03. Februar 2011
Staatsekretär Hans-Joachim Fuchtel beim Wirtschaftsrat in Musbach zur Arbeitswelt der Zukunft
"Alle Ressourcen ausschöpfen"
„Die Arbeitswelt von morgen wird älter, weiblicher und bunter. Wegen der demographischen Entwicklung müssen wir alle Ressourcen ausschöpfen“. Das sagte der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Hans-Joachim Fuchtel MdB, vor Mitgliedern des CDU-Wirtschaftsrates in Musbach, die der Einladung in die Schwarzwälder Feinschinken-Manufaktur Wein gefolgt waren.
Foto: Wirtschaftsrat

Das Augenmerk der Wirtschaft müsse sich angesichts des drohenden Fachkäftemangel auch auf die Aus- und Weiterbildung älterer Arbeitnehmer und Personen mit Migrationshintergrund, durch eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf auf Frauen richten. Sie würden auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht, beschrieb Fuchtel angesichts einer längeren Lebenserwartung und geburtenschwacher Jahrgänge die Situation. Im Schnitt hätten gebärfähige Frauen nur 1,3 Kinder; doch eigentlich müssten es mindestens zwei sein, um die Bevölkerung in Deutschland stabil zu halten. Schon 2030 würden sechs Millionen Arbeitnehmer fehlen. Parallel dazu bezögen Ruheständler heute oft doppelt so lange Rente wie noch vor 50 Jahren. Die Lebenserwartung steige bis 2030 für Frauen auf 86 und für Männern auf 81 Jahre. Die Folgekosten könnten nicht allein den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werden.

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Erklärtes Ziel von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sei es, auch „den harten Sockel der Langzeitarbeitslosigkeit zu knacken“. Zur Sicherung der Arbeitskräftebasis gehörten fünf Pfade: das Bildungspaket, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die bessere Qualifizierung der Arbeitnehmer und die Integration ausländischer Arbeitnehmer, wozu bürokratische Hemmnisse abgebaut werden müssten. Außerdem gelte es, „ignorierte Potenziale“ zu aktivieren. Dazu gehörten jene ausländischen Akademiker in Deutschland, die wegen fehlender Teilqualifikationen nicht in ihrem Beruf arbeiteten.

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„Zur längeren Lebensarbeitszeit gibt es keine Alternative“, machte der Staatssekretär deutlich. Zuwanderung sei erforderlich, aber keine Zuwanderung in die Sozialsysteme. Fuchtel warnte vor zu großen Erwartungen. Denn die europäischen Nachbarländer litten unter ähnlichen Problemen.

Anschaulich zeigte Fuchtel auf, welche Herausforderungen auf die Firmen zukommen. „Weiterbildung und Gesundheitsvorsorge müssen von jedem in den Blickpunkt gerückt werden, der unternehmerisch tätig ist“, betonte er. Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit könnten nur durch die langfristige Erhaltung der Arbeitsfähigkeit gesichert werden. Hirnforscher machten deutlich, dass ältere Arbeitnehmer durchaus in der Lage seien, sehr produktiv zu arbeiten. Deshalb seien altersgerechte Arbeitsplätze unverzichtbar. Genauso wichtig sei es allerdings, junge Menschen früher und zielstrebiger an den Arbeitsmarkt heranzuführen.