20. Februar 2014
Neue Herausforderungen für den Wettbewerb im digitalen Informationsmarkt
Podiumsdiskussion des Landesverbandes am 20. Februar 2014 im Steigenberger Conti Hansa
v.l. Volker Thormählen (Direktor NDR-Landesfunkhaus SH); Moderator Reinhardt Hassenstein und Stephan Richter (Sprecher der Chefredakteure des sh:z) Foto: Wirtschaftsrat

Wie wird sich die Nutzung der traditionellen Medien wie Hörfunk, Fernsehen und Zeitung angesichts der stetig steigenden Nutzung des Online-Bereiches entwickeln? Die Eingangsfrage des Moderators Reinhardt Hassenstein an seine beiden Gäste beantworten diese unterschiedlich. Volker Thormählen, seit 30 Jahren im Fernsehen und im Radio zu Hause, blickt gelassen auf die künftige Entwicklung.

 

„Die Chancen scheinen mir größer als die Risiken“, stellt er fest. Vor jeder neuen Entwicklung wie CD, Internetradio oder spotify sei ihm prophezeit worden, das Ende des Hörfunks sei gekommen. Immer wieder seien die Hürden genommen worden, der NDR könne sich auf eine feste Plattform von Hörern verlassen. „Mir wird nicht bange“, so Thormählen, 80 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein hörten Radio und nutzten zusammen mit dem Fernsehen täglich 242 Minuten im Durch schnitt lineares Fernsehen und Hörfunk – viel mehr als noch vor zehn Jahren. Hinzu komme die Nutzung von Computern von ursprünglich 17 Minuten täglich im Jahr 2000 zu heute 108 Minuten am Tage.

 

Bange ist auch Stephan Richter nicht. Doch die grundsätzlich positive Einschätzung von Thormählen teilt er nicht: „Im Gegensatz zum öffentlichrechtlichen Hörfunk und Fernsehen müssen wir uns als Zeitung komplett selbst finanzieren“, merkt er an. Das Problem sei immer noch, dass mit dem Auftritt im Internet kein oder kaum Geld verdient werde. Gerade einmal zwei Prozent der Umsatzrendite fielen in der Medienholding auf den Onlinebereich. Qualität im Internet zu erreichen, sei schwer. „In der Praxis zählt der Klick“, so Richter. Aber die 20.000 Digitalabos seien nur mit Qualität zu füllen, weil eine starke Printmarke im Hintergrund stehe. Und so stelle sich die Frage, ob die Bevölkerung nicht eine Grundversorgung an Meinungen brauche, die nicht über Werbung finanziert werden müssten.

 

„Da müsste eine gesamtgesellschaftliche Debatte geführt werden“, ist sich Richter sicher. Doch der Online-Bereich sei da und nicht mehr wegzudenken. Vollkommen frei werde agiert – mit vielen Risiken, gibt Moderator Reinhardt Hassenstein zu bedenken. Gibt es Eingriffsmöglichkeiten über eine ordnungspolitische Macht, die Regelungen zum Schutz der Einzelnen aufstellen könnte? Thormählen: „Wie können wir mitspielen in einem Club, in dem wir nicht einmal Mitglied sind? Die Global Player sitzen in den USA und zahlen noch nicht einmal hier Steuern für die Umsatzerlöse, die hier realisiert werden.“

 

Auch Stephan Richter sieht Europa gefragt, dem Wildwuchs im Netz und der Abhängigkeit von nur einer Handvoll Anbieter wie beispielsweise Google, Facebook und Amazon Einhalt zu gebieten. „Langsam merken die Menschen, daß sie von diesen Anbietern immer mehr abhängig werden“, so Richter, der auch auf den aktuellen Kauf von What'sApp durch Facebook aufmerksam macht. „Die Kostenlos-Kultur benebelt“, ergänzt Thormählen. Qualität gäbe es im Markt nicht umsonst. Der Konsument habe ein Recht darauf, dass die Nachricht – auch wenn sie ein flüchtiges Gut sei – stimme und fundiert recherchiert sei. Aber der Konsument werde auch entscheiden, was ihm das wert sei.

 

Dann lasse sich auch mit der Nachricht in Zukunft Geld verdienen. Mit einem Grundoptimismus neuen Herausforderungen begegnen, dieses Motto findet trotz unterschiedlicher Voraussetzungen schließlich auf beiden Seiten des Podiums Zustimmung. Anregungen aus dem Publikum kommen vom Internetfachmann Steinbrinck: „Wir schaffen es immer nur, durch das Internet geschaffene Probleme von Fall zu Fall anzugehen. Doch dabei ist das Problem viel globaler. Unsere Gesellschaft muss sich damit auseinandersetzen und ihre Bequemlichkeit ablegen.“ Und Klaus Buß, Innenminister des Landes a.D.: „Eine aufgeklärte Gesellschaft kann auf Dauer nicht hinnehmen, dass das Internet weiterhin ein fast rechtsfreier Raum bleibt.“ Beides spricht für eine vertiefte, gesellschaftspolitische Debatte zu den laufenden Veränderungen im Informationsmarkt. KP