07. April 2015
Magdeburger Sicherheitsforum 2015 - Unternehmenssicherheit - nationale und globale Herausforderungen!
Cyber-Attacken - Wirtschaftsspionage - Schützen Sie Ihre Kronjuwelen!
Holger Münch, Präsident, Bundeskriminalamt, Wiesbaden - Foto: Wirtschaftsrat

Auch wenn Deutschland zu den sichersten Ländern der Erde gehört, sind die Gefahren für die deutsche Wirtschaft allgegenwärtig. Kriminelle Angriffe, vor allem auch auf klein- und mittel-ständische Betriebe, führen jährlich zu Millionenschäden. Sicherheits- und Kriminalprävention schützt vor Verlusten und sichert langfristig Effizienz und wirtschaftlichen Erfolg.
Nahezu jedes dritte Unternehmen in Deutschland verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren IT-Sicherheitsvorfälle. Um Haftungsrisiken wirkungsvoll zu begegnen, bedarf es nicht nur technischer Vorkehrungen sondern auch einer entsprechenden Unternehmenskultur.
Die Grußworte zur Beginn der Veranstaltung wurden von Michael A. Hoffmann, Sektionssprecher der Sektion Magdeburg des Wirtschaftsrates Sachsen-Anhalt und Dr. Michael Moeskes, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Sachsen-Anhalt, gesprochen.
In seinem Vortrag betonte der Chef des Bundeskriminalamtes, Herr Holger Münch, dass es sich bei Cyber-Attacken längst nicht mehr um Einzelfälle handelt. Allein das Landeskriminalamt in Sachsen-Anhalt zählte 1.500 Fälle. Da aber nur etwa neun Prozent der Fälle zur Anzeige gebracht werden, ist die Dunkelziffer weitaus höher. Holger Münch möchte deshalb alle Unternehmer des Landes für diese Problematik sensibilisieren. Er berichtete über Fälle, in denen es vorgekommen sei, dass eine chinesische Besuchergruppe einen USB-Stick hinterlassen habe. Dieser wurde achtlos an den Computern genutzt. Das hatte zur Folge, dass Schadsoftware ins Firmennetzwerk gelangte und Daten gestohlen wurden.

Thomas Klausnitzer, Referent Wirtschaftsschutz, Bundesamt für Verfassungsschutz, Köln - Foto: Wirtschaftsrat

Thomas Klausnitzer, Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, referierte zum Thema „Wirtschaftsspionage - Schützen Sie Ihre Kronjuwelen!“. Hier wurde sehr
deutlich, dass der Forschungs- und Industriestandort Deutschland seit Jahren im Fokus fremder Nachrichtendienste stehe und das ein besonderes Augenmerk auf diese Tatsache gelenkt werden müsse.
Wirtschaftsspionage hat zu allen Zeiten, auch im Zeichen der momentanen Finanz- und Wirtschaftskrise, Konjunktur und wird auch von nicht „feindlichen“ Diensten angewandt. Gefährdet seien nicht nur Konzerne, die weltweit agierten, sondern gerade die KMU, sowie die Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen an den Standorten.
Besonders anwendungsorientierte Forschung sowie neue und zukunftsträchtige Technologien seien von Interesse für Fremde Nachrichtendienste. Die Informationsbeschaffung fremder Nachrichtendienste - insbesondere der VR China sowie der Russischen Föderation - erfolgten mit Mitteln und Methoden der offenen sowie der geheimen Nachrichtenbeschaffung.


Im folgenden Impulsvortrag von Marius Münstermann, ROHDE & SCHWARZ GmbH, zu „Vertraulichkeit und Manipulationsschutz für kritische Infrastrukturen und Produktionsumgebungen“ wurden die momentanen Mindeststandarts, bzw. die Möglichkeiten für gewährleistete Datensicherheit, auch bei Senden und Empfang dieser Daten thematisiert und an Beispielen von Produkten der Firma ROHDE & SCHWARZ GmbH, deutlich gemacht.
Innenminister Holger Stahlknecht hob in seinem Impulsvortrag zur „Die Sicherheitslage und aktuelle Anforderungen zur Sicherheitsprävention in den Unternehmen“ die bereits von Holger Münch genannten Punkte hervor und forderte alle Unternehmer, unabhängig ihrer Firmengröße, zu größter Vorsicht auf. Gleichzeitig betonte er, dass die Gesetzeslage zwar ausreiche, um mögliche Cyberverbrechen zu ahnden, es aber dadurch, dass diese Verbrechen zumeist aus dem Ausland begangen würden, für die Ermittler sehr schwer sei, erfolgreich zu handeln. Jedem, der auch nur den Anfangsverdacht habe, Opfer eines solchen Angriffes zu sein, empfahl er, sich sofort an die entsprechenden Behörden zu wenden, um schlimmeres zu verhindern.

v.l.n.r. Hartmut Carl, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, VSW Mitteldeutschland e.V., Sirko Scheffler, Vorsitzender der Landesfachkommission Internet und digitale Wirtschaft, Wirtschaftsrat, Landesverband Sachsen-Anhalt und Geschäftsführer, brain-scc GmbH, Merseburg, Holger Münch, Präsident, Bundeskriminalamt, Wiesbaden, Thomas Klausnitzer, Referent Wirtschaftsschutz, Bundesamt für Verfassungsschutz, Köln - Foto: Wirtschaftsrat

An der folgenden, sehr lebendigen, Podiumsdiskussion, an der neben den Referenten auch Sirko Scheffler, Vorsitzender der Landesfachkommission Internet und digitale Wirtschaft, Wirtschaftsrat Sachsen-Anhalt und Geschäftsführer der brain-scc GmbH, Merseburg, teilnahm, wurde die Problematik aus den verschiedenen Blickwinkeln nochmals beleuchtet.
Im Anschluss an die Veranstaltung fand noch ein Get-together in den schönen Räumen der Toepffervilla statt.