Ökosystem für Startups: Mehr Wagnis, zu wenig Kapital?

Deutschland muss bei der Art der Finanzierung von neugegründeter Unternehmen umdenken. Das ist ein zentraler Baustein zur Beantwortung wie wir auch in zehn Jahren noch erfolgreich sind. Ein Gastbeitrag von Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen.

Deutschland geht es gegenwärtig sehr gut. 44 Millionen Erwerbstätige, Löhne und Renten steigen, die Aussichten für die Eurozone sind an vielen Stellen nicht schlecht. Die Kernfrage für uns in Deutschland lautet: Haben wir auch in Zeiten, in denen es gut läuft, die Kraft zur Veränderung – oder muss es erst wieder schlecht laufen, bis wir den Mut für Reformen aufbringen? Was tun wir eigentlich heute, damit wir in fünf oder in zehn Jahren noch erfolgreich sind? Die Frage von Wagniskapitalfinanzierung ist aus unserer Sicht jedenfalls ein wichtiger Baustein dabei. Reformen heißt oft auch das Mindset, also die Art zu Denken - zu verändern. Das gilt natürlich gerade für das Thema Digitalisierung.

 

Bei der Finanzierung muss Deutschland umdenken. Neben der traditionellen Finanzierung über Banken müssen zusätzliche Finanzierungsinstrumente erschlossen werden. Geld ist eigentlich genug da. Zurzeit sucht sich so viel Geld wie selten gute Anlagemöglichkeiten. Die Frage ist nur: Wie schaffen wir die Instrumente, die Kanäle und die Bewusstseinsänderung, dass dieses Geld auch in Wagniskapital fließt? Das fängt schon bei den institutionellen Investoren an. Oft ist Wagniskapital nicht im Blick, es kommt gar nicht als Anlagemöglichkeit in Frage. Wie also können wir einen Rahmen und Instrumente schaffen, dass das viele Geld stärker in die Finanzierung junger Unternehmen fließt? Natürlich wollen wir dabei die Regulatorik für Investoren nicht völlig abschaffen – aber wir wollen schauen, wie man sie an den richtigen Stellen weiterentwickelt.

 

Solange es so ist, dass privates Geld nicht von sich aus die Impulse setzt und das Wagniskapital in dem Maße bereitstellt, wie es nötig ist, müssen wir als Staat ordnungspolitisch Förderinstrumente aufbauen. Hier ist in den vergangenen Jahren bereits einiges passiert, die Bundesregierung hat zahlreiche Förderprogramme entwickelt, von der Gründungsphase bis zur Phase der Bankfinanzierung. Das hat zu höheren Wachstumsraten beim Wagniskapital geführt. Von 2013 bis 2015 etwa sahen wir eine Vervierfachung des Wagniskapitalmarktes, trotzdem ist das Niveau noch zu gering. Wir müssen also noch besser werden. Für die Gründungsphase, die sogenannte Seed-Phase, haben wir mit dem High-Tech Gründerfonds und einer Reihe von anderen Instrumenten schon ganz gut was aufgebaut.

 

Wir haben aus der Gründerszene schon häufiger die Rückmeldung erhalten, dass gute Ideen auch das benötigte Geld finden. Wir hoffen, dass wir zusätzlich neue Venture-Debt-Instrumente im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich und ergänzend Venture Capital-Instrumente schaffen können. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wir haben in den vergangenen Jahren eine Menge erreicht – und auch eine Menge erkannt, was künftig an Veränderung in den Finanzierungsbedingungen nötig ist.

0 Kommentare

Ihr Kommentar zum Thema