10. März 2015
Mittagsveranstaltung der Sektion Lübeck im Schabbelhaus
Von frischer Luft allein kann man nicht leben
Norddeutschland könnte gern etwas selbstbewußter auftreten. Dieser Meinung ist jedenfalls Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Bezirk Küste, der im März Mitgliedern des Wirtschaftsrates im Lübecker Schabbelhaus Rede und Antwort stand zum Thema Perspektive Nord – Eine industriepolitische Strategie für Norddeutschland.

Dr. Wilhelm Wessel (re, Sprecher der Sektion Lübeck) empfing Gewerkschafter Meinhard Geiken (li) / Foto: Wirtschaftsrat)

Geiken,  der auch im Aufsichtsrat von Airbus und Arcelor Mittal in Bremen sitzt, bedauert, dß laut Erhebungen 79 Prozent der Befragten mit Norddeutschland zwar positive Bilder wie frische Luft und Urlaub verbinden, nur magere fünf Prozent jedoch am Wirtschaft, sieben Prozent an Arbeit denken.


Dabei sagen die Zahlen etwas anderes: So sind im Schiffbau und im diesbezüglichen Zuliefererhandel rund 80.000 Menschen beschäftigt, in der Luftfahrt 35.000, im Ernährungsbereich 140.000. Hinzu kommen Bereiche wie Logistik (beispielsweise Hamburger Hafen), 100.000 Beschäftigte im Bereich Pharmaindustrie, 90.000 im Maschinen- und Anlagenbau, hinzu kommt der Automobilbau, die Windenergie und natürlich auch der Bereich Offshore. „Dort, wo Energie erzeugt wird, entsteht auch Arbeit“, so Geiken.


„Als Industriestandort braucht sich der Norden nicht zu verstecken“, so der 57-Jährige, der sich eine besser abgestimmte Industriepolitik wünschte. Dafür müßten aber die nördlichen Bundesländer gemeinsam an einem Strang ziehen. Eine Meinung, die auch der Wirtschaftrat vertritt, denn aufgrund der Verflechtung von Verkehrsinfrastruktur, Energieversorgung oder allgemeinen Fragen des demografischen Wandels, überlappender Arbeitsmärkte und Branchenstrukturen könnten Lösungen nur gemeinsam beantwortet werden.


Wichtig sei, die Wertschöpfung in Deutschland zu halten und die Menschen bei der Entwicklung mitzunehmen. Dazu gehöre auch eine Vertiefung der Ausbildung, eine bessere Verzahnung von Forschung und Entwicklung. Der geäußerten Kritik (Mitglied Rolf Schramm) über die Verschandelung durch Windräder entgegnete er: „Ja, das ist teilweise schockierend, doch man muß auch mal Entscheidungen treffen.“ Klar sei, daß die Windräder eine Übergangslösung für die Energiewende darstellten. Aber sie brachten auch 3.100 Arbeitsplätze mit sich.

 

Vielleicht könne man mehr Verständnis erreichen über Konzepte wie Faszination Technik, so Geiken. Und brachte das Beispiel der Meyer-Werft, die 300.000 Besucher im Jahr mit ihrem Megaschiffbau nach Papenburg lockt.


„Industriepolitik ist immer auch Auseinandersetzung“, so der Gewerkschafter. „Wir möchten vermitteln, daß man über den eigenen Betrieb hinausdenken muß.“ Man müsse aber auch die Wirtschaftsminister der norddeutschen Länder zusammen bringen, damit sie trotz jeweiliger Besonderheiten mit einer Stimme sprechen könnten. kp

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
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