25. Januar 2016
Klaus Harste sieht schwieriges Stahljahr 2016 voraus
Wolfgang Holzhauer fordert stahlkompetenten Manager für Völklinger und Dillinger Hütte
Dr. Klaus Harste, früher Vorstandschef der Saarstahl AG Völklingen, sieht für die europäische und deutsche Stahlindustrie ein schwieriges Jahr 2016 voraus.
Dr. Klaus Harste beim Wirtschaftsrats-Lunch in Völklingen (Foto: Wirtschaftsrat)

Beim Wirtschaftsrats-Lunch des Wirtschaftsrates Saarland sagte der Stahlmanager für Deutschland in diesem Jahr eine leicht sinkende Stahlproduktion von rund 40 Millionen Tonnen voraus: Der Wettbewerb in der EU werde vor allem durch wachsende Importe aus China noch stärker. Dort würden die Überkapazitäten auf über 400 Millionen Tonnen wachsen. Die Auslastung der Stahlkapazitäten würden weltweit bei 70 Prozent verharren. "Mit dieser Auslastung kann kein Stahlwerk wirtschaftlich leben!", unterstrich Harste. Deutschland komme immerhin noch auf eine Auslastung von 76 Prozent, im Saarland sollen es noch 90 Prozent sein. Europa komme zu Gute, dass es mehr Spezialitäten in den Markt bringen kann, doch brauche jeder auch Absatz beim Normalstahl.

 

Die deutschen Werke könnten auch in diesem Jahr auf eine gute Nachfrage der Stahlverarbeiter im Lande rechnen. Vor allem die Autoindustrie würde weiter große Mengen Stahl kaufen. Die Rohrindustrie werde dagegen angesichts der niedrigen Ölpreise eher zurückhaltend agieren, auch der Maschinenbau werde 2016 eher schwächer werden. Hierzulande würden die Importe, beispielsweise aus China, weiter steigen, die Exporte aber eher zurückgehen. Harste forderte von der EU-Kommission in der Stahlpolitik konsequenteren Schutz vor Dumpingangeboten aus den Drittländern. Leider sei Europa die einzige Gegend in der Welt, wo der Stahlmarkt offen sei. Überall sonst würden die Schutzmauern höher gezogen, was noch mehr Angebot nach Europa bringe. Deshalb könnten die Europäer nicht nur auf die Verbesserung der Qualität ihrer Stahlprodukte setzen, sondern müssten auch für die Verbesserung der wettbewerblichen Rahmenbedingungen setzen.Die Veranstaltung mit Klaus Harste fand im Völklinger Hotel Albrecht statt, unter der Leitung des Landesvorsitzenden Wolfgang Holzhauer. Dieser forderte die Besetzung des durch den überraschenden Abgang von Dr. Karlheinz Blessing frei gewordenen Posten der Vorstandschefs in Dillingen und Völklingen mit einem "stahlkompetenten Stahlmanager". Die SHS forderte er zur Selbstkritik auf.