27. April 2016
Technologieführer in der Digitalisierung
Hörfunktechnologie im Wandel von analog zu digital
Junger Wirtschaftsrat zu Gast im Hause Regiocast GmbH
„Jeder Mensch hört 12,3 Jahre seines Lebens Radio, in 14 Tagen aber nur 1,4 Radiosender im Durchschnitt“, erläuterte Dirk van Loh am 27. April 2016, langjähriger Geschäftsführer bei der REGIOCAST GmbH, einem privaten Radiokonzern mit 100 Millionen Jahresumsatz und deutschlandweit 16 Radiosendern, der dreißig weitere Radiosender mit modularisierten Nachrichten beliefert und damit täglich 13 Millionen Menschen erreicht.
Der Junge Wirtschaftsrat SH zu Gast beim privaten Radiokonzern Regiocast GmbH in Kiel / Foto: Wirtschaftsrat

Das Nachrichtengeschäft sei aufwendig, aber der Weg von analogen zu digitalen Radioan- geboten bringe große Herausforderungen mit sich, auf die man strategisch reagieren müsse. Positiv sei, dass digitale Vermarktungsansätze deutlich wertiger sein können als analoge. Allerdings sei der Bereich noch sehr klein im Vergleich zum Anteil der analogen Hörer. In Zukunft würden die Angebote in der digitalen Welt maßgeschneidert auf das Hörver halten und die prognostizierten Präferenzen sein.

„Wer bei Country-Musik den Sender wechselt, bekommt zukünftig keine Country-Musik mehr zu hören“, bringt es van Loh auf den Punkt. Im Gegenzug erhalte die Werbeindustrie Informationen, die in Sekundenbruchteilen verarbeitet werden. Obgleich Spotify derzeit eigentlich nicht profitabel sein könne, generiere es ohne Zweifel hochinteressante Analysemöglichkeiten zum Musik-verhalten der Konsumenten.

In der anschließenden Diskussion fragte der Junge Wirtschaftsrat auch nach der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz im Markt. Dirk van Loh zeigte sich an diesem Punkt resigniert. Er sei ein Freund öffentlich-rechtlicher Berichterstattung, aber der Wettbewerb der privaten gegen den öffentlich-rechtlichen Medienkomplex sei auf allen Ebenen aussichtslos, weil die Politik die Regeln mache und tief mit dem öffentlich-rechtlichen Mediensektor verbunden sei. So müsse man damit leben, daß neue erfolgreiche Konzepte mit einem Vielfachen an Mitteln einfach übernommen würden oder im Rundfunkstaatsvertrag das Werbeverbot der öffentlich-rechtlichen Hörfunksender auf die Prime Time des Fernsehens beschränkt ist, obgleich das Radio bekanntermaßen von 6 bis 9 Uhr die meisten Hörer habe.

Er konzentriere sich daher voll auf die Chancen der REGIOCAST-Unternehmensgruppe im Zuge der Digitalisierung, was beispielsweise eine konsequente Ausrichtung der Personalentwicklung erfordere. Die länderrechtliche Regulierung des Marktes in Deutschland habe auch Vorteile: „Jeder ausländische Konkurrent, der diesen Markt in Deutschland erobern möchte, verabschiedet sich nach der Aufklärung über den rechtlichen Rahmen schnell wieder von dieser Idee“, so van Loh abschließend.

Der Junge Wirtschaftsrat dankte herzlich für die Gastfreundschaft und stellte fest, es sei Zeit, die Wettbewerbsbedingungen im deutschen Radio- und Fernsehmarkt einmal näher unter die Lupe zu nehmen. / BZ

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