01. November 2016
Festakt zur Landesmitgliederversammlung
Wegmarken für eine Neuausrichtung der Europäischen Union
Ehrengast: Gunther Krichbaum MdB
„Wir leben in widersprüchlichen Zeiten.“, leitete Gastredner Gunther Krichbaum MdB (CDU), seit 2007 Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union des Deutschen Bundestages, seinen Festvortrag auf dem Gut unseres Mitglieds Hans-Caspar Graf zu Rantzau ein.
Ehrengast Gunther Krichbaum MdB / Foto: Wirtschaftsrat

Es gehe den Deutschen gut und dennoch sorge die Globalisierung mit ihrer Entgrenzung für eine starke Verunsicherung der Menschen. Ein Versäumnis sei es gewesen, eine rechtzeitige Europäisierung des Asylrechtes nicht anzugehen. „Wir müssen helfen, ja, aber nicht, wenn es eine eigene Überforderung bedeutet.“, so der Abgeordnete des Wahlkreises Pforzheim. Gut täten die Deutschen daran, auf eine Stärkung der Außengrenzen der EU hinzuwirken. Die Türkei spiele dabei eine große Rolle. „Die drei Milliarden Euro Kosten für das Abkommen mit der Türkei sind gut angelegt.“, so der Ehrengast auf der Mitgliederversammlung des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein. Wichtig sei die richtige Verwendung der außenwirtschaft-lichen Finanzmittel zum Beispiel in Nordafrika für eine gute Infrastruktur, beispielsweise Schulen. „Gelingt das nicht, könnte ein perfekter Nährboden für neuen Terrorismus entstehen.“ Die Europäer sollten sich stärker der Verantwortlichkeit in der Welt stellen, so der Europa-politiker. „Deutschland muß da mehr Verantwortung tragen.“ Damit Europa handlungsfähig bleiben könne, seien Reformen notwendig. Das Desaster in England wäre so vermeidbar gewesen. Bedeute der Brexit nun eine Schwächung oder eine Stärkung Europas? „Es ist zumindest eine Chance, für die Zukunft die Weichen besser zu stellen.“, so Krichbaum. Nachdenken sollte man langfristig über eine europäische Armee, ablegen die Skepsis gegenüber Handelsabkommen wie CETA oder TTIP. „Da werden die Standards der kommenden Jahrzehnte festgelegt. Sind wir nicht dabei, entscheiden andere darüber.“, gab der Bundestagsabgeordnete zu bedenken.