12. Juli 2017
Wahlprüfstein - Wie egal ist uns der unternehmerische Mittelstand?
Roland Ermer, Direktkandidat der CDU im Landkreis Bautzen; Torsten Herbst, Spitzenkandidat und Generalsekretär der FDP Sachsen; Detlef Müller MdB, Direktkandidat der SPD im Wahlkreis Chemnitz haben sich einen interessanten Schlagabtausch geliefert. Moderiert wurde dieser durch Herrn Nick Pruditsch, M.A., Doktorand am Boysen-TUD-Graduiertenkolleg.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Die Spannung steigt. Am 24. September haben wir zur Bundespolitik die Wahl. Der unternehmerische Mittelstand hat in den letzten Jahren kaum Beachtung gefunden. Das gab Anlass, die Parteien auf ihre wirtschaftspolitischen Konzepte zu prüfen. Denn wer Arbeitsplätze in Deutschland schafft und sichert, ist vor allem die mittelständische Wirtschaft. Die positive Wirtschaftsentwicklung in Bund und Land ist nicht selbstverständlich. Die Erfolge sind vielmehr das Verdienst der Unternehmer und ihrer Beschäftigten.


Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. So kann man die Veranstaltung auf den Punkt bringen. Nach Begrüßung und Vorstellung der Kernbotschaften des Wirtschaftsrates Sachsen zur Bundestagswahl durch die Landesvorsitzende, Simone Hartmann, begann das Ringen um die Wählergunst unserer Mitglieder. Im Dreieck aus Steuersenkung, Schuldentilgung und Investitionen stellten die Direktkandidaten die Mittelstandsorientierung der Bundestags-Wahlprogramme ihrer Partei sowie ihre persönliche Sichtweise dar.

 

Bei einer 23%-igen Steuerquote in Deutschland, wirkt der Staat mehr und mehr als planwirtschaftlicher Gestalter. Es war also an der Zeit, die einzelnen Politiker hinsichtlich der geplanten Verwendung dieser Steuergelder und nach der Höhe der möglichen Steuerentlastung nach der Wahl zu befragen. Weitere Themenfelder waren Energiewende inkl. Braunkohleausstieg, Entbürokratisierung, Digitalisierung, Arbeitsmarkt sowie Fragen zur Flüchtlingsthematik in Sachsen und Deutschland. 

(Foto: Wirtschaftsrat)

Aber auch die Vergabepolitik der öffentlichen Hand war Thema. Hervorzuheben und wichtig für den Wirtschaftsrat war das Bild des Unternehmers in der öffentlichen Wahrnehmung. Bereits in den Schulen und Lehrmaterialien wird ein Unternehmerbild geprägt, welches nicht dem entspricht, was die zu 99 Prozent aus mittelständischen Unternehmen bestehende Wirtschaft (Arbeitgeber, Innovator, Steuerzahler, Ausbilder, Ehrenamtler etc.) leistet. Viele junge Leute schrecken vor dem Weg in die Selbständigkeit zurück und streben eher einen sicheren Job als Angestellter an. Das Negativimage des unternehmerischen Scheiterns und z.B. die mangelhafte gesetzliche Krankenversicherung von Selbständigen tragen u.a. zu einem stark verbesserungswürdigen Gründerklima in Deutschland bei. 

 

Zudem sind auch in den Parlamenten Unternehmer nur stark unterdurchschnittlich vertreten, worin ein Grund für eine verbesserungswürdige Mittelstandsorientierung zu finden sein mag. Gründerstipendien, wie in NRW wären zumindest ein Ansatz, ein start-up zu wagen. Technologiezentren, mit günstigen Mieten für Gründer, haben auch in Sachsen bereits Erfolge erzielt. Der Wirtschaftsrat wünscht sich insgesamt diesbezügliche Initiativen, die den Mut zur Selbständigkeit befördern.

 

Insgesamt wurde rege diskutiert. Der Wirtschaftsrat bedankt sich bei allen Referenten, Mitgliedern und dem Moderator, die den Austausch zwischen Politik und Wirtschaft auf hohem Niveau möglich gemacht haben.

(Foto: Wirtschaftsrat)