25. Oktober 2018
"Wenn es zum Schwur kommt, hält die Europäische Union zusammen"
Flüchtlingsfragen, Finanzkrisen und Brexit. Die Europaabgeordnete Dr. Inge Gräßle erklärte, wie vereinte europäische Kraft die großen Herausforderungen unserer Zeit meistern kann. Ein Blick nach Straßburg.
Dr. Dieter Simpfendörfer, Geschäftsführer der Ortlieb Präzisionssysteme GmbH & Co. KG, begrüßt die Mitglieder des Wirtschaftsrates in dem neuen Firmengebäude (Foto: Wirtschaftsrat)

Am 25. Oktober 2018 lud die Ortlieb Präzisionssysteme GmbH & Co. KG zu einem exklusiven Austausch mit der Europaabgeordneten, Dr. Inge Gräßle, in Zell unter Aichelberg ein. Ausgetragen wurde die Veranstaltung der Sektion Nürtingen/Kirchheim/Filder in dem neuen Firmengebäude des Unternehmens, für dessen moderne Konstruktion eigens ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wurde. „Wir wollen uns hier dauerhaft verankern“, betonte Dr. Dieter Simpfendörfer, der Geschäftsführer der Ortlieb Präzisionssysteme GmbH & Co. KG, die auf eine 107-jährige Firmengeschichte zurückblickt.  

Dr. Ingeborg Gräßle, Mitglied des Europäischen Parlaments, bei ihrem Bericht zu aktuellen europäischen Themen (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach einer kurzen Begrüßung von Helena Kapp, Mitglied im Sektionsvorstand, erläuterte Dr. Dieter Simpfendörfer die aktuelle Gefahrenlage, in der sich die Europäische Union derzeit befindet. In den letzten Jahren seien es nicht nur Flüchtlings- und Finanzkrisen, die die Staatengemeinschaft vor eine Zerreißprobe stellten. Auch der mittels eines Referendums beschlossene Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, bringe eine historische Aufgabe für die Staatengemeinschaft mit sich. Diese solle schnellstmöglich bewältigt werden; eine optimale Lösung für alle Beteiligten sei jedoch vorerst nicht in Sichtweite.  

Die mögliche Sonderrolle des Vereinigten Königreichs in Europa, beschrieb Dr. Inge Gräße, als „eine neue Stufe der Globalisierung“. Hinreichend zu klären sei beispielsweise die polizeiliche sowie justizielle Zusammenarbeit und der damit verbundene Datenaustausch zwischen Europäischer Union und dem Königreich. Auch ein umfassender Grenzplan für Nordirland und Irland sei auszuarbeiten. Die gravierenden Auswirkungen des Brexits spürt allerdings nicht nur die Insel, sondern auch EU-Mitgliedstaaten, die Wirtschaftsbeziehungen zu dem Vereinigten Königreich pflegen. Für Deutschland beispielsweise werde ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von bis zu 5 Prozent erwartet.  

 

Dennoch betonte Dr. Inge Gräßle, dass das „Haus Europa“ trotz Krisen dieser Art auch in Zukunft standfest bleiben werde. Es fuße schließlich auf dem soliden Fundament einer gemeinsamen europäischen Werte- und Rechtsordnung, die die einzelnen Mitgliedstaaten verbinde. Diese sei die Grundlage wichtiger einstimmiger Entscheidungen, wie der Sanktionierung Russlands, und verleihe der Union Durchsetzungskraft und Stärke. Der einzelne EU-Bürger müsse sich jedoch um die zentrale Bedeutung der Europäischen Union mehr bewusst werden und lernen, sie wieder zu schätzen.