02. November 2011
Frankfurt
Ist Deutschlands „Energiezukunft“ sicher?
„Ausstieg bedeutet immer auch Einstieg“, das sagte Lucia Puttrich, Staatsministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Hessen, jetzt anlässlich einer Diskussionsveranstaltung im Restaurant Nizza während des Frankfurter Unternehmerfrühstücks.
Dr. Lutz R. Raettig, Sprecher Sektion Frankfurt, zusammen mit Staatsministerin Lucia Puttrich. Foto: Wirtschaftsrat

Eurokrise, Hungernöte, Aufstände. Das sind nur einige wenige Beispiele für die aktuellen turbulenten Nachrichten, die die Deutschen von dem Thema Energiewandel ablenken. Aber ist die Energie dadurch weniger wichtig? „Nein, auf gar keinen Fall“, so Puttrich. „Wir dürfen uns selbst nicht klein und schlecht reden“. Die Deutschen waren schon immer sehr mutig und haben den richtigen Sachverstand, um in den verschiedensten Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

 

Vor ziemlich genau einem Jahr hätte Frau Puttrich noch anders über die Energie in Deutschland geredet: 2020 war die „magische“ Zahl, auf die alles geschoben wurde. Allerdings sei heute die Basis eine ganz andere, zum Beispiel im Bezug auf die Atomkraft Sicherheit. Heute könne man es nicht mehr von der Hand weisen, dass die Entwicklung rasant schneller voranging. Wie genau es dazu kam, sei im Endeffekt egal, wichtig sei bloß die jetzige Situation und wie man mit ihr umgehe.

 

Hessen sei das einzige Bundesland, in dem ein Energiegipfel ausgerufen wurde. „Ziel ist es, eine gewisse Ruhe, Verlässlichkeit und Planbarkeit in das heikle Thema zu bekommen und eine Antwort auf: Wie geht es weiter? zu finden.“ Deshalb sei der Energiegipfel so wichtig.  Lucia Puttrich ist sich sicher, dass die „breite Basis eines Konsens“ gefunden werden könne.

Die Staatsministerin erläutert, dass es blauäugig wäre zu sagen: Wir stellen um, koste es was es wolle. Man müsse bei folgenden Punkten besonders in die Tiefe gehen und sie ausfeilen:

 

- Versorgungssicherheit

- Planbarkeit

- Bezahlbarkeit

- Gesellschaftliche Akzeptanz, was das Hauptproblem darstelle und nicht zu unterschätzen sei.

 

„Wenn man den Blick auf die verschiedenen Energiepotentiale lenkt, wird man feststellen, dass die Windenergie am effektivsten ist. Bei Windenergie sind die Emotionen besonders durcheinander“, so Puttrich. Sie sagt, das die CDU in diesem Punkt heute eine andere Basis habe - weg vom Atomstrom, hin zur Windenergie. „Ausstieg bedeutet immer auch Einsteig, ohne geht es nicht“.

 

Im Bezug auf die Energieeffizienz müsse man die Leute überzeugen, mehr zu tun.

70 Prozent des erzeugten Stroms fließen in den Verkehr und Gebäude und davon werden 40 Prozent alleine für Gebäudeheizungen benutzt. Das beziehe sich vor allem auf ländliche Familienhäuser und Häuser von älteren, alleinlebenden Personen. Es wird allerdings ein langer Prozess werden, „dieses Bewusstsein der Bürger braucht Zeit“.

 

Ein weiteres Problem der Stromversorgung sei die Infrastruktur. Man müsse eine dezentrale Energievorsorgung schaffen, wobei die Entwicklung der Netze und des Speichers eine große Rolle spiel. „Das wird uns noch lange beschäftigen“. Projekte wie „desertec“ seien zwar in Planung, aber noch sehr weit von der Realität entfernt.

 

Hessen sei ein Land mit starken Unternehmen und hoher Kompetenz im Bezug auf Forschung und Entwicklung. Man könne nicht immer nur an die Risiken denken, sondern vor allem an die Chancen und müsse mutig sein. „Die Deutschen gehen in Europa den Weg voraus.“