20. März 2013
"Schattenbanken - wo stehen wir?"
Die Bankenkrise und ihre Folgen sind ein Thema, das die Wirtschaft in Deutschland und Europa weiterhin intensiv beschäftigt. Daher wird seit geraumer Zeit die Regulierung der Banken verstärkt, aber auch das Schattenbankensystem steht im Fokus. Im Rahmen des unternehmerischen Mittagstisch mit Dr. Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), im Parkhotel Pforzheim wurde Stephan Jung vom Landesvorsitzenden, Dr. Ulrich Zeitel, für zehn Jahre Mitgliedschaft geehrt.
Sektionssprecher Georg Wellendorff begrüßt die Teilnehmer (Foto: Wirtschaftsrat)

Bei einem Wachstum des Schattenbankensektors von 26 Billionen US-Dollar in 2002 auf 67 Billionen US-Dollar Ende 2011 ist eine stärkere Regulierung sicher angeraten,  ist Dr. Elke König, Präsidentin der BaFin, der Ansicht. Sie ist sich sicher, dass „sich hier das Fenster für eine stärkere Beaufsichtigung“ noch nicht geschlossen hat.

Als Schattenbanken werden verschiedene Sachverhalte bezeichnet. Einerseits Unternehmen, die innerhalb des gesetzlichen Rahmens Finanzgeschäfte betreiben, aber keine Kreditinstitute sind, wie Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds. Andererseits Tochtergesellschaften von Banken, die außerhalb der Bankbilanzen tätig werden. Darunter fallen Conduits, Structured Investment Vehicles und einige Formen von Zweckgesellschaften. Und drittens Unternehmen, die ohne entsprechende Genehmigung, also unerlaubt, Geld- und Bankgeschäfte betreiben. Dies geht häufig mit betrügerischen Machenschaften einher. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise seit 2007 wird „Schattenbank“ in den ersten beiden Bedeutungen als Schlagwort verwendet, dabei wird normalerweise auf eine zu geringe Regulierung der Finanzmärkte abgestellt.

Dr. Elke König bei ihrem Vortrag (Foto: Wirtschaftsrat)

Die BaFin überwacht in Deutschland 1900 Banken, 600 Versicherungen, 6000 weitere Finanzdienstleister sowie den Wertpapierhandel. "Banken müssten wieder zurückfinden zur marktwirtschaftlichen Ordnung", führte Dr. Elke König weiter aus. „Wir müssen im Finanzstabilitätsrat der G-20-Staaten und auf EU-Ebene weiterkommen. Deutschland alleine ist mit seinen Maßnahmen machtlos“, ist König überzeugt.

 

Dr. Elke König ist eine der einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Sie erreichte eine Spitzenposition in der internationalen Finanzwelt und war unter anderem auch in London als Mitglied des International Accounting Standards Board aktiv. Seit Januar 2012 ist sie Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, fasste Sektionssprecher Georg Wellendorff ihre Vita zusammen.

 

Landesvorsitzender Dr. Ulrich Zeitel ehrt Stephan Jung für zehn Jahre Mitgliedschaft (Foto: Wirtschaftsrat)