27. September 2017
Neue Ausbildungsbilder im Gesundheits- und Sozialbereich
Der Erfolg der sächsischen Wirtschaft entwickelt sich mit leistungsfähigen Fachkräften - die Gesunderhaltung der Mitarbeiter bis ins hohe Alter stellt jedes Unternehmen angesichts der demografischen Strukturen in Sachsen vor besondere Anforderungen.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es moderner Ausbildungskonzepte, nicht zuletzt, um die sich steigender Bürokratie ausgesetzten Ärzte und Führungskräfte im Sozialbereich zu entlasten. Was konkret unter den Begriffen NäPa, EVA und VERAH zu
verstehen ist und inwiefern der Gesundheitssektor davon profitieren soll, konnten unsere Mitglieder und Gäste an der Berufsakademie in Plauen erfahren.
v.l.n.r.: Alexandra Glied, Sprecherin der Sektion Vogtland; Prof. Dr. Lutz Neumann, Direktor der Staatlichen Studienakademie Plauen; Jürgen Hommel, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (Foto: Wirtschaftsrat)

Als fachkundige Referenten bereicherten Jürgen Hommel, Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz als auch der Direktor und Hausherr der Staatlichen Studienakademie Plauen, Prof. Dr. Lutz Neumann, unseren Abend.

 

Herr Hommel ging auf die Punkte „Ärztliche Versorgung“, „Delegation und Substitution von ärztlichen Leistungen auf nicht-ärztliches Personal“, „Akademisierung von Ausbildungsbildern im Gesundheitswesen“ und insbesondere auf die „MTA-Ausbildung“ (medizinisch technische Assistenten) ein. In Sachsen wächst die Zahl der berufstätigen Ärzte im stationären Bereich stärker als im ambulanten. In naher Zukunft werden altersbedingt aber viele Ärzte aus dem Berufsleben ausscheiden und aufgrund der höheren Lebenserwartung immer mehr ältere, multimorbide Personen ärztlich zu versorgen sein. Diese Lücke gilt es auszugleichen. Da kommen Ausbildungsbilder, wie die sog. NäPa (Nicht-ärztliche Praxisassistenten) in Frage, deren Anzahl 2016 in Sachsen gerade einmal 336 betrug. Die Tendenz ist aber steigend. Um leitende Funktionen (Pflegeleitung etc.) in sächsischen Gesundheitseinrichtungen zu übernehmen, bedarf es, von vielen Kliniken gefordert, mehr akademisch geschulten Personals. Diese „Akademisierung“ könnten z.B. die Berufsakademien übernehmen, was aber derzeit daran scheitert, dass diese in Sachsen (noch) nicht als duale Hochschule anerkannt sind. Dem MTA-Bedarf stehen momentan ebenfalls zu wenige Ausbildungsanfänger gegenüber. Es gilt folglich ebenso, zur Steigerung für die im ländlichen Raum rückläufige Zahl der Hausärzte (Unis im Aufnahmeverfahren gefordert) als auch für „assistierende“ Fachkräfte zu sorgen, da aufgrund des medizintechnischen Fortschrittes auch hier ein personelles Defizit besteht. Zudem verlassen ca. 20 Prozent der Medizinstudenten nach ihrem Studium den Freistaat Sachsen wieder. Hierbei wird aber bereits an Anreizsystemen gearbeitet, diese jungen Ärzte in Sachsen zu halten.

 

Prof. Dr. Neumann stellte das in den USA bereits 40 Jahre existente und sich an der BA Plauen im Pilotversuch befindliche Ausbildungsbild „Physician Assistant“ vor. Dieses BA-Studium wird mit einem Bachelor-Grad abgeschlossen und derzeit BA-extern gestiftet. Voraussetzung für diese Ausbildung ist eine bereits abgeschlossene 3-jährige Ausbildung in einem Gesundheitsberuf. Die Ärzte können an einen fertig studierten Physician Assistant viele ärztliche aber auch administrative Aufgaben delegieren. Dieses Ausbildungsbild soll genau die vorhandene Personallücke im Gesundheits- und Sozialbereich füllen helfen – wird vorerst eher im stationären Bereich zum Einsatz kommen und ist auf den ambulanten Bereich ausweitbar. Im Jahr 2018 werden ca. 20 Absolventen die Berufsakademie verlassen.

 

Wir danken Herrn Prof. Dr. Neumann, Herrn Hommel sowie allen Diskutanten für den bereichernden Abend.

VIP-Lounge Exklusiv für Mitglieder
Die Präsentation von Jürgen Hommel, Referatsleiter für Grundsatzangelegenheiten der Abteilung Heilberuferecht und Pharmazie im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, zum Thema „Neue Entwicklungen bei Gesundheits- und Pflegeberufen“ können Mitglieder hier exklusiv herunterladen.