20. Februar 2017
Podiumsdiskussion der Sektion Nordfriesland
Nicht jeder ist in der digitalen Welt angekommen
Digitalisierung im Tourismus - dazu hatte die Sektion Nordfriesland des Wirtschaftsrates Experten in das Hotel Altes Gymnasium eingeladen. Weitermachen wie bisher? Lieber nicht.
v.l. Frank Ketter, Roland Schwecke und Matthias Drespling (Foto: Wirtschaftsrat)

Unternehmen seien stark gefordert, sich den spezifischen Entwicklungen in ihrer Branche zu stellen. Das gelte auch für den Tourismussektor. „Nicht jeder ist in der digitalen Welt angekommen“, sagt dazu Matthias Drespling, Vizepräsident des Holstein (DEHOGA). Immerhin sei aber Schleswig-Holstein Vorreiter in der zentralen Erfassung aller relevanten Hotels.

Nicht jedem Betrieb falle es jedoch leicht, sich da einzubringen, brachte Roland Schwecke, geschäftsführender Gesellschafter der DICON Marketing- und Beratungsgesellschaft aus Berlin, vor. Er selbst stamme aus einem Hotelhaushalt und wisse, wie eng die finanzielle Aufstellung vieler Betriebe sei. Viele seien betriebswirtschaftlich gar nicht mehr sinn voll zu führen: Gute und teure Hotels nicht, weil sie von Interessensgemeinschaften als Abschreibungsobjekte geführt werden, viele Kleinbetriebe nicht, weil sie nur existieren könnten, indem die Inhaber sie selbstausbeuterisch weiterbetreiben würden. „Da ist vieles im Argen“, so Schwecke. Oft sei die Bettenzahl in Schleswig-Holstein zu gering, das Betriebsergebnis eines Kleinbetriebes läge durchschnittlich bei 70.000 Euro – zu wenig, um investieren zu können.

 

Eine digitale Transformation würde eine zusätzliche Belastung bedeuten. Aber auch eine Chance. Denn die Investition in die digitale Welt habe Einfluß auf die Leistung des Betriebes, auf seine Service-Qualität, auf den Preis und auf den Kunden. Hotelmanagement 4.0 bedeute den Einsatz neuester Techniken. Beispielsweise könne die Rezeption bereits anhand der Handyortung des Gastes genau erkennen, wann er das Haus betreten werde. So könne er gleich mit seinem Namen empfangen und auf seine Bedürfnisse schon vorab eingegangen werden. Bei der Umsetzung der digitalen Welt sei allerdings auch die Politik gefragt, so Schwecke: Netzausbau, WLAN, Forschung, Förderungen – in diesen Punkten sei das Land gefordert.

Frank Ketter, Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Servicegesellschaft aus Husum, setzt seine Schwerpunkte bei den Kleinvermietern. Als wichtig empfinde er, die Wertschöpfung in der Region zu lassen. Deshalb seien große Plattformen wie booking.com nicht interessant. Er setze vielmehr auf Casamundo oder HLS. „Die Provisionen gehen an die jeweiligen Tourismusorganisationen vor Ort“, so Ketter, so sei man sehr erfolgreich in der Fläche. Sein Hinweis allerdings: „Ohne WLAN geht nichts.“ Das sei heute ein Mindeststandard. Auch Kleinvermieter sollten sich der Digitalisierung stellen und so den direkten Kontakt zum Kunden noch mehr pflegen. Es würde sich lohnen. /kp