08. Oktober 2018
Kamin-Abend exklusiv mit Staatsminister Christian Piwarz MdL
Die Mitglieder des Wirtschaftsrates Sachsen hatten die Gelegenheit, mit dem sächsischen Kultusminister, Christian Piwarz MdL, hinsichtlich des „Rohstoffs“ Bildung ins Gespräch zu kommen.
Exzellente Bildung ist das Fundament für eine prosperierende Wirtschaft und Gesellschaft.
Christian Piwarz MdL, Kultusminister im Freistaat Sachsen (Foto: Wirtschaftsrat)

Auch wenn Sachsen im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft 2018 erneut den ersten Platz belegt, darf dieses Ergebnis nicht zur Selbstzufriedenheit führen. Die Probleme an den Schulen spüren die Unternehmen im gesunkenen Bildungsniveau der Absolventen. Noch immer können rund 10 % der Schulabgänger keinen Abschluss aufweisen. Nur ein kleiner Teil von ihnen lässt sich über Ausbildungsoffensiven in den Unternehmen für die künftige Mitarbeit gewinnen. Mit einem 1,7 Mrd. € schweren Bildungspaket versucht die Landesregierung jetzt, im Wettbewerb der Bundesländer um Lehrkräfte aufzuholen. In Sachsen sind aktuell noch 650 Lehrerstellen unbesetzt.

Der Staatsminister zeichnete ein umfassendes Bild über das Bildungssystem in Sachsen und stellte insbesondere auf den Unterschied zwischen gegliedertem Schulsystem und Gemeinschaftsschulsystem ab. Dabei unterstrich Christian Piwarz den Erfolg des sächsischen dreigliedrigen Schulsystems (Grundschule, Oberschule, Gymnasium ab 5. Klasse). Insbesondere die Oberschule sei als „Kern“ des Bildungssystems in Sachsen zu verstehen. Da die Menschen verschieden sind, müsse sich das auch im Bildungssystem niederschlagen - was im Freistaat Sachsen der Fall sei.

Insbesondere komme es in Sachen Bildung auf die Vermittlung von Wissen, Werten und Kompetenzen an. Der Freistaat unternimmt über Praxisberater (ab 7./8. Klasse), die auch einen unternehmerischen Hintergrund haben können sowie über Einstiegsberater (ab 9. Klasse) sinnvolle Schritte für die Berufsorientierung, indem dabei herausgefunden werden soll, welcher Schüler sich für welches Unternehmen bzw. für welche Tätigkeit eignet. Dies ist im Sinne des Wirtschaftsrates, der seit Jahren die fehlende Praxisorientierung der Schulbildung kritisiert. Die politische Bildung solle u.a. durch außerschulische Lehr-Orte, wie z.B. durch Besuche des Sächsischen Landtags, von Rathäusern etc. gestärkt werden, um dem schwindenden Politikinteresse jüngerer Menschen entgegen zu wirken.

Es sei auch mit dem Irrglauben aufzuräumen, möglichst viele junge Menschen zum Abitur zu bringen, fehlen doch gerade im Handwerk sowie in der Pflege gut ausgebildete Fachkräfte, die für Ihren Beruf nicht notwendigerweise Abitur benötigen. Im Zuge dessen ist es sinnvoll, die Kräfte hinsichtlich von „Elitenbildung“, vor allem aber bei „digitaler Bildung“ zu bündeln. Allein in die digitale Infrastruktur des Bildungssektors wird der Bund 275 Mio. € (Freistaat bringt davon 25 Mio. € Eigenanteil auf) investieren. Eigens dazu wurde im Kultusministerium ein Referat für digitale Bildung geschaffen. Vor allem ältere Lehrer müssen zudem fit für das digitale Zeitalter gemacht werden.

Ein die Unternehmer umtreibendes Thema ist die Wertschätzung des Lehrers, die sich monetär, in der Arbeitsintensität aber auch in der generellen Anerkennung niederschlägt. Ferner konnten unsere Mitglieder und Gäste über Seiteneinsteiger, die Verbeamtung der Lehrer jünger als 42 Jahre, Ü42-Lehrer-Zulage, bring-your-own-device, Lehrer im ländlichen Raum, das Halten der Lehramts-Studenten in Sachsen, die Soziale Marktwirtschaft im Schulunterricht, Teilzeitquoten bei Lehrern, die künftigen Gestaltungsspielräume der Schulen und zum hohen Engagement der Schulen in freier Trägerschaft mit dem Staatsminister diskutieren.

Wichtig, und da sind auch die Unternehmer gefragt, sei eine Vision Bildung 2030, die auf dem Stand der Zeit, die (künftigen) Inhalte der Lehrpläne antizipiert - denkbar seien zudem Doppelspitzen an den Schulen, welche, ähnlich wie in Krankenhäusern, durch einen kaufmännischen sowie einen pädagogischen Schulleiter geführt werden könnten, um die Bodenhaftung zu behalten. Auf diese Weise endete ein gelungener und interessanter Abend mit Staatsminister Piwarz, bei dem sich der Wirtschaftsrat in aller Form bedankt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, bleiben aber dran, wenn es um private Initiativen für marktrelevante exzellente Bildung, um die Vermittlung von Wissen für die berufliche Praxis und um den sinnvollen Einsatz von Steuergeld in die Ressource Bildung als Grundlage für spätere Innovationen aus Sachsen geht.

(Foto: Wirtschaftsrat)
(Foto: Wirtschaftsrat)