11. September 2014
Noch kein Ende der verkehrspolitischen Blockade in Sicht
Veranstaltung der Sektion Dithmarschen im Hotel "Zur Linde"
„Conjestion Surcharge“ oder auch eine Verzögerungszulage bedroht nicht nur die Marktposition unserer norddeutschen Spediteure, sondern die gesamte Wirtschaft und die Bürger als Konsequenz aus den verkehrspolitischen Versäumnissen der letzten Jahrzehnte.
v.l. Rickmer Topf (Sprecher der B5-Initiative Infrastruktur Vestkysten); Sektionssprecher Knut Frisch, Rainer Bruns (Sprecher der Inititative A20 - sofort!) und Harald Ertel (Fr. A. Kruse - Internationale Spedition e.K.)

Hierzu erläuterte Harald Ertel von der Spedition Kruse bei der Sektion Dithmarschen im Hotel Zur Linde, wie der bis zum Jahr 2023 absehbare Stau das logistische Getriebe treffen wird. Verpasse ein Transport das Ladefenster beim Empfänger, müsse er auf den nächsten freien Slot warten. Dabei operiere man heutzutage mit Sammelguttransporten und müsse Ruhezeiten beachten. Mit anderen Worten: Aufgrund einer 90-minütigen Verzögerung verliere das Speditionsunternehmen häufig einen gesamten Arbeitstag.

 

Durch vermehrte Leerfahrten, größere Lagerplätze und erhöhte Flexibilitäten müsse man sich auf die neue Situation einstellen. Am Ende verteuere sich die Warenanlieferung insbesondere für die Betriebe und Handelsunternehmen nördlich der Elbe. Ertel forderte die Förderung von Fährverkehren und eine Überprüfung des Sonntagsfahrverbots. Daß die Landesregierung gerade eine Verschärfung der Ausnahmen von diesem Verbot vorgenommen habe, zeige deutlich, wie wenig man sich über die Brisanz der Situation bewußt sei.

 

 

Rickmer Topf, der vor zehn Jahren die Initiative  Infrastruktur Vestkysten/Westküste e.V. für den Ausbau der B 5 zusammen mit deutschen und dänischen Partnern auf die Beine gebracht hatte, konnte wenig Entlastendes beisteuern. Im Gegenteil: Im Jahr 2014 habe das Land Schleswig-Holstein keinen Meter Straße planfestgestellt – und der dringend notwendige Ausbau der B 5 nördlich von Husum sei inzwischen beerdigt, obgleich er im Koalitionsvertrag stehen würde.

 

Bereits jetzt sei die Höchstgeschwindigkeit aufgrund der Straßenqualität auf 60 km/h abgesenkt worden und die Fahrbahndecke der unfallträchtigen Strecke an verschiedenen Stellen abgesackt. Die Wirtschaft habe 300.000 Euro gesammelt, um die Planung des Landes voranzutreiben, aber das Land habe nicht planfestgestellt. Verkehrsminister Meyer sei ein Ankündigungsminister, der Geld vom Bund fordert, obgleich sein Haus noch nicht einmal in der Lage sei, die für die Mittelverwendung zwingende Planung voranzubringen. Eine redundante Ausweichstrecke zur A 7 werde die B 5 jedenfalls in den nächsten Jahren nicht darstellen können.

 

 

Rainer Bruns, Vorsitzender der Volksinitiative 'A20 - sofort!', konnte in seinem anschließenden Vortrag zeigen, daß das Versagen der Landesregierung sich schon seit Jahrzehnten durchzieht. Bereits im Jahr 1977 habe sich eine namhafte Initiative für die A 20 eingesetzt. Seitdem hätten sich mit Ausnahme der Phase der beiden Verkehrsminister Dr. Bernd Rohwer (SPD) und Dietrich Austermann (CDU) nichts im Land bewegt. Umso gravierender sei jetzt der Planungsstau. Aber anstelle der dringend notwendigen Maßnahmen versuche die aktuelle Landesregierung den Erfolg der Volkszählung durch Aussitzen abzuwehren, weil die Grünen die Blockade der A 20 im Koalitionsvertrag festgeschrieben hätten.

 

Sektionssprecher Knut Frisch merkte abschließend an, daß die Holländer einen Tunnel innerhalb von 18 Monaten fertigstellen könnten, während man für die Elbquerung mit nicht weniger als 8 Jahren rechnen müsse. Ohne einen massiven politischen Einsatz für eine Beschleunigung der A 20-Planung werde der Standort Schleswig-Holstein mit einer gravierenden Abwertung der Perspektiven rechnen müssen. 

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
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