15. November 2016
LFK Familienunternehmen & Mittelstand
Unternehmensethik: Strategisch moralisch Handeln
Zwei Experten diskutieren mit der Landesfachkommission Familienunternehmen & MIttelstand
Bei der Problemstellung zwischen ethischem und ökonomischem Handeln begegnen Wissenschaftler auf ein Diskursproblem. Dabei ist moralisches Handeln auch in Unternehmensfragen als rational zu betrachten. Prof. Dr. Gerhard Minnameier und Experte Uwe Heim stellten sich theoretisch und praktisch der Frage, wie moralisch wirtschaftliches Handeln möglich sein kann und welche aktuellen Befunde es hierzu gibt.
Uwe Heim in Hahn Air Sportpark Dreieich über Wirtschaftsethik (Foto: Wirtschaftsrat)

Zu Beginn stellt Prof. Dr. Gerhard Minnameier, Lehrstuhl für Wirtschaftsethik und Wirtschaftspädagogik der Goethe-Universität Frankfurt, die Frage, ob Moral und Unternehmensverantwortung überhaupt vereinbar sind. „In der Debatte stehen sich immer zwei Seiten gegenüber: Moralische Vorstellungen, Verpflichtungen und Verantwortung konkurrieren mit Zwängen und ökonomischer Verantwortung. Das Schwierige ist die Orientierung dazwischen zu finden. Viele denken, wenn man eine der beiden Seiten fokussiert, dann könne man die andere nicht erfüllen.“ Prof. Minnameier möchte veranschaulichen, dass Moralität und ökonomische Verantwortung sehr gut zusammenpassen und argumentiert anhand der Spieltheorie, des Gefangenendilemmas und der Rational-Choice-Theorie. Ihm zufolge ist moralisches Handeln sehr wohl rational, da es strategisch für das Unternehmen von Vorteil ist. Das Abstrakt-Theoretische müsse allerdings zugänglich gemacht werden.

Prof. Dr. Gerhard Minnameier über die Grundlagen der Unternehmensethik (Foto: Wirtschaftsrat)

Prof. Minnameier betont, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen Unternehmensethik auf wirtschaftlicher Seite aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Kontext heraus gibt und auf der Seite derer, die man erreichen will. Wissenschaftlicher Kontext und Kundenbereich überschneiden sich in Ihren Vorstellungen über Unternehmensethik nicht grundlegend. Unternehmen müssten deshalb auch überlegen, wie sie Moralität verstehen und kommunizieren wollen. „Hier liegt ein Diskursproblem, das uns seit vielen Jahren beschäftigt“, so Prof. Minnameier.

Hausherr Sascha Schnobrich (Foto: Wirtschaftsrat)

Uwe Heim, Leiter Serviceline Forensic Deutschland bei Deloitte Deutschland, erläuterte die praktische Unternehmensethik und erläuterte zu Beginn seines Vortrags die Bedeutung des „ehrbaren Kaufmannes“ für Unternehmen. Heute betreffe der Begriff nicht mehr die Person sondern das Unternehmen und auch die Themen haben sich verschoben. „Heute haben wir die Wirtschaftsthemen Globalisierung, Neue Medien, moderne Finanzmärkte und Krisenmanagement. Der moderne ehrbare Kaufmann wird vor allem im Sinne der Social Responsibility und Nachhaltigkeit gesehen“, so Heim. Heute sind Verstöße im Bereich von Markenmissbrauch oder Zinsmanipulationen allgegenwärtig. Das liege an den immer komplexer werdenden Strukturen dieser Unternehmens-Themen. Zudem sei die Öffentlichkeit durch die Neuen Medien eine ganz andere geworden, die Tragweite einer auf Social-Media-Kanälen verfassten Nachricht sei exponentiell gestiegen. „Unternehmen, die nicht ethisch handeln, unterliegen Reputationsschäden, die sie nicht wieder ausgleichen können. Die Unternehmensexistenz kann von solchen Schäden abhängig sein. Unternehmen bedürfen dem Vertrauen der Öffentlichkeit“, stellte Heim abschließend fest.

 

Zu Gast war die LFK Mittelstand beim Hahn Air Sportpark Dreieich. Im Anschluss fand ein Get-Together auf Einladung der Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing GmbH statt.

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Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
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