21. November 2012
Neue Anforderungen an die Weiterbildung durch die demografische Entwicklung
Aus Sicht der Landesfachkommission Bildung ist die enge Verbindung der Entwicklung Erwerbsloser und Absolventen von allgemeinbildenden Schulen sowie der Hoch- und Fachschulen mit der Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen als wesentliche neue Anforderung an die Weiterbildung zur Sicherung von Fachkräften zu sehen.
Fachtagung der Landesfachkommission Bildung des Wirtschaftsrates der CDU e.V., Landesverband Sachsen-Anhalt am 21.11.2012 im IHK Bildungszentrum Halle-Dessau

Seit Jahren begleitet uns die Erkenntnis, dass mit der demografischen Entwicklung Veränderungsprozesse einhergehen müssen, die dem Produktivitätsproblem, als ökonomischen Kern der Herausforderung dieser Entwicklung, entgegen wirken. Wenn wir in Betracht ziehen, dass derzeit in Deutschland etwa 41 Millionen Menschen ungefähr genau so viele Menschen mit ihrem Einkommen versorgen, wird das im Jahr 2050 nur noch ein Drittel der Bevölkerung realisieren können. Das bedeutet, dass dieses Drittel hochproduktiv arbeiten muss, um zwei Drittel der Bevölkerung zu versorgen und das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nicht sinken zu lassen.


In der Produktivitätssteigerung kann eine Lösung liegen. Aus unserer Sicht bieten sich interessante Ansätze, die jedoch in vielen Bereichen ein generelles Umdenken und sowohl technische als auch soziale Innovationen erfordern. Mit den sozialen Innovationen haben sich die Teilnehmer der Fachtagung in ihrer Diskussion kritisch auseinander gesetzt und dabei die Weiterbildung von in Unternehmen beschäftigten Mitarbeitern sowie die Potentialerhöhung durch die Gewinnung zusätzlicher Mitarbeiter fokussiert.


Weiterbildung und Entwicklung von in Unternehmen beschäftigten Mitarbeitern muss künftig individueller und bedarfsgerechter erfolgen und kann sich nicht mehr nur auf die Vermittlung von fachlich relevanten Fakten beschränken. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen gezielt auf neue Aufgaben, wie z.B. die Arbeit mit Migranten, mit Langzeitarbeitslosen vorbereitet werden. Die Bereitschaft, sich mit anderen Kulturen, Werten und Qualifikationen auseinanderzusetzen, diese zu akzeptieren muss entwickelt, gefördert und gefordert werden. Hier erwächst sich die bisher unternehmensbezogene Verantwortung zur wirtschaftspolitischen Aufgabe, nämlich Integration mit der Aufwertung von Fähigkeiten zu verbinden.


Auch die Gestaltung der Berufsausbildung wird in Unternehmen eine andere Qualität erreichen. Zwar gilt unser System im internationalen Maßstab als vorbildlich und wird weithin als Basis des Technologievorsprungs gesehen, jedoch sind die Anforderungen so hoch, dass etwa 300.000 Jugendliche im Übergangssystem ausgebildet werden. Es zeichnet sich auch hier die Notwendigkeit ab, sich auf die Schulabgänger neu einzustellen. Anders als vor noch wenigen Jahren, ist es erforderlich, mit Absolventen der allgemeinbildenden Schulen zu arbeiten, die geringere Voraussetzungen für eine Berufsausbildung mitbringen. Die Gewinnung von ausbildungsbereiten Jugendlichen beginnt für Unternehmen demnach schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt und geht künftig über die bisher bekannten Schülerpraktika und Firmenpräsentationen in den Schulen weit hinaus.


Die neuen Anforderungen an die Weiterbildung zu erfüllen, bedeutet für die Anbieter von Bildungsdienstleistungen, Qualifizierungsangebote zu entwickeln, die den Bedarfen des Marktes entsprechen. Erwerbslose werden verstärkt die wichtigsten Quellen für die Deckung des Fachkräftebedarfs. Mit dem Rückgang der Arbeitslosigkeit ist eine Verschlechterung der Lern- und Integrationsvoraussetzungen verbunden. Für Anbieter von Bildungsleistungen heißt das vor allem, dass Qualifizierungsangebote verstärkt auf völlig unterschiedliche Ausgangsniveaus und Anforderungen der Arbeitgeber entwickelt werden müssen. Priorität erhält die Individualisierung der Weiterbildung mit dem Ziel, vorhandene Mitarbeiter für anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben zu befähigen. Erwachsenengerechtes Lernen und die Lernkultur in der Weiterbildung werden sich neuen Anforderungen stellen müssen.


Lernende übernehmen mehr und mehr selbst Verantwortung für ihr Lernen, Lehrende werden zu Lernbegleitern und Moderatoren. Veränderte Methoden ermöglichen eigenaktives und selbstverantwortliches Lernen, es kommen vielfältige Medien zum Einsatz, nicht zuletzt lösen beispielsweise Bibliotheken, Museen, virtuelle Lernräume und auch der Arbeitsplatz die klassischen Seminar- und Unterrichtsräume immer häufiger ab. Die Erfordernisse des Marktes zu erkennen und darauf zu reagieren, stellt hier eine neue Herausforderung dar.

Aus Sicht der Landesfachkommission Bildung des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Wirtschaftsrates der CDU e.V. ist die enge Verbindung der Entwicklung Erwerbsloser und Absolventen von allgemeinbildenden Schulen sowie der Hoch- und Fachschulen mit der Personal- und Organisationsentwicklung in Unternehmen als wesentliche neue Anforderung an die Weiterbildung zur Sicherung von Fachkräften zu sehen.