18. Februar 2015
Wie neue Rahmenbedingungen den Seetransport verändern
POLITISCHES FRÜHSTÜCK mit Schifffahrtsexperte Dr. Hermann J. Klein
Zu einem Hamburg-typischen Thema hatte der Wirtschaftsrat beim zweiten POLITISCHEN FRÜHSTÜCK des Jahres eingeladen. Der noch amtierende CEO der E.R. Schiffahrt und zukünftige COO der C.P. Offen-Holding, Dr. Hermann J. Klein, sprach über Herausforderungen und Veränderungen in der weltweiten Schifffahrtsbranche. Mit Blick auf Hamburg und die Verzögerung der Elbvertiefung ist für den Fachmann klar: „Der Hafen ist schon seit langem nicht mehr unbeschadet!“
Dr. Hermann J. Klein (Foto: Wirtschaftsrat)

Am Markt sind ca. 500 Charter-Reedereien, darunter beispielsweise die E.R. Schiffahrt und die Reederei Claus-Peter Offen, sowie rund 50 Linien-Reedereien wie Hapag Lloyd, Hamburg Süd, Maersk aktiv. In den letzten Jahren haben sich hierbei große Allianzen gebildet, die im Falle der größten Allianz „2M“ (Maersk und MSC) bis zu 5,3 Millionen (Twenty-foot Equivalent Unit; zu deutsch Standardcontainer) vereinen.


Die grundlegende Herausforderung besteht für die Branche laut Dr. Klein darin, die stetig wachsende Weltbevölkerung und das damit verbundene, kontinuierlich steigende Transportaufkommen zu bewältigen. Der Transport über das Wasser stellt im Vergleich immer noch den mit Abstand günstigsten Weg dar – auch, weil circa 60 Prozent der Weltbevölkerung in Küstenregionen leben. Am wichtigsten ist hierbei die Verbindung zwischen Europa und Asien. Der Grund sind die immensen Produktionszahlen aus China, wie Dr. Klein anhand einiger Beispiele verdeutlichte. Allein 60 Prozent der weltweit produzierten Mobiltelefone stammen von dort.


Auch die Umweltbilanz sieht für den Schiffsverkehr, verglichen mit anderen Verkehrsmitteln anhand der CO2-Emissionen pro Tonnenkilometer, sehr positiv aus. Überhaupt spielt das Thema Kraftstoff eine übergeordnete Rolle. Zum einen geht es um die Frage nach der Art des Kraftstoffs, zum anderen um die Höhe des Verbrauchs. Die Reedereien konnten durch die Senkung der durchschnittlichen Geschwindigkeit von 23 auf 19 Knoten den mittleren Treibstoffverbrauch von 196 auf 127 Megatonnen pro Tag reduzieren.


Der Bedarf an Containern nimmt trotz Krise und einem kurzzeitigen Einbruch der Frachtzahlen in 2009 wieder stark zu. Zudem ist die Größe der Containerschiffe mittlerweile auf bis 20.000 TEU  gestiegen. Zum Vergleich: Würde dieselbe Ladungsmenge auf Lastwagen transportiert, wären 10.000 Fahrzeuge notwendig. Hintereinander gereiht würden sie eine Strecke von etwa 540 Kilometern bilden.


Die Zunahme des durchschnittlichen Containergewichts macht eine Fahrrinnenanpassung aus Sicht von Dr. Klein alternativlos. Tatsächlich vergrößert ein Trimmunterschied von lediglich 1 Grad bei einem 4.000 TEU-Schiff den Tiefgang schon um 4,3 Meter, bei einem 8.400 TEU-Frachter sogar um 5,5 m. Auf die Frage, wie lange der Hamburger Hafen ohne die Elbevertiefung unbeschadet bleibe, sagte der Experte: „Der Hafen ist schon seit langem nicht mehr unbeschadet! Wenn wir rechtzeitig die Fahrrinnenanpassung vorgenommen hätten, hätten wir heute deutlich größere Umschlagszahlen in Hamburg.“

v.l.n.r.: Inez Jürgens M.A.; Dr. Hermann J. Klein; Jan Brorhilker (Foto: Wirtschaftsrat)
Mitglieder und Gäste beim POLITISCHEN FRÜHSTÜCK (Foto: Wirtschaftsrat)
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Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
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