24. Mai 2018
Kamin-Abend mit Staatsministerin Barbara Klepsch
Das Gesundheitswesen gehört zur funktionierenden Infrastruktur und ist ausschlaggebend für die Arbeitswahl in Stadt oder Land. Im Bedarfsfall hat es entscheidenden Einfluss auf das Leistungsvermögen im Beruf. Wie wirksam und wirtschaftlich die gesundheitliche Versorgung stattfindet, liegt auch im unternehmerischen Interesse, zumal sie aus den Arbeitskosten finanziert wird. In ländlichen Regionen, wo die mittelständische Wirtschaft vorwiegend ansässig ist, verlangen Qualitäts- und Versorgungsdefizite umgehende Lösungen. Unsere Mitglieder und Gäste konnten diese Themen entsprechend mit der Sächsischen Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch, zum Kamin-Abend besprechen.
v.l.n.r.: Simone Hartmann, Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates Sachsen; Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach einer kurzen Stippvisite der Ministerin durch das Gesundheitswesen, kristallisierten sich als Herausforderungen vor allem der Ärztemangel in ländlichen Regionen, Telemedizin und zugenommene Bürokratie bei Ärzten und in der Pflege heraus. So bevorzugen junge Ärzte eher eine Anstellung in einem MVZ mit geregelten Arbeitszeiten gegenüber der Selbständigkeit mit hohem Verwaltungsaufwand. Zudem ist die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen innerhalb der letzten 8 Jahre kontinuierlich gestiegen – Pflegkräfte oder Angehörige sind vielerorts (auch finanziell) überfordert. Der Freistaat will dieses Problem u.a. mittels stärkerer Vernetzung und durch Pflegebudgets lösen.

 

Sinnvolle regionale Versorgungsstrukturen, die Entwicklung vertragsärztlichen Nachwuchses, die Entlastung der Vertragsärzte durch Assistenten, wie NÄPA, VERAH und EVA sowie die stärkere Kooperation der Sektoren sollen helfen, das Gesundheitssystem zukunftsfähig aufzustellen. Konkret sollen Stipendien unter verpflichtender Niederlassung im ländlichen Raum Medizinstudenten später dorthin locken. Nach wie vor ist es aber nötig, die Zulassungskriterien für angehende Medizinstudenten zu erleichtern. Die KV Sachsen hat vor diesem Hintergrund das Modellprojekt „Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen“ entwickelt (siehe: https://www.kvs-sachsen.de/aerztlicher-nachwuchs/abiturienten-medizinstudenten/modellprojekt/).

 

Der Wirtschaftsrat hat mehrere Positionen an die Staatsministerin heran getragen, welche auf unserer Homepage unter der Landesfachkommission Gesundheit und Pflege nachzulesen sind. Die Ministerin ging motiviert aus unserer Veranstaltung heraus, plädierte aber noch einmal für die Vorzüge ländlicher Gebiete als Lebensraum, was auch vom Publikum so gesehen wurde. Ein permanentes „Schlechtreden“ helfe ebenso wenig weiter, wie ein immer höher getriebenes Anspruchsdenken seitens der Patienten und seitens der meist gut entlohnten Ärzteschaft. Vor allem solle die Digitalisierung als Chance für Innovationen begriffen werden, wobei für die fortschreitende Telemedizin eine flächendeckende Internet-Bandbreite nötig sei, die sachsenweit derzeit noch nicht einheitlich vorliegt und deren Möglichkeiten auch seitens vieler (älterer) Ärzte noch nicht umfassen erkannt werden. Noch vor der inneren Sicherheit schätzten die Bürger die soziale Sicherheit, wozu vor allem ein gut funktionierendes Gesundheitssystem gehört. Dies zu garantieren, werde ein wahlentscheidendes Thema. Wir bedanken uns bei der Ministerin für den erkenntnisreichen Abend und freuen uns bereits heute auf unsere nächste Zusammenkunft.

(Foto: Wirtschaftsrat)