30. Oktober 2015
Wie viel Krisenmodus verträgt Deutschland? - Flüchtlingssituation, VW-Krise, Griechenland
Armin Schuster MdB im Gespräch. (Foto:WR)

Der Wirtschaftsrat, Sektion Lörrach/Müllheim hatte Herrn Armin Schuster, Mitglied der CDU-Fraktion im Bundestag zu Gast. Dieser stütz den Kurs der Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage fordert jedoch kurzfristig wirkende Maßnahmen um die Zahl der Flüchtlinge zu verringern. Die vieldiskutierte Auseinandersetzung innerhalb der Union, ausgelöst durch die scharfen Äußerungen Horst Seehofers, sieht er kritisch, mahnte jedoch auch für Verständnis für diesen. Zwar seien manche Äußerungen Seehofers unglücklich, angesichts der verheerenden Situation an der bayrischen Grenze jedoch auch verständlich. Herr Schuster kritisierte Österreich und andere Staaten der Balkanroute, die laut Herrn Schuster ein staatliches Schleusen betreiben und die Flüchtlinge beispielsweise bewusst an Grenzübergänge bringen die nicht von der Bundespolizei kontrolliert werden. Von einer Festlegung einer Obergrenze oder einem von vielen Seiten geforderten öffentlichen Bekenntnis seitens der Kanzlerin, dass die Grenzen der Belastbarkeit Deutschlands erreicht seien hält Herr Schuster Nichts. Ein solches Bekenntnis würde nur einen Pull-Effekt auslösen und noch mehr Flüchtlinge, die sich bisher in Flüchtlingslagern nahe der Kriegsschauplätze aufhalten, zum Beispiel Libanon, zum Aufbruch nach Europa motivieren. Ein moralisches Dilemma angesichts einer möglichen bevorstehenden Grenzsicherung sieht Herr Schuster nicht. Die Frage nach Moral müssten sich andere stellen, beispielsweise Frankreich, das weniger Flüchtlinge aufnimmt als Bayern.

 

Um die Flüchtlinge auch als Chance zu begreifen bedarf es einer schnellen Integration dieser. In diesem Zusammenhang begrüßte Herr Schuster die Entscheidung die Koordination der beruflichen Einbindung im Haus von Herrn Weise zu bündeln. Arbeit und entsprechender Wohnraum bildeten die Grundlage für ein Leben in Würde, das den Flüchtlingen in Deutschland ermöglicht werden muss.

 

Neben der Flüchtlingskrise wurde auch die aktuelle Krise der Marke „Made in Germany“ diskutiert. Verfehlte Bauvorhaben wie der Flughafen Berlin oder die Elbphilamonie prägen derzeit das Bild deutscher „Qualität“. Auch die Krisen der Deutschen Bank sowie VW machen für Herrn Schuster deutlich, dass der Wert der Marke „Made in Germany“ stark nachgelassen hat. Hierfür sieht er auch fehlende politische Impulse in der Gegenwart sowie in der Vergangenheit verantwortlich. Jedoch seien es die Unternehmen die sich zwar gerne mit Zertifikaten über Cooperate Social Responsibility ausstatten lassen, jedoch kein ernsthaftes Interesse an Qualität hätten, wie das Beispiel VW zeige.

 

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein gemeinsames Essen im Gasthaus Kranz mit anschließender Diskussion. Auch hier wurde deutlich, dass die Flüchtlingsfrage derzeit für viele Menschen das dominierende Thema ist. Hans J. Friedrichkeit bedankte sich im Anschluss herzlich bei Herrn Schuster und betonte, welch vielfältige Herausforderungen Deutschland bevorstehen, äußerte aber gleichzeitig die Ansicht, dass diese zu bewältigen seien, wenn nun die richtigen Schritte ergriffen werden.