12. November 2018
Sicherheitskonferenz
Die Bürger eines Landes verlangen traditionell nach Schutz. Schutz des Lebens und des Eigentums stehen hierbei an erster Stelle. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen, insbesondere im urbanen Raum, ist jedoch seit Jahren im Abwärtstrend. Zudem reiht sich in Zeiten der digitalen Revolution auch eine neue Dimension des Schutzes, nämlich der im digitalen Raum, in den Kanon ein. Es wird also Zeit, dass sich der Wirtschaftsrat intensiver mit der Problematik Schutz und Sicherheit befasst.
Dies nahm der Landesverband Sachsen zum Anlass, um am 12.11.2018, unter Moderation von Dr. Dirk Schröter, Leiter Vorstandsbüro & Regelungswesen der Lausitz Energie Bergbau AG, zu einer Sicherheitskonferenz einzuladen.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Als ersten Referenten durften wir Prof. Dr. Günther Schneider, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium des Innern, begrüßen. Prof. Schneider konstatierte, dass Sachsen vergleichsweise ein sehr sicheres Land sei. Wie die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, ist die Gesamtkriminalität von 2016 auf 2017 um 0,5 Prozent gefallen. Zudem ist die Aufklärungsquote um 3,4 Prozentpunkte gestiegen.

Hotspot der Kriminalität in Sachsen sind hauptsächlich die Grenzübergänge, insbesondere der deutsch-polnische Bereich, bei denen Diebstahldelikte überproportional vertreten sind. Prof. Schneider und das Innenministerium legen großen Wert darauf, die Polizeipräsenz im Lande weiter zu stärken. So soll die Zahl der Polizisten und Vollzugsbeamten bis 2022 um 1.000 steigen (von 13.900 Ende 2016 auf 14.900 in 2022). Neben den herkömmlichen kriminellen Energien findet auch die Internetkriminalität im Innenministerium Beachtung. So wurde eigens ein Cybercrime-Kompetenzcenter (Abteilung 3 des LKA) gegründet, mit dessen Hilfe auch Delikte im Darknet und auf den sozialen Netzwerken professionell bekämpft werden können.

Die anwesenden Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates waren allerdings durchaus kritisch und sahen insbesondere bei der Wahrnehmung der Staatsbediensteten als Respektpersonen und bei der Zusammenarbeit mit der Judikative Verbesserungspotenzial. Prof. Schneider bot diesbezüglich an, das Veranstaltungsformat auszubauen und diese Knackpunkte im Frühjahr 2019, in Zusammenarbeit mit Vertretern der Polizei und hiesiger Gerichte, weiter zu beleuchten. Diesen Vorschlag nimmt der Wirtschaftsrat gerne an und freut sich auf eine Vertiefung der Thematik.

(Foto: Wirtschaftsrat)

Wer sich sicher fühlen möchte, kann dies allerdings auch ein Stück weit in die eigene Hand nehmen. Unser zweiter Referent, Stefan Chüo, Prokurist der SECONTEC GmbH, präsentierte uns seine intelligenten Kamerasysteme zur Überwachung und Gefahrenfrüherkennung, insbesondere für Gewerbeimmobilien. Dabei wird ein dreistufiges Schutzkonzept angeboten. Der erste Pfeiler ist die herkömmliche Videoüberwachung. Die Bilder werden jedoch gleichzeitig mittels Algorithmen auf verdächtige Bewegungsmuster überprüft, sodass ein realer Mitarbeiter im Kontrollzentrum darauf aufmerksam gemacht werden und eine Audioansprache an potenziell kriminelle Personen richten kann - Dies schreckt bereits die allermeisten Diebe ab. Bei renitenten Fällen wird als dritte und letzte Instanz dann direkt die Polizei gerufen. Dieses Schutzkonzept wird durch entsprechende Warnschilder offensiv kommuniziert, sodass nach eigenen Aussagen der SECONTEC GmbH, die Ausfallquote gegen Null geht.

 

An die neu entstandene Schutzdimension der digitalen Sicherheit knüpft unser dritter Referent, Marco Fischer, Geschäftsbereichsleiter der procilon IT-Solutions GmbH, an. Mit seiner kurzweiligen Präsentation bestärkt er sehr plastisch das Bewusstsein aller Anwesenden, dass Informations-, und Datensicherheit jeden etwas angeht. Cyberkriminalität steige real an, man dürfe nicht vergessen, dass das Darknet komplett neue Geschäftsfelder und „Wirtschaftszweige“, insbesondere für Kriminelle, hervorgerufen hat, so Fischer. Informationen müssen als Assets der Unternehmen verstanden werden, welche nicht nur durch Sabotage und Diebstahl nach außen gelangen können, sondern auch durch fehlerhafte Prozesse und schlichte Fahrlässigkeit. So gibt es beispielsweise nur wenige Unternehmen, die sich bereits mit der eIDAS-Verordnung auseinandergesetzt haben und Möglichkeiten, wie elektronische Signaturen, Siegel oder Zeitstempel anwenden. Sicherheit müsse von einem ganzheitlichen Ansatz aus betrachtet werden, so der Appell von Fischer.


Die Veranstaltung klang bei einem Get-together mit kleinem Imbiss aus. Besten Dank an alle Teilnehmer und vor allem an unsere Referenten und sachkundigen Diskussionspartner.