01. September 2015
Junger Wirtschaftsrat
"Sachen einfach probieren"
Am 01. September 2015 war der Junge Wirtschaftsrat im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Start-Up Champions“ beim Online Optiker „Mister Spex“ zu Gast.
Das Unternehmen hat Björn Sykora 2007 mit Dirk Graber und zwei weiteren Partnern gegründet. Aus dem ehemals vier Mann starken Betrieb ist inzwischen ein Venture-Capital-finanziertes Unternehmen mit über 300 Angestellten geworden. Nachdem 2013 von Mister Spex 47 Millionen Euro Umsatz erzielt wurden, konnte 2014 diese Zahl bereits auf 65 Millionen Euro gesteigert und damit erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden (siehe 1). Folglich führt das Unternehmen die Bezeichnung als „Europas führender Online Optiker“ zurecht.
2. von links: Björn Sykora (Foto: Wirtschaftsrat)

Von einer solchen Entwicklung ihres Unternehmens konnten die jungen Gründer 2007 nur träumen, da viele Investoren an ihrer Idee, Brillen online zu vertreiben, zweifelten. Zumal damals der Onlineversandhandel noch lange nicht in dem Maße existierte, das ihn heute kennzeichnet. Das Team um Sykora steht sinnbildlich für die heutige Generation an Gründern, die ohne fachspezifische Vorkenntnisse ihre Start-Ups ins Leben rufen. Auch die Unternehmensgründer von Mister Spex hatten kein Knowhow als Optiker vorzuweisen. In einer komplexen Branche, bei der der Kauf eher aufgrund von rationalen anstatt von modischen Erwägungen getätigt wird und für den Kunden oft mit Ärgernissen (z. B. über die Intransparenz bei den Preisen der Brillengläser) verbunden ist, gelang Mister Spex der Durchbruch.

 

Das Unternehmen profitiert unter anderen von günstigen Einkaufskonditionen und optimierten Arbeitsabläufen gegenüber klassischen Filialisten. Die daraus resultierenden Preisvorteile werden an die Käufer weitergegeben. Zudem bietet das Unternehmen den Kunden inzwischen auch ein Partnernetzwerk von über 500 Optikern in Deutschland und Österreich an, so dass die Vorteile der günstigen Preise im Internet zusammen mit einer persönlichen Beratung kombiniert werden können. So verwundert es nicht, dass der „Break Even“ in diesem Jahr gelang, denn neben immer neuen Ideen zeichnet Mister Spex auch ein solides finanzielles Fundament aus, das unter Mithilfe von „Business Angeln“ seitens der Kapitalgeber entstand. Die Investoren lobten bereits das „[…] innovative Geschäftsmodell, das starke organische Wachstum und das erstklassige Führungsteam […]“ des Unternehmens (siehe 2).

Damit in Zeiten des immer beliebter werdenden Onlineshoppings ein weiteres Wachstum des Start-Ups möglich wird, muss es sich bereits jetzt räumlich vergrößern. Zwar werden auf  2000 qm Geschäftsfläche im Prenzlauer Berg bereits 1,5 Millionen Kunden mit 7000 verschiedenen Brillenmodellen versorgt, doch das reicht für die Ambitionen des Unternehmens nicht mehr aus. Deshalb wird gerade ein neues Logistikzentrum in Spandau errichtet. Bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Bau wurde auch das Standortproblem, das Berlin als „Start-Up-Hauptstadt“ aufgrund der gestiegenen Nachfrage an Gewerbeflächen derzeit erlebt, für Sykora deutlich. Neben genügend, gut erreichbaren Standorten innerhalb Berlins, wäre auch die Suche nach passenden Angestellten oftmals zeitaufwändig. Vor allem die für Mister Spex wichtigen Branchen wie IT und Marketing seien immer schwieriger zu besetzen, und so wünscht sich Sykora bildungspolitische Veränderungen wie eine „praxisnahe Ausbildung“ und „Wirtschaft als Unterrichtsfach“. Dennoch sei Berlin trotz geschilderter Nachteile nach wie vor ein Ort, der „ungemein anziehend“ auf potentielle Arbeitnehmer wirke.

Künftigen Gründern empfahl Sykora, dass sie „Sachen einfach probieren“- auch mit der Möglichkeit zu scheitern. Es sei keine gute Taktik, Geheimniskrämerei um ein neues Projekt zu betreiben, vielmehr wäre ein offensiver Umgang mit der Idee von Vorteil denn allein vom Feedback könne man „ungemein profitieren“.
______________
1 „Mister Spex steigert Umsatz 2014 auf 65 Mio. Euro und schreibt schwarze Zahlen“ unter http://misterspex.de/presse/2015-02-09-Mister-Spex-steigert-Umsatz-2014-auf-65-Mio-Euro-und-schreibt-schwarze-Zahlen.html
2 „Europas führender Online-Optiker stärkt Marktposition: Mister Spex erhält 32 Millionen Euro für weiteres Wachstum“ unter http://misterspex.de/presse/2015-01-08-PM-Mister-Spex-erhaelt-32-Mio-fuer-weiteres-Wachstum.html