05. März 2015
Sicherheit für Unternehmen - Wirtschaftskriminalität und Wirtschaftsspionage wirksam vorbeugen
Das Thema „Sicherheit“ ist in all seinen Ausprägungen, vom Objekt- und Gebäudeschutz bis zur Cybersicherheit, ein bedeutender Standortfaktor für Unternehmen. Wirksame Prävention ist daher eine wesentliche Unterstützung, den Wirtschaftsstandort Sachsen auch künftig prosperierend weiter zu entwickeln. Aus diesem Grund hatte die Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates, Simone Hartmann, zur Landesfachtagung eingeladen, um einerseits Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates über die gegebenen Präventionsmöglichkeiten zu informieren und andererseits die Unternehmer bezüglich des Themas zu sensibilisieren.
v.l.n.r.: Dr. Kai-Holmger Kretschmer, Referatsleiter Wirtschaftsschutz und Spionageabwehr des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen; Simone Hartmann, Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Sachsen; Markus Ulbig, Staatsminister des Sächsischen Staatsministeriums des Innern; Jürgen Georgie, Landespolizeipräsident (Foto: Wirtschaftsrat)

Unter die Wirtschaftskriminalität  fallen, so Landespolizeipräsident Georgie, alle Delikte, die im Rahmen tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher Betätigung begangen werden und über eine Schädigung von Einzelnen hinaus das Wirtschaftsleben beeinträchtigen oder die Allgemeinheit schädigen können. Hierunter fallen auch Betrug, Veruntreuungen, Unterschlagung und Urkundenfälschung aber auch beispielsweise die Insolvenzstraften sowie Verstöße gegen das Urheberrecht. Die Bearbeitung von Delikten der Wirtschaftskriminalität obliegt grundsätzlich den Kriminalpolizeiinspektionen in den Polizeidirektionen. Für die standardisierte Bearbeitung von Insolvenzdelikten arbeiten seit den 90er Jahren  Staatsanwaltschaft und Polizei in gemeinsamen Ermittlungsgruppen, den so genannten WESP, eng zusammen. Das Landeskriminalamt ist für die Bearbeitung der schweren Wirtschaftsstraftaten zuständig, insbesondere wenn diese länderübergreifende oder internationale Bezüge aufweisen, dazu besteht im LKA ein spezielles Dezernat. Insgesamt entstand ein Schaden aus wirtschaftskriminellen Handlungen per 2014 von 235 Mio. Euro. Dies entspricht damit 57% der Gesamtschäden aus Kriminalität. Dabei hat man es bei der Wirtschaftskriminalität mit geringen Fallzahlen, im Vergleich zur Gesamtkriminalität in Sachsen zu tun, aber der  Bearbeitungsaufwand ist immens. Allein im allseits bekannten Fall infindus wurden beispielsweise 50 Terrabyte Daten sichergestellt. Die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität, insbesondere schwerer Delikte in diesem Bereich, ist ein strategischer Schwerpunkt bei der Kriminalitätsbekämpfung. Auch deshalb, so Innenminister Ulbig, wird in den Jahren 2015 und 2016 die Polizei in diesen Bereichen jeweils zusätzlich zu den geplanten Stellenausweitungen um 50 Spezialisten aufgestockt und die technische Ausrüstung immer auf dem neuesten Stand gehalten.


Der Schlüssel zur Vermeidung von Schäden liegt in wirksamer Prävention. Hierzu hat die sächsische Polizei seit Ende 2011 ein im Ländervergleich einmaliges Präventionsangebot „Sicheres Unternehmen“ für sächsische klein- und mittelständische Unternehmen aller Branchen zur Sicherung von Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen im Freistaat entwickelt. Auch für exportorientierte Unternehmen und Institutionen mit innovativen Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie mittelständischen hidden champions ist dieses Präventionsangebot gedacht.


Durch Prüfung von Objekt- und Gebäudeschutz, Einbruchmeldetechnik, Angriffspunkte für Cybercrime sowie organisatorische Maßnahmen sollen Unternehmen Sicherheitsrisiken und -lücken erkennen und abstellen können. Bereits über 70 sächsische Unternehmen zeigten bislang Interesse am Präventionsangebot.

 

Der Wirtschaftsrat, so Simone Hartmann, begrüßt den weiteren Ausbau des Präventionsangebotes bis zur Zertifizierung entsprechend geprüfter Unternehmen unter Einbeziehung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, um nachhaltig sichere Arbeitsplätze und Unternehmen im Freistaat zu haben.


Zusätzlich zur geschildeten Wirtschaftskriminalität spionieren Geheimdienste fremder Staaten die deutsche Wirtschaft aus, sagt Dr. Kai-Holmger Kretschmer vom sächsischen Verfassungsschutz. Davon zu unterscheiden ist die Industriespionage: Unternehmen werden von Wettbewerbern ausspioniert. Abgesehen hätten es die Spione nicht nur auf Daten der Unternehmen, sagt Kretschmer, sondern auch auf deren Rechner-Kapazitäten, um von dort aus weitere Angriffe auszuführen. Die neue „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung wecke dabei die Interessen der ausländischen Nachrichtendienste. Im Fokus stünden erneuerbare Energien, Logistik, Kommunikations- und Informationstechnologie, Luft- und Raumfahrt. Der Mittelstand sei häufig Ziel von Angriffen, da seine Sicherheitssysteme nicht so ausgefeilt seien. Der Verfassungsschutz steht hier diskret und vertraulich als Ansprechpartner bei Angriffen auf die Informations- und Kommunikationstechnik, Spionageverdachtsfällen gegen Mitarbeiter oder Fremdpersonal sowie allen Fragen zu Informations- und know-how-Schutz zur Verfügung.


Der sächsische Staatsminister des Innern, Markus Ulbig, Landespolizeipräsident Jürgen Georgie sowie der Referatsleiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Dr. Kai-Holmger Kretschmer standen den  anwesenden Unternehmern auch beim anschließenden get-together gemeinsam mit Andreas Nenner vom Sächsischen Verband für Sicherheit in der Wirtschaft sowie Kerstin Nolte vom Landeskriminalamt und Christian Ott von der Polizeidirektion Chemnitz zum Austausch zur Verfügung.

(Foto: Wirtschaftsrat)
v.l.n.r.: Igor Bola, Administrator, Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V.M; Kerstin Nolte, Leiterin Zentralstelle für polizeiliche Prävention, Landeskriminalamt Sachsen; Dr. Thomas Luckner, Geschäftsführer, GIP Grundwasser-Ingenieurbau-Planung GmbH Dresden; Hans-Joachim Lätzsch, Geschäftsführer, Lätzsch GmbH Kunststoffverarbeitung (Foto: Wirtschaftsrat)