25. November 2016
Mittagsgespräch der Sektion Nordfriesland mit Besichtigung der ehemaligen Kaserne Stapelholm
Konversionskaserne Seeth: Ein Ort für die Wiederaufauschule für Flüchtlinge?
690 Seelen zählt die Gemeinde Seeth in der Landschaft Stapelholm in Nordfriesland. Für den auswärtigen Besucher bietet Seeth mit über 50 Reetdachhäusern ein vielfältiges und reizvolles Bild. Es gibt hier noch einen Krug, und: Seeth hat das älteste Storchennest des Landes. Eine Idylle also. Zur nächstgrößeren Stadt Husum sind es etwa 25 Kilometer.
v.l. Dr. Matthias Hüppauff, Dr. Bertram Zitscher, Astrid Damerow MdL, Steffen Volk, Andrea Timm-Mews und Dr. Martin Grundmann / Foto: Wirtschaftsrat


in Stück vor den Toren des Dorfes liegt die ehemalige Stapelholmer Kaserne, eine Liegen-schaft großen Ausmaßes. 64 Gebäude mit Unterkunfts-, Lehrsaal-, Büro-, Werkstatt- und Lagerkapazitäten, mit Kfz-Hallen, einer Lkw-Waschanlage, Krananlagen, einer Tankstelle, einem Sanitätsgebäude, einer Hindernisbahn, einer Sporthalle, diversen Sportplätzen, einem intakten Straßennetz und sogar einem Hubschrauberlandeplatz. Die Bundeswehr hat den Standort zum Sommer 2015 aufgegeben. Direkt im Anschluß daran eröffnete das Land Schleswig-Holstein auf dem Kasernengelände eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbe-werber. Das Gelände steht zum Verkauf, Parzellierungen sind durchaus möglich.

Der Standort bietet als mögliches Konversionsprojekt also durchaus interessante Möglich-keiten und könnte beispielsweise als Standort für eine Wiederaufbauschule in Frage kommen, in der rückkehrwillige Flüchtlinge ausgebildet werden, um nach einer „Stunde Null“ in ihr Herkunftsland zurückzukehren und dort als Fachkraft zur Stabilisierung und zum Wiederaufbau tätig zu werden.

 

Dr. Martin Grundmann, Sektionsvorstand des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein in Nordfriesland, lud zum Ortstermin auf das Gelände. Ein Rundgang zeigte, daß die Kapazitäten enorm, die Möglichkeiten fast unbegrenzt sind. Und: Noch gibt es aufgrund der ehemaligen Erstaufnahmeeinrichtung einen Personalstamm von 75 Beschäftigten, deren Verträge bis Ende 2017 laufen und die sofort einsetzbar wären. Eine Chance, die nicht vertan werden sollte, so Landesgeschäftsführer Dr. Bertram Zitscher, der Unterstützung von Dr. Matthias Hüppauf, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland für diese Idee bekommt.

Das Startsignal für ein solches Projekt sollte jedoch vom Bund kommen, trug Astrid Damerow MdL (CDU) vor, auch, wenn Schleswig-Holstein gerne Vorreiter sein wolle. Unter den vornehmlich syrischen Flüchtlingen seien viele weniger qualifiziert als zunächst vermutet. 15.000 bis 17.000 Flüchtlinge aus Syrien seien aktuell in Schleswig-Holstein. Die meisten seien aber hochmotiviert, viele hätten eine Ausbildung angefangen oder fortgeführt.

 

Aber: „Die meisten möchten auch irgendwann zurück“, so Damerow. Deshalb sei eine Ausbildung hier immens wichtig, da sie diese bei der Rückkehr in ihr strukturell zerstörtes Heimatland nicht mehr vorfinden würden. Sie brauchten also ein Rüstzeug, handwerklich und verwaltungs-technisch. Je nach Land und Region könnten in der Kaserne mehrwöchige Schulungen beispielsweise in den Bereichen Staatsbürgerkunde, Infrastruktur, Finanzwesen, Medien oder Anti-Korruption stattfinden.

Denn viele Flüchtlinge kämen aus Feudalgesellschaften, europäische oder gar demokratische Werte seien da unbekannt. Integration ja, aber nicht gegen den Willen derer, die eher zurückkehren möchten in ihr Land, um es wieder aufzubauen und voranzubringen, so die einhellige Meinung der Teilnehmer. Seeth könnte da vorangehen und ein Beispiel geben. Die Wirtschaftsförderung ist da, die Ehrenamtler und die Verwaltung auch. Es könnte also funktionieren. Nun ist ein wenig Mut und Tatkraft gefragt. /kp