30. Mai 2019
Eröffnungsabend des 4. CXO-Events Sylt 2019 in der Spielbank Westerland
Orkane aus China treffen auf Windstille in Europa
Vortrag durch Erik Schäfer, Vorstandsvorsitzender der FAKT International AG, Essen
Eine kleine Reise durch die digitale Welt hat Erik Schäfer, Vorstandsvorsitzender FAKT International AG (Essen), am Eröffnungsabend in der Spielbank gemacht. Schäfer, der auf drei Jahrzehnte internationale Erfahrung zurückblicken kann, sprach unter der Überschrift „Geostrategie, Handelswirtschaft, digitale Vorherrschaft: USA, China und Deutschland auf dem Weg in eine multipolare Welt“ von einem Gezeitenwechsel, der sich aktuell in der globalisierten Welt abspiele.

Erik Schäfer (li.), Vorstandsvorsitzender der FAKT International AG aus Essen, stimmte mit einem internationalen Systemwettbewerb am Vorabend auf die Tagung ein / Foto: Wirtschaftsrat

Während sich die aufkommenden Wellen einer wirtschaftlichen Weltherrschaft Chinas immer deutlicher zeigen würden, herrsche in Europa aktuell Ebbe bei Antworten auf Zukunftsfragen. Schäfers Appell: „Wir müssen aufwachen, welche epochalen, tektonischen Verschiebungen sich gerade anbahnen. Wir müssen aufhören, uns mit der Formulierung des dritten Geschlechts zu beschäftigen. Bei uns herrscht Windstille in Sachen Zukunft, während in den USA und China die Stürme toben und zu uns hinüberwehen.“

Der Unternehmer, der seit 2015 in China aktiv ist, machte deutlich, daß „die Amerikaner im Moment mit dem transatlantischen Bündnis vor sich hin probieren, Deutschland und Europa abwarten und die Asiaten einen klaren Plan für die kommenden Jahrzehnte haben“. China habe sich fast 300 Jahre mit sich selbst beschäftigt und den Führungsanspruch auf die Welt vernachlässigt. „Das will man nun bis 2049 korrigieren. China hat strategische Ziele formuliert und zehn Schlüsselindustrien festgelegt. Hinzu kommt der Aufbau der neuen Seidenstraße.“ China demonstriere derzeit die Schlagkraft, die man sich von Deutschland und Europa wünsche. Die EU habe sich in den vergangenen Jahren nicht weiterentwickelt und sei zu einem Bürokratiemonster geworden, statt Europa weltweit strategisch wirkungs- und sinnvoll zu positionieren.

Schäfer machte deutlich, dass offenbar in Europa niemand sehe, dass es dringend an der Zeit sei, ganz eng zusammenzurücken, um weltpolitisch weiterhin eine Rolle spielen zu können. „Im jetzigen Zustand sind wir dem Untergang geweiht“, so seine düstere und zugleich provozierende Prognose. In Zeiten der sich zügig entwickelnden, künstlichen Intelligenz und disruptiver Veränderungen in der Wirtschaft „muß sich Europa komplett neu und gemeinsam erfindenund zwar bald.“ Es werde ein steiniger Prozeß, der für Deutschland und Europa nach wie vor zu meistern sei. Schäfer: „Wir brauchen Bewegung. Ich wünsche mir den Gezeiten-wechsel und eine Flut an Ideen mit Weitblick.“ / Holger Hartwig