07. März 2017
Starke industrielle Basis als Garant für Jobs und stabile Mittelschicht
Werner M. Bahlsen in Familienunternehmer-News

Eine alte Unternehmerweisheit lautet, "gute Unternehmen werden in guten Zeiten ruiniert". Mit Volkswirtschaften verhält es sich oft ebenso. In wirtschaftlich guten Zeiten drohen wichtige Weichenstellungen verpasst und künftiges Wachstum aufs Spiel gesetzt zu werden.

Zwar erfreut sich Deutschland derzeit an einem ausgeglichenen Staatshaushalt, Wirtschaftswachstum, guten Beschäftigungszahlen und steigenden Reallöhnen. Unsere gute Lage haben wir wesentlich der Agenda 2010 und externen Faktoren, wie niedrigen Zinsen und Rohstoffpreisen, zu verdanken.

 

Innerhalb von zwei Jahren sind wir jedoch im Ranking der wettbewerbsstärksten Nationen des Schweizer IMD-Instituts um sechs Plätze, auf Rang 12 abgerutscht. Als viertgrößte Wirtschaftsnation kann dies nicht Deutschlands Anspruch sein. Nicht zuletzt deshalb sieht der Wirtschaftsrat dringenden politischen Handlungsbedarf:

 

Unser Sozial- und Arbeitsrecht muss gerade in Zeiten von Arbeit 4.0 flexibler und durch ein modernes Einwanderungsgesetz für qualifizierte Zuwanderer attraktiver gestaltet werden. Denn laut Institut der deutschen Wirtschaft fehlen bereits heute allein im MINT-Bereich 220.000 Fachkräfte. Das Prognos-Institut befürchtet, dass die Fachkräftelücke ohne Gegenmaßnahmen bis

 

2035 auf knapp 4 Millionen Erwerbspersonen ansteigen wird.

Um mit dem Tempo der vierten industriellen Revolution mithalten zu können, werden politische Minimumstandards benötigt, die sicherstellen, dass bis spätestens 2025 eine flächendeckende Gigabitinfrastruktur in Deutschland vorliegt. Lücken beim Mobilfunkstandard der vierten Generation (4G) müssen geschlossen und Investitionen in glasfaserbasierte Kabelnetze und 5G getätigt werden.

 

Zudem gilt es, neue Impulse durch eine steuerliche Forschungsförderung zu setzen, um den forschenden Mittelstand zu stärken und das Innovationspotenzial unserer Wirtschaft dauerhaft zu mobilisieren. Trotz stark gestiegener Innovationsausgaben der Wirtschaft und der Bundesregierung, ist der Anteil innovationsaktiver Unternehmen 2016 erneut gesunken.

Auch insgesamt sinkt die Zahl der Betriebe in Deutschland seit Jahren. Gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es deshalb, den Gründergeist zu stärken und durch einen verbesserten Zugang zu Risikokapital ein funktionierendes Ökosystem für innovative Start-Ups zu schaffen.

Schließlich sollte die massive Belastung der Wirtschaft durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, für Bürger und Betriebe  inzwischen 28 Mrd. Euro jährlich,  in absehbarer Zeit ein Ende gesetzt werden. Ein marktwirtschaftliches Emissionshandelssystem ohne politische Eingriffe sollte hierbei

eine Schlüsselrolle spielen und dementsprechend gestärkt werden.

 

Angesichts dieser Herausforderungen muss die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft als Ganzes wieder in den Mittelpunkt des politischen Handelns rücken. Eine starke industrielle Basis garantiert viele Millionen gut bezahlte Jobs und damit eine starke und stabile Mittelschicht. Sie trägt damit zum sozialen Frieden in unserer Gesellschaft bei und wirkt Politikverdrossenheit und Populismus entgegen. Die Botschaft muss klar lauten: Soziale Sicherheit und Wohlstand brauchen wirtschaftlichen Erfolg und in unserer Industrie liegt der Schlüssel dafür!

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