20. Januar 2011
Ein Arbeitskreis der Landesfachkommission „Wirtschaft und Bildung“ des Wirtschaftsrats befragte in Zusammenarbeit mit der COBUS Marktforschung GmbH mehr als 2000 Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit den neuen Studienabschlüssen.
Quo vadis Bachelor?
Studie des Wirtschaftsrats untersucht, wie die neuen Hochschulabschlüsse
von Unternehmen beurteilt werden

Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass sich die Hochschulen Europas vorgenom-men haben, zu einem gemeinsamen Hochschulraum mit international vergleichbaren Abschlüssen zu verschmelzen. Auf der namensgebenden Sitzung 1999 in Bologna beschlossen die Bildungsminister von damals 29, inzwischen bereits 47 europäischen Nationen bis 2010 ein einheitliches, zweistufiges Abschlusssystem zu schaffen. Die Hauptziele des Bologna-Prozesses sind die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit.


Inzwischen sind die ersten Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Ein Arbeitskreis der Landesfachkommission „Wirtschaft und Bildung“ des Wirtschaftsrats der CDU befragte in Zusammenarbeit mit der COBUS Marktforschung GmbH mehr als 2000 Unternehmen (=Erhebungsgröße) oder 300 Unternehmen (=aktive Teilnehme-rzahl) zu den Erfahrungen mit den neuen Studienabschlüssen.

 

Das wichtigste Ergebnis der Befragung: Bislang ist der Bachelor in den Unternehmen erst bedingt angekommen, es besteht noch ein großes Kommunikationsdefizit zur Wertigkeit und den Inhalten des Curriculms. 62,4 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, bislang noch keine Bachelor- oder Masterabsolventen eingestellt zu haben. „Dort allerdings, wo der Bachelor in den Unternehmen bereits zu finden ist, werden die erworbenen Kompetenzen als durchaus mit dem Diplom vergleichbar bewertet“, so Prof. Dr. Nicole Graf, Vorsitzende des Wirtschaftsrats-Arbeitskreises und Leiterin des Campus Heilbronn der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach.

 

Als wichtigstes Studienmerkmal definierten die befragten Unternehmen die Nähe zur Praxis sowie die intensive Betreuung während des Studiums. Ausgerechnet der internationalen Vergleichbarkeit der Abschlüsse maßen die Interviewpartner die geringste Relevanz bei.
Traditionelle Werte, wie die Zuverlässigkeit (Mittelwert 8,46) und die Einsatzbereitschaft (Mittelwert 9,08) standen für die befragten Unternehmen hinsichtlich der Personal-kompetenz an erster bzw. zweiter Stelle. Als wichtigste unternehmerische Kompetenzen von Berufseinsteigern benannten die Unternehmen die Kunden- und Serviceorientierung (Mittelwert 8,81) sowie das Denken in Vernetzungen (Mittelwert 8,23). Bemängelt wurden hingegen das geringere Fach- (22,0 Prozent) bzw. Grundwissen (17,6 Prozent) sowie die verkürzte Studienzeit (11Prozent).


„Die Ergebnisse der Befragung machen ganz deutlich, dass nach wie vor die Meinung vertreten wird, die verkürzte Studiendauer gehe mit einer geringeren Wissenstiefe einher“ so Prof. Dr. Nicole Graf. In der Berufspraxis habe sich jedoch gezeigt, dass die Abschlüsse Diplom und Bachelor durchaus vergleichbar seien.

 

Der Vorsitzende der Landesfachkommission, Dr. Stefan Kaufmann MdB, der Landesvor-sitzende des Wirtschaftrates, Dr. Ulrich Zeitel und Prof. Dr. Nicole Graf stellen gemeinsam fest: „Bei den Absolventinnen und Absolventen steht künftig mehr denn je die Employability (=Beschäftigungsfähigkeit) im Vordergrund. Die Kompetenzfelder, die die Studierenden im Laufe ihres Bachelorstudiums erwerben, sollten daher eng entlang der Bedarfe der Wirtschaft und im Dialog mit den Unternehmen entwickelt werden.“

 

Kontakt:
Bernhard Feßler, Landesgeschäftsführer,
Kronprinzstraße 18, 70173 Stuttgart, Tel. 07 11/83 88 74 - 0, Fax 07 11/83 88 74 - 20, b.fessler@wirtschaftsrat.de