06. Oktober 2015
Sektion Nordfriesland
Kommunales Flüchtlingsmanagement: Basisversorgung ja, aber Kapazitätsengpässe für integrative Maßnahmen
Sektionssprecher Dr. Martin Grundmann hat am 06.10.2015 den Bürgermeister der Stadt Husum sowie den Integrationsbeauftragten des Kreises um einen Lagebericht gebeten zum Flüchtlingsmangement gebeten. Astrid Damerow MdL ergänzte als flüchtlingspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion zur Situation in Schleswig-Holstein.
Astrid Damerow MdL: "Die Flüchtlingspolitik ist vielfach eine politische Gradwanderung!" / Foto: Wirtschaftsrat

Die beiden Vertreter der Verwaltung berichteten übereinstimmend, daß man alle Hände voll zu tun habe, die wichtigsten Dinge für die ständig steigenden Flüchtlingsankündigungen zu klären, insbesondere eine passable Unterbringung sowie ärztliche und amtliche Versorgung. Da die Prognosen in den letzten Wochen mehrfach drastisch nach oben korrigiert worden sind, fahre man auf Sicht. Bisher sei es weitgehend gelungen, die Flüchtlinge aufzunehmen und das werde auch noch bis zum Jahresende gelingen.

 

Sollte der Zustrom im kommenden Jahr so weitergehen, sei guter Rat teuer. Für weitergehende Maßnahmen wie die Versorgung mit Deutschkursen, eine Klärung der Arbeitsmarktchancen oder andere integrative Maßnahme gäbe es derzeit keine Kapazitäten. Hierzu berichtet Susanne Bommarius, Migrationsbeauftragte der Bundesagentur für Arbeit in Flensburg, vom laufenden Programm „early intervention“, das die Qualifikation von Flüchtlingen auf freiwilliger Basis erhebt, aufgrund der überwältigenden Zahlen aber von den Erstaufnahmeeinrichtungen auf eine dezentrale Erhebung umgestellt hat. Repräsentative Daten zu den Qualifikationsprofilen lägen jedenfalls noch nicht vor.

 

Neben einer Beschränkung auf Freiwillige habe man zur Kenntnis nehmen müssen, daß die Asylbewerber Angst haben, ihre Angaben bei der Bundesanstalt für Arbeit würden mit denen im Asylverfahren abgeglichen. Ein Unternehmer berichtete von einem syrischen Schweißer, der eine Beschäftigung hätte erhalten können, was aber am ortsüblichen Lohn für Schweißer gescheitert sei. Ohne Deutschkenntnisse sei seine Wertschöpfung nicht mit einem normalen Facharbeiter vergleichbar.

 

Einige Unternehmer, die in der Hoffnung nach Husum gereist waren, zukünftig arbeitsfähige Asylbewerber bei sich beschäftigen zu können, zeigten sich ernüchtert. Ohne Spracherwerb sei

eine Beschäftigung zu den herrschenden Rahmenbedingungen kaum möglich. Dennoch entstand der Eindruck, daß die Situation in Nordfriesland zwar angespannt, aber noch immer unter Kontrolle sei. Teilnehmer aus Hamburg bezeichneten die Verhältnisse im beschaulichen Nordfriesland als paradiesisch.

 

Die Metropole Hamburg ziehe neben den zugewiesenen auch unregistrierte Flüchtlinge an und solche, die nicht auf dem Land oder in der Erstaufnahme bleiben möchten und deshalb weiterziehen. BZ

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
Telefon: 0431/ 672075
Telefax: 0431/ 672076