15. März 2018
Junger Wirtschaftsrat rechnet mit Rentenpolitik der Großen Koalition ab
Gastbeitrag in der WELT von Marcus Ewald, Bundesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates

Die Babyboomer bedienen derzeit die Schalthebel der Republik. Sie sind zwischen 49 und 63 Jahre alt und die stärkste Alterskohorte. Sie leben in Frieden und Wohlstand. Trotzdem arbeiten sie kollektiv daran, den Generationenvertrag durch übermäßige Rentenforderungen aufzukündigen.

 

Sie erzählen sich die Geschichte, dass die nachfolgenden Generationen ihre teuren Wünsche finanzieren werden. Das werden wir nicht. Weil wir nicht können und weil wir nicht wollen werden.

 

Ich höre oft, dass gerade wir Jungen lauter werden müssen, um uns gegen die selbstgefällige Rentenpolitik der Babyboomer zu stemmen. Vielleicht stimmt das. In vielen Gesprächen mit meinen Altersgenossen entsteht aber ein anderes, fatalistisches Bild. Wir wissen drei Dinge: Das staatliche Rentensystem wird uns nur ein wesentlich niedrigeres Rentenniveau als das aktuelle ermöglichen. Wir werden uns selbst kümmern müssen. Und wir werden es nicht schaffen, einen halben anspruchsvollen Rentner sowie die eigene Familie und ihre Altersvorsorge zu finanzieren.

 

Denn die Lebenserwartung steigt, und der Anteil der einzahlenden Arbeitnehmer an der Bevölkerung sinkt. Mathematisch heißt das: Die kommenden Generationen werden die Babyboomer nicht finanzieren können, wenn jene aus der Ober- und Mittelschicht sich als Rentner nicht in Bescheidenheit üben.

 

All das wissen die Babyboomer auch, und trotzdem verteilen sie Geschenke an die jetzigen Rentner und die eigene Generation. Das kann nur einen Grund haben: Wählerbeeinflussung zur Machtsicherung. Diese Beeinflussung lässt sich moralisch klar einordnen. Sowohl die, die beeinflussen, als auch die, die sich beeinflussen lassen, teilen sich die Schuld. Die Generation der Babyboomer hat sehenden Auges rentenpolitische Leichtmatrosen auf die Brücke gelassen und wird deshalb im Alter auf Grund laufen.

 

Deshalb diese Warnung an die Babyboomer: Der Aufstand der Jungen wird kommen. Aber er kommt erst, wenn ihr schon in Rente seid und wenige Möglichkeiten habt, durch Arbeit eure Rente noch aufzubessern. Wir Jungen werden euch nicht retten.

 

Diese katastrophale Politik hüllt sich in die falsche Gewissheit, dass die Jungen die Zeche schon zahlen. Ich spreche nun aus, was vielen klar ist: Das werden wir nicht. Es wäre zwar ethisch durchaus geboten, beispielsweise eine Kriegsgeneration im Alter besonders zu unterstützen, da ihre Altersvorsorge möglicherweise entwertet wurde. Die Babyboomer aber sind eine in Frieden lebende und beispiellos wohlhabende Generation. Da ist nur eines ethisch geboten: Wir müssen sie jetzt darauf hinweisen, dass sie selbst handeln müssen. Diese Pflicht nehme ich wahr.

 

In den 2030ern entsteht ein neues politisches Problem. Sobald die Babyboomer in Rente sind, stellen sie die überwältigende Mehrheit der Wähler und können die Demokratie in ihrem Interesse dominieren. Ich glaube, dass die arbeitende Bevölkerung das spüren wird. Sie wird die Konsequenzen nicht stillschweigend erdulden.

 

Die zukünftigen Entscheider werden sich fragen: Haben die Babyboomer es gewusst? Hätten sie reagieren können? Wäre es zumutbar gewesen? Ja, ja und ja. Danach werden die Entscheider handeln.

 

Der resultierende Generationenkonflikt kann nur auf zwei Weisen enden: Entweder wird die arbeitende Bevölkerung und damit die Zukunft des Landes ausgesaugt. Oder die Babyboomer werden nach einem scharfen Konflikt schmerzhafte Rentenkürzungen hinnehmen müssen. Die Folge wäre Altersarmut für jene, die nicht selbst vorgesorgt haben. Das müssen wir verhindern.

 

Noch können die Babyboomer selbst handeln. Sie müssen rasch stärker in kapitalgedeckte Altersvorsorge investieren, die Lebenserwartung an das Renteneintrittsalter koppeln und die Rahmenbedingungen für mehr Kinderreichtum schaffen, indem eine umfassende Kinderbetreuung und Steuerrabatte für Familien mit Kindern nach französischem Vorbild eingeführt werden.

 

Liebe Babyboomer: Rettet den Generationenvertrag. Wir werden es nicht mehr können.

 

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