14. Dezember 2018
Junger Wirtschaftsrat im Hause der Ideenwerft Kiel
Speed-Dating für Innovationen: Vier Projekte wecken Interesse
Nomen est omen! Zu Gast bei der Ideenwerft Kiel, einer seefesten Werbeagentur, hat der Junge Wirtschafsrat Schleswig-Holstein ein „Speed-Dating“ ganz besonderer Art ausgetragen: Auf der einen Seite des Tisches: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Auf der anderen Seite: vier Unternehmensideen, die das Land Schleswig-Holstein voranbringen würden und die jeweils siebeineinhalb Minuten Zeit für eine Präsentation erhielten.
Speed-Dating für Innovationen mit Ministerpräsident Daniel Günther (4. v.l.) mit v.l. Olaf Birkner, Jann Wendt, Bert Weingarten, Moderator Lars Osterhoff und Dr. Bertram Zitscher / Foto: Wirtschaftsrat

Das Ziel: Den Chef der Jamaika-Koalition davon zu überzeugen, dass Politik und die zuständigen Ministerien die unternehmerischen Konzepte als Chance für das Land begreifen, die Ideen fördern und bei der Umsetzung aktiv unterstützen. Und obwohl Günther am Ende des
Abends – verständlicherweise – keine konkreten Zusagen machte, waren seine Signale deutlich. Er erkenne das innovative und wirtschaftliche Potenzial der Ideen, möchte in konkrete Gespräche einsteigen und in zwei Jahren gemeinsam sehen, was umgesetzt werden konnte.

Moderator Lars Osterhoff, Vorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein, machte zu Beginn deutlich, dass es auch darum gehen müsse, mehr Tempo bei der Frage der Umsetzung von in novativen Konzepten aufzunehmen. Das Format des Abends sei aus seiner
Sicht eine gute Möglichkeit, wesentliche Akteure zusammenzubringen. Nachfolgend eine Kurzbeschreibung der vier Innovationsprojekte:

Projekt 1:
Startups für Agrar, Ernährung und Aquakultur international anziehen Unternehmer Olaf Birkner aus Kiel zeigte auf, wie im Bereich Agrar, Ernährung und Aquakultur bessere Voraussetzung für die Realisierung von innovativen Konzepten und Ideen geschaffen werden können. „Start-Ups
haben hier bisher in Schleswig-Holstein ziemlich schlechte Bedingungen, obwohl unser Land massive Standortvorteile in diesem Segment bietet“, so Birkner. Ziel sei es, mit zunächst zehn Investoren aus den genannten Bereichen im Rücken Start-Ups mit dem
Angebot nach Schleswig-Holstein zu holen, sie bei einer beschleunigten Entfaltung ihrer Innovationen zu unterstützen. „Wir haben im Land Versuchsgüter mit bis zu 1.000 Hektar Größe. Das Pfund als ein gewachsener Agrarstandort mit einer Fülle führender
Hochschul- und Forschungsinstitute müsse man jetzt ausspielen. Im Standortwettbewerb um Startups brauche es dafür ein international sichtbares Programm, das so attraktiv ist, dass es in den aufgerufenen Bereichen die weltweit interessantesten Gründerteams
nach Schleswig-Holstein holt. Das Zeitfenster für eine solche Gründung sei nicht ewig offen, weshalb das Land vorbereitet sein sollte, einen kommenden Ansatz zu unterstützen.


Projekt 2:
Eine Munitionskataster für die Ost- und Nordsee Jann Wendt, geschäftsführender Gesellschafter, EGEOS GmbH aus Kiel, berichtete über die seit 2011 laufenden Aktivitäten, ein Munitionskataster für die Ost- und Nordsee zu erstellen. „In deutschen Gewässern liegen etwa 1,6 Millionen Tonnen extrem heterogene Munition. Wir wollen keine Panik machen, aber es ist eine Lösung notwendig, da die Munition ,vor sich hinrostet‘ und TNT freisetzt.“ Er freue sich, dass die Jamaika-Koalition das Problem erkannt und auf die Agenda genommen hat, „und es muss uns jetzt gelingen, diese politischen Forderungen mit unseren Möglichkeiten, die wir entwickelt haben, zusammenzubringen.“ Die heute vorliegenden Kataster seien überaltert und würden nicht alle vorliegenden Daten beinhalten. „Wir haben viele Programmierstunden investiert und wollen im Frühjahr 2019 starten“, so Wendt. Aus seiner Sicht bestehe die Chance, dass Schleswig-Holstein hier zum internationalen Vorreiter für ein weltweites Problem wird. Um endlich voranzukommen, sollten die vielen Akteure der unterschiedlichen Ministerien
an einen Tisch kommen.“ Er wünsche sich, dass „sich die Landesregierung hinter dieses Leuchtturmprojekt für Digitalisierung und Umwelt stellt.


