24. März 2015
Mittagsveranstaltung der Sektion Neumünster im Best Western Hotel Prisma
Radikale Schulpolitik: "Das müssen wir wieder in Ordnung bringen!"
Die radikalen schulpolitischen Reformen der Landesregierung sind seit dem Regierungswechsel in Schleswig-Holstein nicht nur vom Wirtschaftsrat aufs Heftigste kritisiert worden, sondern ebenso von den Lehrerverbänden.
v.l. Sektionssprecher Holger Bajorat, Helmut Siegmon (Philologenverband SH e.V.) und Unternehmer Jörg Hiller (Hiller Feinwerktechnik) / Foto: Wirtschaftsrat

Am 24. März 2015 war mit Helmut Siegmon der Vorsitzende des Philologenverbandes
Schleswig-Holstein gebeten, vor der Sektion Neumünster eine Zwischenbilanz zu ziehen. Nach seiner Analyse sind die Ergebnisse nicht nur alarmierend, sondern – wie prophezeit – niederschmetternd: Angefangen bei dem ideologischen Endziel „Eine Schule für alle“, das für die Vielfalt von Schülern eine radikal vereinheitlichte Schulstruktur anstrebe, über eine rücksichtslose Durchsetzung, die das bestehende Schulsystem praktisch an allen Stellen zu gleich einreiße, bis hin zu einer dilettantischen Ausführung im Detail, die sich in sprachlich unsauberen Systembegriffen und miserabel widersprüchlichen Vorgaben aus dem Bildungsministerium widerspiegele.

Die Folgen seien entsprechend katastrophal, auch wenn sie erst in den kommenden Jahren vollständig zutage treten würden: Überforderung der Lehrkräfte, Gefährdung der Studierfähigkeit und ein weiter ausufernder Unterrichtsausfall. Nach der faktischen Einebnung der Schulstrukturen und der Abschaffung der Noten folge jetzt die Vereinheitlichung der Lehrerausbildung, mit dem Ergebnis, so Siegmon, daß Lehramtsabsolventen aus Schleswig-Holstein in anderen Bundesländern u. U. schlechter eingruppiert werden würden. Daß die Regierung ihre wahren Absichten verschleiert und ihre Bildungspolitik unbeirrt durch Tarnen, Tricksen und Täuschen vorantreibt, sollte uns alle alarmieren.

In der anschließenden Diskussion bestand zwar Einigkeit, daß die mit einer Einstimmenmehrheit durch geboxten Reformen der Landesregierung derselben unweigerlich noch innerhalb der Legislaturperiode auf die Füße fallen werde, so daß anschließend auch politische Chancen bestünden, das System wieder in Ordnung zu bringen. Allerdings bleibe zu klären, wie das seit Jahren von roter Klientelpolitik personell durchzogene Schulministerium erfolgreich neu aufgebaut werden und wie eine Regierungsmehrheit ohne die Verursacher zustande kommen könne. Kompromisse der CDU dürfe es an dieser Stelle jedenfalls nicht geben, wenn die Zukunftsfähigkeit des Landes nicht auf absehbare Zeit verlorengehen soll, war sich das Auditorium einig.