20. Juni 2017
Sektion Kiel
Glaube, Hoffnung, Liebe
Dritter Deutsch-Russischer Empfang auf der Kieler Woche im Hause Wiegert, Werner & Partner
„Es wird schon.“ Dieser Satz beschreibe, so Dr. Helena Melnikov vom Deutsch-Russischen Forum, die typische Charaktereigenschaft der Russen, mit viel Geduld auf eine Lösung zu warten. Auf dem dritten Deutsch-Russischen Kieler-Woche-Empfang des Wirtschaftsrates der CDU e.V. im Hause Wiegert, Werner & Partner in Kiel ging es um das offiziell schwierige Verhältnis der beiden Länder. Inoffiziell und auf unteren Ebenen, so zeigte sich, laufe es besser.
v.l. Dr. Bertram Zitscher, Jens Broder Knudsen, Ivan Khotulev, Dr. Vladislav Belov, Reimer Tewes / Foto: Wirtschaftsrat

Geladen war neben Melnikov der Hauptgast des Abends, Dr. Vladimir Belov, Direktor des Zentrums für Deutschlandforschungen und stellvertretender Direktor für wissenschaftliche Arbeit am Europainstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Beide, Melnikov und Belov, wünschten sich ein wenig mehr Gelassenheit im Umgang der beiden Staaten miteinander. Nächster Prüfstein könne der G20-Gipfel in Hamburg sein, so die dort lebende Melnikov. Sie erwarte eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ost und West. Veranstaltungen, wie die des Wirtschaftsrates, würden beim Ideenaustausch und deren Umsetzung sehr helfen.

 

„Glaube, Hoffnung, Liebe“, zitierte Belov aus einem russischen Gedicht, das seien wesentliche Bestandteile des Umgangs verschiedener Staaten miteinander. Humorvoll erinnerte der Russe an die Landung von Matthias Rust auf dem Platz vor dem Kreml im Jahr 1987: „Da wurden die Gullideckel zugeschweißt, weil man befürchtete, nun kämen die Deutschen auch mit U-Booten in die Moskauer Innenstadt.“ Es habe Misstrauen geherrscht in jener Zeit. Doch immerhin wurde in dieser Zeit auch das Europainstitut gegründet, langsam Vertrauen aufgebaut.


Allerdings: Vertrauen baue auf Verlässlichkeit, und dazu gehöre auch, Versprechen einzuhalten. Der Westen habe die gebrochen, indem entgegen der Vereinbarung die Nato gen Osten erweitert worden sei. Die Befürchtungen und Ängste der Russen seien nicht wahrgenommen worden. Russland habe sich wie eine umlagerte Festung gefühlt.

 

„Wenn der Umgang miteinander in den vergangenen 20 Jahren anders gewesen wäre, der Ukrainekonflikt hätte anders ausgehen können“, so Belov. Der Dialog solle wieder aufgenommen werden, statt weiter mit den Säbeln zu rasseln. Doch ganz so düster sah Belov das deutsch-russische Verhältnis jedoch nicht unbedingt. Die Energielieferungen klappten reibungslos, Deutsche hätten in den vergangenen Jahren knapp vier Milliarden Euro in Russland investiert. Das deutsch-russische Verhältnis sei gut, Vertrauen wieder da. Jedoch das Verhältnis Europa-Russland dagegen: angespannt. Da liege der Ball bei der EU.

Dass die Annahme des Balls jedoch nicht so einfach sei, machte der Bundestagabgeordnete Thomas Stritzl (CDU) in seinem Grußwort klar. „Deutschland kann keine Alleingänge machen“, so Stritzl, es sei eingebettet in die Europäische Gemeinschaft. Sanktionen einseitig aufheben gehe deshalb nicht. Zudem sei es auch wichtig, gegenüber dem Verhandlungspartner die eigenen Positionen klar zu markieren.

Der Ukrainekonflikt habe auch Ängste in Europa ausgelöst, vor allem in den östlichen Ländern der EU. Da gebe es eine hohe Sensibilität . Die Annektierung der Krim habe viel Schaden angerichtet, denn die Anerkennung bestehender Grenzen sei unabdingbar für gegenseitiges Vertrauen. Und: „Die Wurzeln der Demokratie sind freie und geheime Wahlen. Sollte es da eventuelle Beeinflussungen von außen geben, ist das eine Katastrophe für zukünftiges gegenseitiges Vertrauen.“ Gibt es ein Sonderverhältnis zwischen Deutschland und Russland? „Ja“, so Stritzl, er sehe da gemeinsame Seelenklänge.


Auch Europa habe Fehler gemacht. „Wir brauchen ein neues Denken“, betonte der Bundestagsabgeordnete, Vertrauen müsse neu begründet werden. Auf keinen Fall sollte man im Nebel miteinander herumspielen, sondern gegenseitig für Klarheit sorgen. Gastgeber Christian Wiegert sah Licht am Horizont: „Was die große Politik bisher nicht schafft – in den unteren Ebenen funktioniert der Dialog.“ Russland habe sein eigenes Gesicht. Das gelte es zu respektieren./kp