05. November 2014
Ökonomie und Ökologie im Einklang - Reichhaltiges Naturerbe Harz - Partnerschaft zwischen Naturschutz, nachhaltiger Land- und Forstwirtschaft und umweltverträglichem Tourismus fördern!
Nationalpark Harz als Wirtschaftsfaktor für Tourismus, Infrastruktur und Land- und Forstwirtschaft
Anne-Marie Käding, Staatssekretärin, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Sachsen-Anhalt

Der Sektionssprecher der Sektion Harz des Wirtschaftsrates Sachsen-Anhalt, Daniel Trutwin, begrüßte vor rund 35 Mitgliedern und Gästen die Staatssekretärin Anne-Marie Keding im Gasthaus „Zum Brockenbäcker“ in Tanne, die mit ihrem Vortrag ein aktuelles Thema anschnitt.

Der Nationalpark Harz sei mit einer Fläche von 24.700 Hektar einer der größten Waldnationalparke Deutschlands, er sei Teil des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“ und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Schaffung eines globalen Netzes ökologisch repräsentativer nationaler und regionaler Schutzgebietssysteme im Rahmen des weltweiten Übereinkommens für die Biologische Vielfalt. „Als einer der artenreichsten und schönsten Naturlandschaften Mitteleuropas zieht der Harz jedes Jahr tausende Besucher an. Regional gesehen ist der Harz mit einem Anteil 30,2 Prozent der Gästeankünfte und einem Anteil von 34,7 Prozent an Übernachtungen Sachsen-Anhalts touristische Leuchtturmdestination, “ betonte Staatssekretärin Keding. Vom Nationalpark Harz gingen nicht unerhebliche regionalökomische Effekte aus. Insgesamt würden durch die touristischen Ausgaben vor Ort ein Bruttoumsatz von rund 74,3 Mio. € generiert. Nach Abzug von Steuern und Berechnung von direkten und indirekten Effekten ergäben sich eine gesamtes Einkommen von 39,6 Mio. €. „Alleine durch die Ausgaben der Nationalparktouristen im engeren Sinn können somit 530 Personen ihr Einkommen bestreiten“ so die Staatssekretärin.

Aber es gebe auch eine andere Seite: fast jeder zweite Deutsche wünschte sich mehr Wildnis in Deutschland. Das zeigte eine Auftragsstudie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) zum Naturbewusstsein in Deutschland. Das könne in Nationalparken verwirklicht werden, Sachsen-Anhalt stehe dabei gut da, aber die sorgliche, nachhaltige Nutzung von Wald als Rohstofflieferant dürfe nicht außer Acht gelassen werden. „Wir können uns nicht aus der Kernkraft und sukzessive auch immer mehr von fossilen Rohstoffen verabschieden und die Ressource Wald und Holz nicht nutzen wollen! Denn wir müssen den ländlichen Raum in seiner Gesamtheit betrachten, wenn wir zukunftsfähig bleiben wollen!“ Dazu gehörten funktionierende wirtschaftliche Strukturen genauso wie attraktive Lebensbedingungen und eine intakte Umwelt.

 

In Sachsen-Anhalt stelle diese Entwicklung im ländlichen Raum alle zunehmend vor neue Aufgaben. In einigen Dörfern wirtschaften außer Land- und Forstwirtschaft keine weiteren bedeutenden Unternehmen. Vor diesem Hintergrund leiste das Cluster Forst und Holz einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesamtleistung und Beschäftigung, vor allem in strukturschwachen ländlichen Räumen. Hier sei eine hochmoderne und leistungsfähige Holzindustrie aufgebaut. Staatssekretärin Keding erläuterte, dass In keiner anderen europäischen Region in den vergangenen Jahren mehr in die Holzverarbeitung investiert wurde, als in Sachsen-Anhalt.

Im Cluster Forst und Holz seien in Sachsen-Anhalt insgesamt 18.000 Menschen beschäftigt. Damit werde auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Die Zweitgrößte Flächennutzungsform im Land sei die Forstwirtschaft. Die vorliegende dritte Bundeswaldinventur hatte gezeigt: Wald bedeckt in Sachsen-Anhalt wieder 26 Prozent der Landesfläche. Die Gesamtwaldfläche habe in 10 Jahren um ca. 8.400 ha zugenommen. Damit läge das Bundesland in der Mehrung an Platz 2 aller Bundesländer. Sicherung und Stabilisierung der Wälder seien auch Grundvoraussetzung der Forstwirtschaft bei der Anpassung an den Klimawandel und an zu erwartende Häufungen von Klimaextremen und Insektengradationen: „Was uns im schlechtesten Fall erwartet, wenn diese Notwendigkeiten nicht erfüllt werden, kann man in der Colbitz-Letzlinger-Heide sehen, wo großflächig Waldlebensräume komplett abgestorben und zerstört sind und mühevoll mit großem Aufwand wiederhergestellt werden müssen.“
Die Forstwirtschaft habe seit Jahrhunderten verstanden, dass stetes Streben, Verbessern und Beobachten die Grundlage für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder seien, in welcher die Holznutzung problemlos neben integriertem Waldnaturschutz stehe und die anderen Waldfunktionen neben dem Bildungsauftrag und dem Tourismus nicht aus dem Auge verloren würden.


Nach einer regen Diskussion mit der Staatssekretärin und vielen bilateralen Gesprächen bei einem deftigen gemeinsamen Abendessen, neigte sich der Abend dem Ende entgegen.