18. Dezember 2017
Kein Exit vom Brexit
Botschafter Sir Sebastian Wood: Wirtschaft braucht Übergangsphase nach Brexit
„Wir verlassen die EU, aber nicht Europa. Wir werden unsere Beziehungen neu gestalten. Aber trotzdem müssen und werden wir Freunde bleiben.“ Dies sagte der britische Botschafter Sir Sebastian Wood am 31. Oktober 2016 beim Wirtschaftsrat Hamburg. Seitdem ist einiges passiert: Im März 2017 stellte Premierministerin May den Austrittsantrag, im Juni begannen die Austrittsverhandlungen der EU, dass die zweite Verhandlungsphase eingeläutet werden soll. Grund genug, Sir Sebastian Wood erneut für ein Zwischenfazit einzuladen.
Zu Gast beim Wirtschaftsrat: Der britische Botschafter Sir Sebastian Wood (Foto: Wirtschaftsrat)

Wood unterstrich direkt zu Beginn seines Vortrags, dass Großbritannien ein möglichst enges Verhältnis zur Europäischen Union anstrebe und es selbstverständlich sei, dass dazu nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten gehörten. Dabei dürften nicht einfach schon existierende Modelle zwischen der EU und anderen Drittstaaten kopiert werden, da Großbritannien und die EU bisher auf einem ganz anderen Level miteinander verbunden gewesen seien. Mit Inkrafttreten des Brexit werde Großbritannien über Nacht zum wichtigsten Handelspartner der EU und diesem Umstand müsse Rechnung getragen werden: „Die beste Lösung, so Wood, „wäre ein umfassendes Freihandelsabkommen, das möglichst weit reicht und sowohl Waren als auch Dienstleistungen umfasst.“ Am dringendsten sei es, sich auf eine Übergangsphase zu einigen, die der Wirtschaft die Sicherheit gebe, dass am Tag nach dem Brexit „mehr oder weniger alles beim Alten bleibt.“

 

Im Anschluss an den Vortrag nahm sich Sir Sebastian Wood viel Zeit, um die Fragen seiner Zuhörer zu beantworten. Die Wahrscheinlichkeit für einen Exit vom Brexit schätzte er dabei als äußerst gering ein. „Der letzte deutliche Beleg dafür war vielleicht die Wahl im Juni, bei der mehr als 80 Prozent der Wähler für die Konservativen oder für Labour gestimmt haben. Beide Parteien hatten vorher gesagt, dass der Brexit durchgeführt werden soll“, erläuterte Wood.

Impressionen
Claus Garbisch im Gespräch mit Janette Momsen
1 / 11

Dass der Brexit einen Nachahmungseffekt in anderen Staaten auslösen könnte, ist aus Sicht des britischen Botschafters nicht zu erwarten – und auch keinesfalls wünschenswert. Denn „für die britische Regierung ist ganz klar, dass das Ja zum Brexit spezifisch britische Gründe hatte und es auch in unserem Interesse ist, dass die EU nach dem Brexit so stark und erfolgreich wie möglich bleibt.“


Der Landesvorsitzende Dr. Henneke Lütgerath bedauerte den Austritt Großbritanniens und sagte: „Großbritannien war für die EU ein besonders wichtiges Mitglied, denn Großbritannien verkörperte eine gewisse Mischung von Pragmatismus und Staatsskepsis.“ Die EU dürfe sich nicht dazu hinreißen lassen, ein Mitglied, das den Ausstieg beschlossen habe, abzustrafen und sich dann selbst in einem Gefühl der Stärke zu wähnen. Denn von einem harten Brexit werde niemand profitieren.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
Telefon: 040/ 30381049
Telefax: 040/ 30381059