26. Mai 2017
2. CXO-Event Sylt 2017
Wem gehören die Daten im Internet-der-Dinge?
Podium Industrie 4.0: Marktmacht durch Schnittstellen
Zum Podium Industrie 4.0: Marktmacht durch Schnittstellen, berichtet Ralf Krippner, Hersteller von sensorgestützten Eingabesystemen, dass er einen kleinen Teil seiner Belegschaft in das Start-up Robiotic Ag i.G. überführt habe, um für die digitale Transformation der Industrie neue Anwendungsfelder zu entwickeln.
Das Podium Industrie 4.0 v.l.: Ralf Krippner, Christian Lautner, Thomas Losse-Müller, Peter Sorowka, Frank Pörschmann / Foto: Wirtschaftsrat

Beispiele seien der Sensoreinsatz für Einbauküchen, der eine Datenschnittstelle zum Nutzer schafft. Hierüber werde nicht nur bei Feuchtigkeit alarmiert, sondern ebenso über Erweiterungsmöglichkeiten informiert. Oder die Verknüpfung von Kundenautomaten mit Bezahlfunktionen, die zukünftig individuelle Rabattaktionen ermöglichen. Oder anstelle des Verkaufs von Kompressoren, der Verkauf von Druck luft als Serviceleistung. Eine Unternehmensbefragung zeige, daß die größte Herausforderung für eine nutzbringende, vernetzte Industrielandschaft einheitliche Standards wären. Krippner wünscht sich, zukünftig nicht nur US-Standards adaptieren zu müssen, sondern hofft darauf, daß solche auch einmal von europäischer oder deutscher Seite erfolgreich etabliert werden können.

Die Cybus GmbH aus Hamburg, spezialisiert auf sichere weltweite Vernetzung von Maschinen mit dem Internet, profitiert hingegen von fehlenden Standards. Diese zu schließen, sei Teil des Geschäftsmodells. Mitgründer Peter Sorowka sieht bei Hardware-Standards durchaus Gefahrenpotentiale für den Wettbewerb, wenn dominierende Hersteller über urheberrechtlich geschützte Standards hinweg ihre Marktmacht ausspielen. Bei der Software gehe es aber eher um die Frage nach Entwicklungsstandards. Diese etablierten sich oftmals von selbst, herstellerunabhängig als offene Standards, wie z.B. der http-Standard für das World-Wide-Web.

Christian Lautner, der als Flying Health GmbH eine Reihe von Start-ups im Gesundheitsbereich begleitet, berichtet, daß der Standard der Gesundheitskarte den Markt unter dem Vorwand Datenschutz stark eingeschränkt und Innovationen nachhaltig abgewürgt habe. Jetzt würden die Nachfrager, also die Patienten, den Markt entwickeln. Bei neuen Geschäftsmodellen im industriellen Internet stelle sich regelmäßig die kaum befriedgend lösbare Frage, wem die Daten gehören.

Thomas Losse-Müller, Chef der Staatskanzlei für Schleswig-Holstein, warnt vor Naivität: Den Kampf um die Daten hat Deutschland erst einmal verloren, und die daraus erwachsenen Probleme sind erst auf dem Weg. Wenn Amazon die Daten aller Händler hat, kann es daraus
die günstigsten Varianten auswählen und den Markt selbst übernehmen. Er forderte eine ordnungspolitische Klärung, welche Eigentums- und Nutzungsrechte wie am besten zu regeln sind.

 

Moderator Frank Pörschmann verweist auf die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union, die im Mai 2018 in Kraft trete und nur Daten „des Einzelnen“ reguliere, in Form einer Verbotserklärung mit Erlaubnisvorbehalt. Was nicht ausdrücklich erlaubt sei, ist verboten. Es fehle jedoch an einer Rechtsgrundlage für das „Internet-der-Dinge“, also Daten, die von Maschinen generiert wurden, z.B. einem Auto, einem Sensor oder einem Roboter. Erst dann würden Wertentwicklungen neuer, digitaler Geschäftsmodelle planbar und träfen auf die längst überfällige Investitionsbereitschaft der Industrie, so Pörschmann.

Alexander Radwan MdB merkt an, daß sich mit dem VOICE e.V. ein IT-Anwenderverband gegründet habe, der mehr mittelständisch und von der Nutzerseite geprägt sei. Lautner hält auch die Großen nicht für unfehlbar: „Google Health ist gescheitert.“ Er plädiert für eine Einheitlichkeit der Auslegung, ebenso wie Sorowka, der dem Staat empfiehlt, Standards für die Datennutzungsvereinbarung zu entwickeln und zu veröffentlichen. Einig waren sich alle Teilnehmer, daß eine Robotersteuer weder Innovation fördere noch sich dazu eigne, den Arbeits- und Bildungsmarkt zu reformieren./bz