24. März 2017
Junger Wirtschaftsrat zu Gast im Ahrensburger Haus der Wirtschaft
Ökosystem für Unternehmensgründungen
Wie kann Schleswig-Holstein aussichtsreiche Gründungen motivieren? Welche Erfahrungen haben unsere Förderinstitute gemacht, und welche Verbesserungsvorschläge lassen sich
daraus für den Standort ableiten?
v.l. Michael Eich, Stefanie Huppmann, Olaf Birkner, Finn Plotz, Lars Osterhoff, Holger Zervas / Foto: Wirtschaftsrat

Der Junge Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein hat sich auf den Weg gemacht, Empfehlungen zu entwickeln und dazu für die Gründerszene bedeutende Förderinstitute eingeladen. Holger Zervas, Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH (MBG), konstatiert einen fortgesetzten Rückgang von Unternehmensgründungen über alle Bereiche. Im Langzeittrend seien diese in den letzten Jahren bundesweit in den letzten zwanzig Jahren von 465.000 auf jährlich 250.000 gesunken, wobei die mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung sogar noch stärker rückläufig erscheinen.

 

Derweil haben Städte wie Berlin und Hamburg eine fruchtbare Gründungsszene mit einer Reihe aussichtsreicher Unternehmungen hervorgebracht. Metropolkonzepte wären jedoch nicht auf Schleswig-Holstein übertragbar, das weit hinter der Entwicklung zurückhänge.

 

Stefanie Huppmann, Expertin der Hamburger Sparkasse (HASPA), unterscheidet klassische Gründer und innovative StartUps, wobei Einwanderer, Frauen, ältere Gründer und Nebenerwerbsgründer auf dem Vormarsch seien ebenso wie neue Gründungsformen „Web Start-Ups“ und „Social Enterprises“. Die Rahmenbedingungen für klassische Gründer seien jedoch im starken Wandel.

Beim Handwerk würden Gewerke aussterben, der Einzelhandel stünde im Wettbewerb zum E-Commerce und die Gastronomie ächze unter hohen Mieten, Personalmangel und Bürokratie. Während in Schleswig-Holstein Gründungen von Freiberuflern von 10.700 auf 10.300 gesunken wären, würden diese in Hamburg von 10.500 auf 10.600 steigen, was mit einer ausgeprägten Agenturszene zu tun habe und sozialpolitisch nicht unkritisch sei. Sie empfiehlt eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschulen die Einrichtung eines Faches Unternehmertum an Schulen vermehrte Angebote für das Erlernen von Programmiersprachen sowie neue Lernmethoden.

In der anschließenden Diskussion werden neue Instrumente zur Förderung von aussichtsreichen Neugründungen in den Mittelpunkt gestellt. Während es in Deutschland inzwischen über 150 sogenannte Inkubatoren oder Acceleratoren gäbe, könne man in Schleswig-Holstein bisher kein entsprechendes Angebot erkennen. Nachdem diese Einrichtungen zunächst in den U.S.A. erfolgreich eine Vielzahl neuer Geschäftsideen be schleunigt an den Markt gebracht haben, seien eine Vielzahl von Gründungen in England und Europa zu verzeichnen.

Olaf Birkner, der bereits mehrere Unternehmensgründungen vollzogen hat, berichtet von einem Trend einer Spezialisierung auf Branchen, nachdem der Fokus anfangs auf digitalen Geschäftsmodellen gerichtet gewesen sei. Im für Schleswig-Holstein interessanten Agrarbereich habe Wien im letzten Jahr einen Accelerator zusammen mit der VR-Bankengruppe Österreich ins Leben gerufen. Bereits im ersten Jahr seien Unternehmensideen aus 49 Nationen eingereicht worden.

Der Landesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates kündigt eine Initiative für eine entsprechende Gründung in Schleswig-Holstein an. Frau Huppman berichtet, daß man in Hamburg jetzt in kurzer Folge drei branchenbezogene Inkubatoren gestartet bzw. in konkreter Planung habe, nämlich für die Bereiche E-Media, E-Commerce und Logistik./bz