10. Oktober 2017
Mittagsveranstaltung der Sektion Rendsburg-Eckernförde im Hotel Conventgarten
Perspektiven für den Gesundheitsstandort
Das Herzstück der Gesundheitsversorgung auf dem Land sei das Krankenhaus. Dr. Hans-Markus Johannsen, Geschäftsführer Imland GmbH, dem Krankenhaus des Landkreises Rendsburg-Eckernförde, sieht deshalb den Gesundheitsstandort insgesamt vor schwierigen strukturellen Herausforderungen. Dazu präsentiert er wichtige Kennzahlen.
Dr. Hans-Markus Johannsen, Geschäftsführer der Imland GmbH / Foto: Wirtsvchaftsrat

Der Umsatz der Imland-Klinik sei in den letzten sieben Jahren durchschnittlich um 4,9 Prozent gewachsen, zuletzt sogar um 5,8 Prozent. Die Ursachen lägen in der demographischen Entwicklung: Mehr ältere Menschen mit schwereren Diagnosen. Der Trend werde also anhalten. Der Personalbestand sei in der gleichen Zeit jedoch nur um durchschnittlich 1,8 Prozent gewachsen, der Personalaufwand bedingt durch Tarifsteigerung indes um jährlich 5,1 Prozent. Zudem wachse auch der Materialaufwand überproportional zum Umsatz. Ohne Modernisierung der Strukturen seien diese Veränderungen nicht zu stemmen. Deshalb habe man jährlich seit dem Jahr 2010 7,5 Millionen Euro investiert, wovon weniger als die Hälfte gefördert worden seien. 4,1 Millionen Euro dieser Investitionen seien jährlich aus den Überschüssen zu erwirtschaften gewesen. Zudem erfordere die Vorschau auf stabile Kostentrends eine Risikovorsorge. Als weiterer Kostentreiber sei mit einem verschärften Fachkräftemangel zu rechnen. Trends zu Teilzeitkräften würden ebenso kostensteigernd wirken wie eine erhöhte Fluktuation, die in Teilbereichen 18 Prozent erreicht habe.

Das ganze System Krankenhaus sei jedoch auf Kostendeckung angelegt. Qualitative Abstriche seien nicht nur menschlich inakzeptabel, sondern zögen auch Haftungsrisiken nach sich. Insofern würden die unterschiedlichen Qualitäten der Ergebnisse, der Prozesse und der Strukturen permanent effektiv überwacht und ihre Wirtschaftlichkeit laufend im Rahmen von Restrukturierungen verbessert. Die Möglichkeiten zur Restrukturierung seien jedoch bei anhaltenden Kostentrends für Personal und Material nicht unendlich fortsetzbar. Dr. Johannsen fordert deshalb zukünftig eine vollständige Finanzierung von Investitionen durch das Land und eine schnellere Bereitstellung bereits zugesagter Investitionsfördermittel.

Zudem müsse für die ambulante Notfallversorgung eine kostendeckende Regelung gefunden werden. Außerdem sollten die Approbation zum Arzt berufsbegleitend ermöglicht und der Krankenpflegehelfer wieder eingeführt werden. Und schließlich müsse das gesamte System auf den demographischen Schock eingestellt werden, da die Fallzahlen ebenso bis zum Jahr 2040 ansteigen werden wie die verfügbaren Fachkräfte abnehmen. Er verweist dazu auf unser Nachbarland Dänemark, das eine rigorose Strukturkonzentration planen würde. Hier sei allerdings nicht nur das Land Schleswig-Holstein in der Pflicht, sondern der Bund müsse flankierend entsprechende Rahmenbedingungen entwickeln./bz