24. Januar 2017
Nicht weniger, sondern mehr Globalisierung
Gastkommentar im Handelsblatt

Wenn unerfreuliche Realitäten nicht akzeptiert werden wollen, müssen die Erklärungen dafür zurechtgebogen, die Schuldigen gleich mitgeliefert werden. Eines dieser "postfaktischen" Erklärungsmuster: An den jüngsten politischen Verwerfungen sei die Globalisierung schuld. Wie es gerade passt, werden Unzufriedene in die Schublade "Globalisierungsverlierer" und so als Opfer einer bösen Weltwirtschaft in das eigene linke Weltbild eingeordnet. Sind aber Trump-Anhänger in den USA, Brexit-Befürworter in Großbritannien oder AfD-Wähler überhaupt Verlierer? Die Einkommensanalysen belegen das so pauschal nicht. Auch der höhere Anteil von Arbeitslosen unter den jeweiligen Protestwählern besagt wenig, weil diese eher für jedweden Denkzettel gegen "die da oben" motivierbar sind. In Deutschland wählten Protestwähler bisher überproportional Linke, dann kurz Piraten und jetzt eben AfD.


Arbeitslose Stahlarbeiter in Pennsylvania wurden vor und nach der US-Wahl gerne zitiert. Es ist zu einfach, für ihr Schicksal allein die Globalisierung verantwortlich zu machen. Trotzdem benutzte Donald Trump diese Argumente und gewann damit entscheidende Stimmen in Swing-States. Wesentlich entscheidender dürfte dort jedoch die durch die Demokraten verantwortete Politik in Washington und in diesen Einzelstaaten sein. Und das in allen Wahlkämpfen wichtigere Thema Zuwanderung kann auch nicht unterschlagen werden.


Betrachten wir aber die Positivbilanz der Globalisierung: Wirtschaftswachstum und Volkseinkommen in Industrieländern steigen weiter beständig. Der Wohlstand weltweit erhöht sich durch hohe Wachstumsraten in Schwellenländern wie auch vielen Entwicklungsländern. Dadurch verbreitern sich Mittelschichten. Analphabetismus und Kindersterblichkeit verringern sich.


Und das Wichtigste: Der Anteil der Hungernden weltweit sinkt trotz Bevölkerungswachstums beständig. Das führt bei Hilfsorganisationen zu einer Verlagerung weg von kurzfristigen Hungerhilfen hin zu mehr nachhaltigen Bildungs- und Aufbauprogrammen. Eigentlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Doch einzelne wie Oxfam hindert dies nicht daran, eine Ausbeutung des ärmeren Südens durch die "Reichen" in den Nationen des Nordens zu unterstellen. Unwissenschaftlich wurden Eigentümer von Bankkonten und Unternehmensanteilen mit Menschen ohne Bankkonten verglichen. Sonstiger Besitz wie Rentenansprüche oder auch nur Weiderechte und Fischerboote blieben dagegen unberücksichtigt. Solchen plumpen Schablonen kann man nur auf Grundlage von Fakten entgegnen: Nicht weniger, sondern mehr Globalisierung und Handel bieten Menschen Aufstiegschancen und Wohlstand - überall auf der Erde.

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