16. Mai 2018
Sektion Pinneberg besichtigt die XFEL in Schenefeld
Milliardenprojekt als Motor für Forschung und StartUps
Die weltweit einmalige Forschungseinrichtung European XFEL in Schenefeld war das Ziel der Mitglieder der Sektion Pinneberg. „Ausgründungen aus der Exzellenz forschung“ – unter dieser Überschrift stand der Informationsbesuch der von zwölf europäischen Ländern getragenen Einrichtung, die nach einer Planungs- und Bauzeit von über einem Jahrzehnt im September 2017 eröffnet wurde.
XFEL-Geschäftsführer Prof. Dr. Robert Feidenhans'l (rechts vorn) informierte über die Chancen für Wissenschaftler aus aller Welt durch die supraleitende Beschleunigungstechnologie / Foto: Holger Hartwig

Bevor es tief in den Untergrund in die Experimentierhalle und in den 3,4 Kilometer langen Forschungstunnel ging – dieser reicht vom Deutschen Elektronen-Synchrotron Zentrum DESY in Hamburg-Bahrenfeld bis nach Schenefeld –, informierte Professor Dr. Robert Feidenhans’l,
Geschäftsführer und Vorsitzender des XFEL-Projektes, über Möglichkeiten, die sich für Wissenschaftler aus der gesamten Welt durch die neue supraleitende Beschleunigungs-technologie ergeben. „Wir können hier sehr intensive und ultrakurze Röntgenblitze für die Erforschung von atomaren Strukturen und dynamischen Prozessen erzeugen.“ Das Einsatzgebiet der Röntgenstrahlungsquelle, die 27.000 Lichtblitze pro Sekunde schafft und von Forschern aus aller Welt genutzt wird, seien vielfältig und umfassen die Bereiche Biologie, Medizin, Pharmazie, Chemie, Materialwissenschaften, Physik, Astrophysik, Energieforschung, Umweltforschung, Elektronik, Nanotechnologie und Photonik. Feidenhans’l: „Es ist möglich, atomare Details beispielsweise von Viren und Zellen zu entschlüsseln oder dreidimensionale Aufnahmen von Nanostrukturen zu machen. Wir werden so die Entstehung neuer Materialien verstehen und beeinflussen können, die Struktur von Biomolekülen aufklären und mit diesem Wissen bessere Medikamente ohne Nebenwirkungen entwickeln können.“ Aktuell seien in Schenefeld etwa 400 Menschen bei XFEL beschäftigt, und in den nächsten Jahren sollen in Ergänzung zu dem heutigen Forschungszentrum, in das bereits 1,5 Milliarden Euro investiert wurde, ein Gästehaus und eine Kantine entstehen.

Im zweiten Teil des Besuchs ging es um die Frage, wie aus den Forschungen von XFEL und DESY, das bereits seit 1959 für Spitzenforschung in der Hansestadt bekannt ist, Impulse für neue Unternehmen entstehen können. Dr. Christina Claßen und Denny Droßmann, beim
DESY für den Bereich Innovation und Technology-Transfer, berichteten über die Aktivitäten zur Unterstützung junger Wissenschaftler. Ziel ist es, Starthilfe zu geben, um aus gewonnenen Erkenntnissen marktfähige Produkte und damit DESY zu einer Wiege für neue Unternehmen
zu machen. Droßmann: „Wir wollen mit unserer Technologie-Transferstelle das StartUp-Denken der Wissenschaftler forcieren und so Ausgründungen aus der Exzellenzforschung ermöglichen“.

Aktuell seien fünf StartUps aktiv. Dr. Claßen: „Unsere Beratung und Unterstützung reicht von Schulungen in kaufmännischen Fragen über Workshops bis hin zu gezielten Treffen, bei denen Wissenschaftler und Kaufleute zusammengebracht werden.“ Pinnebergs Sektionssprecher Jens Sander zog eine positive Bilanz des Besuches. Hatte er in seiner Begrüßung die Frage aufgeworfen, ob es gelingen könne, XFEL zur norddeutschen Variante des erfolgreichen Forschungszentrums Garching bei München mit vielen innovativen Unternehmen zu machen, zeigte er sich am Ende überzeugt von den guten Möglichkeiten der unternehmerischen Wertschöpfung, die sich für die Region ergeben könnten./Holger Hartwig