes treiben dürfe. Gegebenenfalls müssten für die betroffenen Unternehmen Sonderregelungen gefunden werden. 

Die Grünenpolitikerin setzte vor allem auf technologische Innovationen in der Zukunft, um die CO2 -Emissionen auf den politisch definierten Stand zu bringen. Die neuen Technologien konnte sie allerdings nicht ansatzweise benennen, zumal sie auch die Lagerung von Kohlendioxid in der Erde ablehnt, das in der Zukunft durch eine umweltfreundlichere Gewinnung von Strom in Kohlekraftwerken anfallen könnte.

Im Übrigen glaubt sie nicht daran, dass die Kosten wegen der Umweltpolitik für Unternehmen unerträglich steigen werden. Schließlich würden die Preise für die klassischen Energien wie Öl oder Gas noch viel stärker anziehen.

Demgegenüber verwies der Völklinger Saarstahl-Chef auf die beträchtlichen Einsparungen von Treibhausgasen, die schon in den letzten 50 Jahren in der Stahlindustrie erfolgt seien. Die Spielräume für eine zusätzliche Verminderung der Emissionen würden immer geringer.

Harste befürchtet, dass die politischen Kosten des Umweltschutzes in Deutschland die energieintensive Industrie, beispielsweise die Stahlunternehmen, aus dem Lande oder in die Pleite treiben wird, weil sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Er beglückwünschte Thyssen-Krupp ausdrücklich für die Entscheidung, in Brasilien ein Stahlwerk zu bauen, wo es die politischen Umweltlasten nicht gibt.