10. Oktober 2017
Hessen setzt auf Qualität
Vernünftige Strukturen im Gesundheitssystem
11,5 Prozent des BIP werden in Deutschland für Gesundheit ausgegeben. Die Zahl wächst stärker als das BIP selbst. Doch was bedeutet das runtergebrochen auf den Patienten? Und die Branche? Dieser Frage stellte sich die Landesfachkommission des Wirtschaftsrates Hessen und lud Gesundheitsminister Stefan Grüttner in die Räumlichkeiten von CODE Sports nach Frankfurt ein. Experten aus der Gesundheitswirtschaft stellten die Situation in Hessen auf den Prüfstand.
Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner war zu Gast bei der LFK Gesundheit (Foto: Wirtschaftsrat)

Das Gesundheitswesen ist einer der am breitesten aufgestellten Bereiche überhaupt – und einer der am besten regulierten. Der liberale Wettbewerb greift hier nicht mehr, dabei ist er wichtiger denn je. Wettbewerb bedeutet immer auch Kontrolle. Stefan Grüttner, Hessischer Gesundheitsminister, veranschaulicht seine Ausführungen am Beispiel „Krankenhaus“: „Derzeit haben wir deutschlandweit im Bereich Krankenhaus einen Investitionsstau von 6 Mrd. Euro, hier gilt es anzusetzen und bestehende wie künftige Herausforderungen zu lösen.“ Der Patient und das Patientenwohl müssten dabei immer im Mittelpunkt stehen. „Künftig wird es weiterhin Privatkliniken, freigemeindlich-kirchliche und kommunale Krankenhäuser geben. Dabei stehen viele Kommunale vor der Frage, wie sie sich zukunftsfest aufstellen. Hier braucht es ein Umdenken auch hin zu Verbünden“, beschrieb Grüttner die Zukunft der Krankenhäuser. In jedem Fall bedürfe die Krankenhauslandschaft aber einer Umstrukturierung. „Die Notfallversorgung braucht die Möglichkeit ambulanter Praxen in den Krankenhäusern, ohne diesen Weg wird es nicht mehr gehen“, adressierte der Gesundheitsminister den Grenzbereich zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Hierzu entstehe in Frankfurt höchst ganz aktuell ein Modellprojekt, das stationäre und ambulante Strukturen im Bereich der Notfallmedizin besser verzahne. Zudem müssten „Notfälle“ noch besser in das System des hessischen Rettungsdienstes intergiert werden.

Das Podium v.l.n.r.: Jörn Herseth, Hafid Rifi, Tobias Gottschalk, Stefan Grüttner, Dr. med. Maani Hakimi und Dr. Uwe Böning (Foto: Wirtschaftsrat)

Eine weitere wichtige Veränderung sah Grüttner auch im Bereich der Telemedizin: „Ist es nicht völlig absurd, dass bereits 1,4 Mrd. Euro für die Gesundheitskarte ausgegeben wurden, die Karte aber immer noch nicht existiert?“ Denn mit ihr könnten viele Wege und Doppeluntersuchungen gespart und mehr Sicherheit für die Patienten geschaffen werden. Einzelne Krankenkassen haben hier nachgerüstet und eigene Akten konzipiert. Diese dürfe die Politik nicht sich selbst überlassen und müsse aufpassen, dass der Wettbewerb unter den Krankenkassen bestehen bleibe. Letztlich plädierte Grüttner für ein zweites E-Health-Gesetz, ohne das „ein drittes nicht funktionieren kann.“

Im Anschluss diskutierten Hafid Rifi, CFO der Asklepios Kliniken Verwaltungsgesellschaft mbH, Tobias Gottschalk, Geschäftsführer der Krankenhaus Nordwest GmbH, Jörn Herseth, Managing Partner der Falkensteg GmbH, und Dr. med. Maani Hakimi, Ärztlicher Direktor von CODE Frankfurt, diskutierten im Anschluss unter der Moderation von Dr. Uwe Böning, Geschäftsführender Gesellschafter der Böning-consult GmbH und Geschäftsführer von CODE Frankfurt, das Thema „Krankhäuser zwischen Versorgungssicherung und Kostenexplosion: Ist unser Gesundheitssystem noch zu retten?“. Klarer Appell des Abends: Die Strukturen im Gesundheitssystem dürfen nicht an kommunalen oder Landesgrenzen enden, sondern vernünftig umgesetzt werden. 

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
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