Projekt 3:
Ein Kunstdepot und Kulturzentrum Kiel Dr. Bertram Zitscher, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates der CDU, stellte eine Idee vor, in der Landeshauptstadt ein Depot zu errichten, das die sachgerechte Aufbewahrung hochwertiger Kunst- und Kulturgüter ermöglicht: „In der seit Jahren andauernden Ultraniedrigzinsphase investieren Versicherungen, Unternehmen und Privatpersonen immer stärker in alternative Anlagen. Dazu zählen auch solche in Kulturgüter vom Gemälde über Schmuck bis hin zu Oldtimern. Ein solches Depot könnte für den gesamten
Ostseeraum interessant sein.“ Eine Voraussetzung sei, es als eine Freihandelszone einzurichten. „Wir hätten in Kiel die hervorragende Lage an der Kaikante, die bebaut werden könnte.“ Hochwertige Kulturgüter ziehen hochqualifizierte Berufe an, wie Restauratoren, Wertgutachter oder Vermögensverwalter.
Noch interessanter wäre dieses Lager, wenn es öffentliche Ausstellungsräume für die gelagerten Sammlungen betreiben könnte. Kiel könnte auf diese Weise eine international ausstrahlende Kulturattraktion gewinnen. Eine Investition setze eine Grundauslastung durch Museen und Stiftungen aus dem Land voraus. Ideal wäre die Möglichkeit
hochwertiger Auktionen. Christies und Southerbys würden den Standort Deutschland jedoch meiden, seit dem die Mehrwertsteuer auf Kunstgegenstände angehoben und das Kulturgutschutzgesetz im Jahr 2016 den Kunsthandel am Standort Deutschland lähmt,

Projekt 4:
Eine E-City für Europa in Schleswig-Holstein Die spektakulärste der vier Ideen präsentierte Bert Weingarten, geschäftsführender Gesellschafter der Weingarten Verwaltungs GmbH aus Timmendorfer Strand. Der renommierte EDV-Experte, der bereits in den 1990er Jahren einer der Initiatoren der DENIC war, stellte seine Überlegungen für eine E-City vor, die auf einer Fläche von etwa 40 Hektar in Schleswig-Holstein entstehen könnte. „Wir haben insgesamt 28 Teilaspekte für eine neue, hochmoderne Stadt mit völlig neuen Transport und Lebensformen entwickelt, die für Start-Ups und technische Entwicklungen das optimale Umfeld bieten würden.“ So eine Stadt mit ihrer gesamten digitalen Infrastruktur werde europaweit einmalig sein und könne bei der Entwicklung des autonomen Fahrens oder der künstlichen Intelligenz ideale Voraussetzungen bieten. „Mich treibt die Frage an, wie wir es schaffen, für Entwicklungen die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass wir Spitzenreiter beim Fortschritt werden.“ Heute seien die Zeiten, bis eine Innovation in Deutschland die Marktreife erlange, viel zu lang, und in vielen Regionen sei die digitale Infrastruktur völlig unzureichend.


„In der E-City soll es für Forschung zu Innovationen dagegen ideale Bedingungen geben.“ Die ersten Gespräche für die Umsetzung der hochmodernen Stadt seien vielversprechend. Er setzte darauf, dass auch die Landespolitik erkennt, welche Chance sich mit einem so richtungsweisenden Projekt für Schleswig-Holstein ergeben.
Weingartens Ziel ist es, mit Unterstützung durch die Landesregierung bereits 2020 den ersten Spatenstich zu machen. / Holger

Ministerpräsident Günther strich in seinem Fazit heraus, dass es das Ziel seiner Regierung sei, „alle Chancen zu ergreifen, um bei Innovationen auf´s Gaspedal zu drücken“. Die vier vorgestellten Projekte hätten alle ein Potential. Das Ziel müsse sein, viele solcher Projekte in den nächsten zwei Jahren auf den Weg zu bringen. / Holger Hartwig