20. Juni 2018
Delegation der Sektion Schleswig/Flensburg und der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft besucht "Superkrankenhaus" in Apenrade
Sygehus Sønderjylland - Das dänische Superkrankenhaus
Unter der Leitung des Sektionssprechers Schleswig/Flensburg, Hauke Präger, hat eine Delegation der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrates das neue Zentralkrankenhaus in Apenrade besucht, um sich über die Erfahrungen aus den radikalen Strukturreformen zu informieren, die im Jahr 2007 im Nachbarland Dänemark eingeleitet wurden.

Mitglieder SL/FL und Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft mit Nadja Kronenberger, Beraterin Healthcare DENMARK / Foto: Wirtschaftsrat

Nadja Kronenberger, die mit Healthcare DENMARK interessierte Delegationen aus aller Welt in Dänemark berät, berichtet, daß man sich an einer erfolgreichen Reform in Schweden orientiert habe. Am Anfang habe die Erkenntnis gestanden, daß der demographischen Entwicklung nur über einschneidende Strukturreformen begegnet werden könne: Von 2010 bis 2030 werden die über 75-jährigen um 80 Prozent zunehmen und die chronisch Kranken von 2013 bis 2025 um 60 Prozent. Um diese politisch durchzusetzen, wurde eine Expertenkom-mission politisch mandatiert und parallel eine Kommunalreform eingeleitet, die die Wahl-kreise der Kommunalpolitiker vergrößert.

 

Natürlich waren die Widerstände gegen die Schließung von 98 auf jetzt 32 und zukünftig 25 Krankenhäusern in den Kommunen groß. Parallel zu den Schließungen wurden aber 16 Neubauprojekte für die „Superkrankenhäuser“ über das Land verteilt aufgezogen. Die neuen Zentralkrankenhäuser verbinden modernste bautechnische Standards mit luxuriös anmuten-den Patientenzimmern. Mit einem festen Budget von 6,5 Milliarden Euro, davon eine Milliarde für Geräte, wurden Effizienzgewinne von 4 bis 8 Prozent vereinbart, wobei Budgetüberschrei-tungen mit Personalkürzungen im Betrieb geahndet werden können. Von 2007 bis 2020 sollen 20 Prozent der Bettentage eingespart werden, während man mit einer Zunahme der ambu-lanten Kontakte von 50 Prozent rechnet.

 

Um die Verweildauer zu minimieren, würden Patienten bei der teilweise weiten Anfahrt bereits im Rettungswagen ausdiagnostiziert. Im Krankenhaus übernehmen dann genau informierte Spezialisten. Das sei möglich, weil alle medizinischen Informationen für einen Patienten in einer staatlich gesicherten Datei abrufbar sind. Der Gesundheitsminister, der die Reformen in Dänemark eingeleitet hatte, sei jetzt Premierminister.

Janne Stenstrop, der Kommunikationschef des gastgebenden Sygehus Sønderjylland, ließ die Delegation anschließend noch ein wenig mehr hinter die Kulissen des südlichsten dänischen Superkrankenhauses schauen, bevor eine Betriebsführung unmittelbare Eindrücke ermög-lichte, beispielsweise von einer vollautomatisierten Kleidungslogistik für die Angestellten.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, daß wir ganz viel von den Dänen lernen können und müssen, wenn wir in Schleswig-Holstein zukünftig erfolgreich dem demo-graphischen Wandel begegnen möchten. Dennoch sei der dänische Weg nicht auf Deutsch-land übertragbar. Während hier eine große Vielzahl von Trägern und Interessen Reformen eher blockieren, ist das Gesundheitssystem in Dänemark praktisch verstaatlicht. Eine reine Plan-wirtschaft jedoch, da waren sich die Teilnehmer einig, sei weder übertragbar noch ordnungs-politisch erstrebenswert.

Marcel Newerla dankte in fließendem dänisch dem Gastgeber herzlich für die freundschaft-liche Offenheit. / Dr. Bertram Zitscher