20. Oktober 2011
Juniorenkreis besichtigt Windenergieanlage vor den Toren Frankfurts
Auftakt der Veranstaltungsreihe „Deutschlands Energiezukunft“
Mit dem Ziel, seine Mitglieder über Themen aus dem Bereich Energie zu informieren, startete der Juniorenkreis Hessen seine Veranstaltungsreihe „Deutschlands Energiezukunft“ mit einem Besuch einer Windkraftanlage in Karben Kloppenheim. Dabei erfuhren die Teilnehmer Interessantes wie Kurioses von dem Eigner und Betreiber der Anlage. Dass Arie A. Bakker vom Büro für erneuerbare Energien aus Lich weiß, wovon er spricht, zeigt die Zahl von 69 Anlagen, die unter seiner Planung in Hessen bereits errichtet wurden.
Junioren vor dem Windrad (Foto: Wirtschaftsrat)

35761, so lautet die Anlagennummer und damit quasi die „Adresse“ der Windkraftanlage in der Gemarkung Karben, die von der Energiepark Kloppenheim GmbH & Co. KG betrieben wird. Den Weg zur Anlage nahmen die Mitglieder des Juniorenkreises auf Einladung des Geschäftsführers der Betreiberfirma, Arie A. Bakker, aus Richtung des Frankfurter Stadtteils Nieder-Erlenbach auf einem Traktor-Gespann in Angriff.

 

Entgegen den Windverhältnissen bei einer Vorbesprechung wehte dieser am Tage der Besichtigung mit etwa 3,5 Meter pro Sekunde eher schwach, so dass die Begrüßung und Einführung mit Blick auf die Skyline Frankfurts und die über dem Taunus versinkende Sonne im Freien stattfinden konnte. Die Vorlage für die erste Frage nach der Standortauswahl für den Bau eines neuen Windrads war damit gegeben: „Sie müssen die Bauern fragen, auf welchen Feldern ihnen das Heu oder Stroh umher weht. Dann wissen Sie auch, wo Sie eine solche Anlage hinstellen können“, erklärte Bakker. Er ergänzte allerdings, dass diese Analyse tatsächlich nur für eine erste grobe Richtung herhalten könne und erst ein Windgutachten Gewissheit über die tatsächliche Eignung eines Standortes geben kann. Für den Standort in Kloppenheim ergab das Gutachten eine mittlere Windgeschwindigkeit von 6,42 m/s, was nach Bakkers Aussage ein sehr ordentlicher Wert ist, der nicht selten nur in Höhenlagen von über 500 Metern erreicht wird.

 

Doch nicht nur der mögliche Energieertrag ist für die Standortfrage ausschlaggebend: Eine Vielzahl weiterer Gutachten ist nötig, bevor die Bagger anrollen können. Vor allem die Belastung der Umwelt durch Schattenwurf, Schallemission, Eingriff in die Vogelflugrouten ist zu analysieren und dokumentieren, so dass schnell einige Dutzend Ordner mit Gutachten gefüllt sind.

Alfons Bachmann erklärt die Windkraftanlage (Foto: Wirtschaftsrat)

Bei den Ausführungen zum Thema Genehmigung und Gutachten wurde allen Teilnehmern schnell klar, dass der Bau einer Windenergieanlage kein einfaches Unterfangen ist. Neben den genannten bürokratischen Hürden ist auch die Finanzierung von rund 2,9 Millionen Euro sicherzustellen. Und nicht selten wollen Gemeinden und Anwohner überzeugt werden, dass die Erzeugung regenerativer Energien vor ihrer Haustür sinnvoll ist. 

 

„So eine Anlage ist wie ein mittelständischer Betrieb", erklärte Alfons Bachmann, Investor bei diesem Projekt. Er erläuterte im Innern der Anlage Details zur Funktionsweise. Alleine die Investitionssumme lasse einen schon manchmal nachts grübeln.

 

Das er als Unternehmer von seinem „Betrieb“ überzeugt ist und ihn genau kennt, konnten die Teilnehmer seinen Ausführungen entnehmen. Keine der Zahlen scheinen ihm unbekannt: Das Gesamtgewicht beträgt gut 200 Tonnen. Allein die Gondel, die hauptsächlich den Generator und das Getriebe trägt, wiegt 76 Tonnen und ist in einer Höhe von 105 Metern montiert. Hinzu kommen die drei Rotorblätter mit einer Länge von jeweils 44 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 46 Tonnen. Die Anlage hat eine Nennleistung von zwei Megawatt und hat im Jahr 2010 4,1 MWh Strom erzeugt. Wollte man diese Strommenge mit Solarstrom am gleichen Standort erzeugen, bräuchte man eine Fläche von etwa fünf Fußballfeldern, während die Windkraftanlage einschließlich vorgehaltener Kranstellfläche mit weniger als einem halben Fußballfeld auskommt.

 

Für den Juniorenkreis Hessen steht es außer Frage, dass die Windenergie eine bedeutende Rolle in Deutschlands Energiezukunft spielen wird. Der im Verhältnis zu anderen dezentral erzeugbaren Energiearten geringe Platzbedarf und die stetig effizienter werdende Technik scheinen dabei nur einige der Vorteile zu sein.

 

Spannend bleibt die künftige Entwicklung auch in Bezug auf die steuerliche Förderung regenerativ erzeugten Stroms. Denn das deutlich ineffizientere Technologien eine höhere Förderung erfahren als die vergleichsweise leistungsfähige Windenergie wollte den Teilnehmern nicht so recht einleuchten.

Klirrende Kälte und trotzdem riesigen Spaß hatten die Teilnehmer auf dem Traktor Foto: Wirtschaftsrat