23. November 2017
Kaminabend mit der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange MdL
zum Thema: "Studienabschlüsse und Bedarf der Wirtschaft"
Man konnte in zufriedene Gesichter blicken, schaute man sich nach der Veranstaltung mit der Staatsministerin im Dresdner Hotel INNSIDE by Melia um. Der Grund für diese Zufriedenheit war der informative Vortrag der Staatsministerin Dr. Stange sowie die anschließende Diskussion über den Bedarf der sächsischen Wirtschaft an Absolventen von Hochschulen im Freistaat.
Foto: Wirtschaftsrat

Nach Auffassung des Wirtschaftsrates muss sich der Abschluss eines Studiums vor allem daran orientieren, ob die Absolventen aufgrund Ihres Fachwissens nahtlos in das Berufsleben einsteigen können. In Deutschland existieren ca. 17.700 Studienabschlüsse. Es gilt, sich vordergründig auf Studienabschlüsse zu konzentrieren, die nachhaltig volkswirtschaftlichen Mehrwert generieren.

 

Diese Ansichten wurden mit Vertretern Sächsischer Universitäten, Hochschulen und Berufsakademien sowie unseren Mitgliedsunternehmen diskutiert. Hier flossen die Themen Digitalisierung, Globalisierung und Demografie in den Diskussionsprozess ein. Wirtschaft und Ministerin stimmten darin überein, dass „Bildung“ das Zukunftsthema darstellt, wenn vom Mangel an Fachkräften die Rede ist. Zudem hängt die Innovationskraft, der in Sachsen meist mittelständischen Unternehmen, von der Beschäftigung gut ausgebildeter Fachkräfte ab.

Foto: Wirtschaftsrat

Die Staatsministerin machte in ihrem Vortrag vier Spannungsfelder aus, in denen sich die sächsische Hochschullandschaft derzeit bewegt. Danach ist der (manchmal kurzfristige) wirtschaftliche bzw. gesellschaftliche Fachkräftebedarf immer im Zusammenhang zu sehen mit 1) der Berufswahlfreiheit, 2) dem Gegensatz zwischen Hochschulautonomie und staatlicher Steuerung, 3) hinsichtlich langfristig angelegter Forschung und 4) in Bezug zur demografischen Entwicklung. Es gilt insgesamt, den künftigen Fachkräftebedarf frühzeitig zu erkennen, um mit einer Vorlaufzeit von ca. 5 Jahren, etwaige Studienangebote zu entwickeln, damit die (späteren) Absolventen, ihren Qualifikationen entsprechend, in das Berufsleben einsteigen können.

Die Staatsministerin Dr. Stange plädierte dafür, mit der Berufsorientierung bereits in der Oberschule bzw. im Gymnasium zu beginnen, die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder weiter zu verfolgen, die Autonomie der Hochschulen unter staatlicher Rahmensteuerung weiter zu stärken (Hochschul-Freiheitsgesetz), den Hochschulentwicklungsplan 2025 stringent zu verfolgen (kein Stellenabbau innerhalb von 8 Jahren) sowie im Rahmen der Sächsischen Fachkräfte-Allianz kein Talent zu verlieren.

Das Thema MINT-Orientierung ist ebenfalls in der Hochschulentwicklungsplanung 2025 fest geschrieben. Entsprechend soll Die MINT-Quote auf dem gegenwärtigen Stand von 44 Prozent gehalten werden. Die relativ hohe MINT-Abbrecherquote i.H.v. 33% solle durch eine gezielte Lenkung in eine entsprechende Berufsausbildung mit technischem Hintergrund aufgefangen werden. Eine Negativentwicklung in Sachsen sei jedoch das Fehlen von MINT-Lehrern und Dozenten. Dem impliziten Vorwurf, dass die Hochschulen „am Markt vorbei“ ausbilden, konterte die Ministerin mit der relativ geringen Akademiker-Arbeitslosenquote im Ostteil der Republik i.H.v. nur 3,3%. Folglich hätten Akademiker gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Für Verwerfungen am Arbeitsmarkt, die allzu oft mit „Generation Praktikum“ umschrieben werden, können die Hochschulen jedoch nicht verantwortlich gemacht werden. Hier sei die Wirtschaft gefragt – befristete Einstellungen sollten eher die Ausnahme denn die Regel sein.

Foto: Wirtschaftsrat

Letztlich habe sich die Holschuld der Ausbildungsstätten in eine Bringschuld der Unternehmer gewandelt, die verstärkt in Gymnasien und Hochschulen präsent sein sollten, wollen sie sich entsprechend qualifizierten Nachwuchs für ihr Unternehmen sichern. Dies kann erfolgsversprechend über bezahlte Praktika oder Trainee-Angebote erfolgen. Ferner gewinne die duale akademische Bildung in der Berufsakademie Sachsen zunehmend an Bedeutung, wenngleich diese Säule des tertiären Bildungssystems in Sachsen nicht, wie in Baden-Württemberg oder Thüringen, den Status „duale Hochschule“ erhalten werde. Die Berufsakademie Sachsen mit allen 7 Standorten verfüge über gerade einmal 4.300 Studenten (in Baden-Württemberg sind das ca. 50.000) und die Konkurrenz zu den 5 Hochschulen für angewandte Wissenschaften Sachsens solle vermieden werden. Auch unter Kostenaspekten ist der Status „duale Hochschule“ für die Berufsakademie Sachsen vorerst nicht vorgesehen. 

Aus der abschließenden Diskussion ging hervor, dass die Studiengänge im Freistaat schon allein aufgrund der Bachelor-/Masterumstellung mehr geworden sind, die Studienfächer jedoch bereits reduziert worden sind, um Doppelungen zu vermeiden. Die Ministerin stellte ebenfalls heraus, dass Studiengänge, die kaum Studenten anziehen oder von denen kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt erwachsen, relativ kurzfristig eingestellt werden. Bei einem Überangebot an Studenten und damit einher gehendem Dozentenmangel, haben die Hochschulen die Möglichkeit, einen Numerus Clausus einzuführen, um ein Gleichgewicht her zu stellen.

Wir danken der Staatsministerin Dr. Stange für Ihren aufschlussreichen Vortrag, die Klärung einiger uns umtreibender Themen und freuen uns, den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auch im kommenden Jahr fortzusetzen.